Zwischen Experiment und Expertise
KI in der Praxis digitaler Vermittlung
Wie funktioniert KI eigentlich im konkreten Arbeitsalltag in der Produktion digitaler Vermittlungsangebote?
Ausgangspunkt ist ein klassisches Feld: Audioguides und mediale Vermittlung. Hier wird KI seit einiger Zeit ganz selbstverständlich eingesetzt – etwa in der Konzeption, bei Texten, Übersetzungen oder der Vertonung. Die Erfahrungen damit sind allerdings ambivalent. Einerseits beschleunigt KI viele Prozesse erheblich. Erste Ideen entstehen schneller, Inhalte lassen sich rasch variieren und in verschiedene Zielgruppenformate überführen. Andererseits zeigt sich sehr deutlich, dass die Ergebnisse stark schwanken – zwischen überraschend brauchbar und unfreiwillig komisch.
Gerade in der Konzeptionsphase wird das besonders sichtbar. KI liefert Vorschläge, die inspirieren können, aber nicht selten auch ins Absurde kippen. Atmosphärische Beschreibungen oder akustische Ideen wirken dann plötzlich unlogisch oder schlicht unbrauchbar. Diese Momente sind nicht nur amüsant, sondern machen auch deutlich, dass KI keine inhaltliche Verantwortung übernimmt. Sie produziert Material – die Bewertung und Auswahl bleibt vollständig beim Menschen.
Ähnlich verhält es sich bei der Audio-Produktion. Die Qualität synthetischer Stimmen hat sich in kurzer Zeit enorm verbessert und erreicht inzwischen ein Niveau, das in bestimmten Kontexten absolut nutzbar ist. Gerade für kleinere Häuser eröffnet das neue Möglichkeiten, etwa bei mehrsprachigen Angeboten, die zuvor aus Kostengründen kaum realisierbar waren. Gleichzeitig bleibt ein Unterschied zur professionellen Studioproduktion bestehen – insbesondere dort, wo es um Nuancen, Dramaturgie oder komplexe Klangbilder geht.
Auch im visuellen Bereich zeigt sich diese Spannung. KI-generierte Bilder können schnell produziert werden und ermöglichen Dinge, die mit klassischen Mitteln kaum finanzierbar wären. Doch gerade bei komplexeren Szenen wird deutlich, dass die Ergebnisse oft mehrere Iterationen benötigen und nicht immer logisch konsistent sind. Der Weg zum brauchbaren Ergebnis ist also kürzer geworden – aber keineswegs trivial.
KI verändert die Produktionsmittel, aber nicht die Notwendigkeit von Expertise. Im Gegenteil: Je einfacher Inhalte erzeugt werden können, desto wichtiger wird die Fähigkeit, ihre Qualität zu beurteilen. Redaktion, Lektorat und konzeptionelle Erfahrung bleiben entscheidend.
xpedeo hat KI direkt in redaktionelle Systeme integriert. Texte können dort automatisch angepasst, in verschiedene Sprachstile überführt, übersetzt und vertont werden. Damit verschiebt sich die Arbeit: weg von der reinen Produktion, hin zur Steuerung, Auswahl und Verfeinerung von Inhalten.
Alle Prompts basieren auf der jahrelangen Erfahrung des Teams.
Durch schnell generierbare Inhalte können Vermittlungsformate – etwa narrative Führungen oder spielerische Anwendungen – frühzeitig erprobt werden. Wegeführung, Dramaturgie oder Aufmerksamkeitsspannen lassen sich realitätsnah testen, bevor aufwendige Produktionen entstehen. In Kombination mit dem Auswertungstool von xpedeo können Museen so besser verstehen, welche Inhalte funktionieren und wo nachgeschärft werden muss.
Damit wird KI zu einem Werkzeug, das vor allem eines ermöglicht: Iteration. Inhalte können schneller entwickelt, ausprobiert und angepasst werden. Das verändert nicht nur Produktionsprozesse, sondern auch die Haltung gegenüber digitalen Formaten. Sie werden weniger endgültig, dafür experimenteller und flexibler.
Credits und Zusatzinfos:
Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten im Rahmen der ARGE Digitales Museum Was gibt es Neues? Edition 2026 des Museumsbund Österreich am 17./18. März 2026.










