Unsichtbare Technologie
Warum gute digitale Vermittlung nicht auffallen sollte
Von:
Gerald Müller (xamoom), Klagenfurt
Die Zukunft digitaler Vermittlung ist unsichtbar. Gemeint ist damit nicht der Verzicht auf digitale Angebote, sondern deren radikale Vereinfachung und Integration in das Ausstellungserlebnis. Technologie soll nicht im Vordergrund stehen, sondern den Zugang zu Inhalten erleichtern – möglichst ohne zusätzliche Hürden.
Weniger Technik, mehr Erlebnis
Digitale Vermittlung kann schnell überladen wirken. Zu viele Funktionen, zu viele Interfaces, zu viele Entscheidungen für Besucher:innen.
Demgegenüber steht ein anderer Anspruch:
- niedrigschwelliger Zugang
- intuitive Nutzung
- kein technisches Vorwissen notwendig
Ein einfaches Beispiel ist der Einsatz von QR-Codes als Zugangspunkt. Statt komplexer Systeme reicht oft ein klarer, direkter Einstieg, der ohne Installation oder lange Navigation funktioniert.
Technologie tritt in den Hintergrund – die Geschichte rückt in den Vordergrund.
Personalisierung ohne Überforderung
Digitale Vermittlung eröffnet die Möglichkeit, Inhalte an unterschiedliche Zielgruppen anzupassen, wie bspw. Kinder, Tourist:innen oder auch Expert:innen.
Doch statt alle Informationen gleichzeitig sichtbar zu machen, sollten Inhalte situativ ausgespielt werden.
Ein Kind interessiert sich für andere Aspekte eines Kunstwerks als eine Kunsthistorikerin – und genau darauf kann digitale Vermittlung reagieren. Entscheidend ist dabei, dass diese Anpassung nicht als zusätzliche Komplexität wahrgenommen wird, sondern als natürliche Erweiterung des Erlebnisses.
Geschichten statt Interfaces
Nicht die Technologie, sondern die Geschichte zählt. Digitale Systeme sollten Inhalte so strukturieren, dass sie flexibel ausgespielt werden können – als Audio, als kurzer Text, als spielerisches Element, in einfacher Sprache oder in unterschiedlichen Tonalitäten.
Die Vermittlung wird damit modular und adaptiv. Gleichzeitig bleibt die inhaltliche Grundlage stabil – idealerweise in Form sauber strukturierter Daten, die unterschiedlich genutzt werden können.
KI als Werkzeug – nicht als Selbstzweck
Durch den Einsatz von KI in der Vermittlung können Inhalte auf Basis vorhandener Daten schnell generiert und für verschiedene Zielgruppen angepasst werden können. Diese Möglichkeiten können Arbeitsprozesse deutlich beschleunigen, wenn KI auf einer verlässlichen Datenbasis aufbauen kann.
Kuratorische Kontrolle und inhaltliche Qualität bleiben zentral.
Vermittlung als kontinuierlicher Prozess
Viele gute Vermittlungsideen scheitern nicht an Kreativität, sondern an fehlendem Budget, langen Projektlaufzeiten und technischen Hürden. Digitale Werkzeuge können hier neue Spielräume eröffnen, wenn sie schnell einsetzbar sind, flexibel angepasst werden können und ohne große Projektstrukturen funktionieren.
Damit wird digitale Vermittlung stärker in den Alltag integriert – und verliert den Charakter eines einmaligen Projekts.
Inklusion durch Reduktion
Die Reduktion von Komplexität trägt zur Inklusion bei. Wenn Technologien intuitiv bedienbar sind, keine zusätzlichen Barrieren schaffen und Inhalte klar und zugänglich präsentieren, dann profitieren alle Nutzer:innen – unabhängig von Vorkenntnissen oder individuellen Voraussetzungen.
Inklusion entsteht hier nicht durch zusätzliche Funktionen allein, sondern durch ein durchdachtes Gesamtsystem.
Die beste Technologie ist die, die man nicht bemerkt
Credits und Zusatzinfos:
Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten im Rahmen der ARGE Digitales Museum Was gibt es Neues? Edition 2026 des Museumsbund Österreich am 17./18. März 2026.










