KI als neues Vermittlungsmedium
Zwischen kuratorischer Kontrolle und personalisiertem Dialog
Von:
Christoph Renschler (Musa Guide), London
KI sollte nicht als Ersatz für bestehende Formate zu verstehen, sondern als neues Medium der Vermittlung.
Zwar ist es heute technisch einfacher denn je, Inhalte vollständig KI-generiert zu produzieren – von Texten bis zu Audio. Doch diese Entwicklung muss nicht zwangsläufig zu einer Abwertung führen.
KI kann die Qualität der Vermittlung sogar steigern – wenn sie richtig eingesetzt wird.
Drei Modelle digitaler Vermittlung
Wie kann KI aktuell im Museumsbereich eingesetzt wird:
1. Statische Guides (klassisch erweitert) mit vorab produzierten Inhalten, die zunehmend auch KI-gestützt erstellt werden. Sie sind kostengünstig und skalierbar, aber begrenzt in Interaktion und Anpassung.
2. Vollständig dialogbasierte Systeme („Chat-Erlebnisse“) mit direkter Interaktion mit einzelnen Objekten. Besucher:innen können Fragen stellen, der Grad der Individualisierung ist hoch. Herausforderungen sind hier die fehlende kuratorische Struktur sowie die Gefahr von Kontextverlust.
3. Hybride Modelle (kuratierte + interaktive Guides) als zukunftsfähiger Mittelweg: Die klare kuratorische Struktur bleibt erhalten, Besucher:innen können zusätzlich Fragen stellen. Inhalte passen sich dynamisch an. Dieses Modell verbindet zwei zentrale Anforderungen: Qualität und Verlässlichkeit sowie Flexibilität und Personalisierung.
So ist der Vermittlungsinhalt ist nicht mehr fix, sondern dynamisch.
Das bedeutet: keine einmal festgelegten Texte und kontinuierliche Weiterentwicklung der Inhalte. Eine Anpassung an Nutzer:inneninteraktionen ist möglich.
Gleichzeitig bleibt die kuratorische Grundlage bestehen: Inhalte werden vorbereitet und strukturiert, Narrative und Perspektiven werden bewusst gesetzt, KI agiert innerhalb definierter Rahmenbedingungen.
Lernen von den Besucher:innen
Ein besonders spannender Aspekt ist die Möglichkeit, aus Interaktionen zu lernen. Durch die Analyse von Nutzerfragen lassen sich neue Erkenntnisse gewinnen: Welche Themen interessieren besonders? Wo bestehen Wissenslücken? Welche Fragen wurden bisher nicht berücksichtigt?
Damit entsteht ein kontinuierlicher Kreislauf: Inhalte werden bereitgestellt, Besucher:innen interagieren damit und neue Fragen entstehen. Die Inhalte werden angepasst und erweitert.
Ein zentrales Spannungsfeld bleibt bestehen: Wie viel Freiheit verträgt kuratierte Vermittlung?
Eine starke Kuratierung bringt hohe inhaltliche Kontrolle, aber weniger Individualisierung. Starke Personalisierung bedeutet hohe Flexibilität, aber Risiko von Beliebigkeit
Musa Guide stellt strukturierte Touren als Grundlage zu Verfügung und individuelle Abzweigungen und Vertiefungen nach Bedarf.
Neue Möglichkeiten der Sprach- und Kontextanpassung
Statt standardisierter Übersetzungen können Inhalte regional angepasst werden (z. B. Dialekte oder kulturelle Nuancen), thematisch präziser formuliert werden und kontextsensitiv vermittelt werden.
Das eröffnet neue Möglichkeiten für internationale Zielgruppen, differenzierte Vermittlung und kulturelle Sensibilität.
Diese Art von Guide zeigt deutlich höhere Nutzungsraten im Vergleich zu klassischen Guides und intensivere Interaktion der Besucher:innen, also aktive Beteiligung statt passivem Konsum.
Ein signifikanter Anteil der Nutzer:innen nutzt aktiv die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Inhalte zu vertiefen.
Die Rolle von Vermittlung wird sich grundlegend zu verändern, lineare Informationsvermittlung wird durch einen dialogischer, adaptiver Prozess ersetzt.
Für Museen bedeutet das, neue Formen der Interaktion zu entwickeln und kuratorische Verantwortung neu zu definieren.
Die Zukunft der Vermittlung liegt nicht nur im Erzählen – sondern im Gespräch.
Credits und Zusatzinfos:
Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten im Rahmen der ARGE Digitales Museum Was gibt es Neues? Edition 2026 des Museumsbund Österreich am 17./18. März 2026.










