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Digitale Sammlungen neu denken
Warum ein zentrales Repository mehr ist als eine Online-Sammlung

Die Softwarelösung von semantics ist keine Sammlungsdatenbank, sondern eine ergänzende Infrastruktur: ein zentrales digitales Repository.

Diese Unterscheidung ist zentral. Während klassische Sammlungsmanagementsysteme die wissenschaftliche Erschließung und Verwaltung von Objekten leisten, setzt die semantics-Lösung an einem anderen Punkt an. Sie bündelt digitale Materialien unterschiedlichster Art – von Objektabbildungen über Publikationen bis hin zu Audio, Video oder 3D-Daten – und macht sie gemeinsam nutzbar und zugänglich. Damit entsteht eine zweite Ebene neben der klassischen Sammlung: eine Ebene der Nutzung, Vernetzung und Präsentation.
 
Gerade für viele Museen liegt hier eine entscheidende Herausforderung. Digitale Inhalte entstehen heute an vielen Stellen – in Projekten, in der Forschung, in der Vermittlung – und bleiben oft in getrennten Systemen oder sogar in isolierten Dateistrukturen liegen. Die Folge sind Datensilos, die nicht nur schwer zugänglich sind, sondern auch kaum miteinander in Beziehung treten können. Der Ansatz eines zentralen Repositories versucht, diese Fragmentierung aufzulösen und die verschiedenen Bestände in einem gemeinsamen Raum zusammenzuführen.
 
Was daraus entsteht, ist mehr als eine klassische „Online-Sammlung“. Durch die Zusammenführung unterschiedlicher Datenquellen eröffnen sich neue Formen des Zugriffs. Inhalte lassen sich nicht nur über einzelne Objekte erschließen, sondern auch über übergeordnete Strukturen wie Orte, Themen oder Personen. Kartenbasierte Suchen, verknüpfte Bestände oder kombinierte Recherchewege ermöglichen einen deutlich erweiterten Zugang zum Material. Für Nutzer:innen bedeutet das eine andere Erfahrung: weniger punktuelle Suche, mehr exploratives Entdecken.
 
Ein besonderer Mehrwert entsteht dort, wo diese Daten nicht nur gesammelt, sondern auch weiterverarbeitet werden, etwa zu virtuellen Ausstellungen, die direkt aus der Sammlung heraus entstehen. Ohne zusätzliche Programmierung können Inhalte kuratiert, angeordnet und als narrative Formate publiziert werden. Damit wird die Sammlung selbst zum Ausgangspunkt für Vermittlung.
 
Solche Systeme werfen nicht nur technische, sondern auch kuratorische Fragen auf, bspw. im  Umgang mit problematischen Begriffen in historischen Beständen. In vielen Sammlungen finden sich Sprachschichten, die heute als diskriminierend oder veraltet gelten. Diese lassen sich nicht einfach entfernen, da sie Teil der historischen Dokumentation sind – gleichzeitig müssen sie kontextualisiert werden.
 
Hier setzt ein Ansatz an, der Automatisierung und kuratorische Verantwortung verbindet. Begriffe werden systematisch erkannt, markiert und mit erklärenden Kontextinformationen versehen. Nutzer:innen erhalten Hinweise auf problematische Sprache, können diese einordnen und zugleich nachvollziehen, in welchen historischen Zusammenhängen sie verwendet wurde. Entscheidend ist dabei, dass diese Informationen nicht nur punktuell erscheinen, sondern konsequent über die gesamte Sammlung hinweg sichtbar gemacht werden.
 
Gerade bei großen Datenbeständen wird deutlich, warum solche Prozesse nicht rein manuell funktionieren können. Millionen von Wörtern, zahlreiche Objekte und unterschiedliche Erschließungsebenen machen eine automatisierte Unterstützung notwendig. Gleichzeitig bleibt die inhaltliche Grundlage kuratorisch: Die erklärenden Texte stammen aus der Arbeit der Institution selbst und werden systematisch in die Plattform integriert.
 
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die Anschlussfähigkeit nach außen. Digitale Sammlungen stehen heute nicht mehr isoliert, sondern sind Teil größerer Netzwerke. Schnittstellen zu Aggregatoren wie Kulturportalen oder europäischen Plattformen ermöglichen es, eigene Bestände in übergreifende Kontexte einzubinden. Umgekehrt können externe Datenquellen auch zur Anreicherung genutzt werden. Voraussetzung dafür sind standardisierte Formate und offene Schnittstellen.
 
Viele Museen verfügen weder über die Ressourcen noch über die strukturellen Voraussetzungen, um komplexe Eigenentwicklungen langfristig zu betreiben. Standardisierte Softwarelösungen bieten hier eine Möglichkeit, schneller arbeitsfähig zu werden und Projekte planbar umzusetzen. Der Fokus kann so stärker auf den eigenen Inhalten und Kompetenzen liegen, während technische Infrastruktur ausgelagert wird. 

Credits und Zusatzinfos: 
Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten im Rahmen der ARGE Digitales Museum Was gibt es Neues? Edition 2026 des Museumsbund Österreich am 17./18. März 2026.
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