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Born digital von Anfang an
Die Filmsammlung des ZOOM Kindermuseums als Archiv der Kinder- und Jugendkultur

Die Trickfilmsammlung des ZOOM Kindermuseums ist nicht nachträglich digitalisiert worden, sondern von Beginn an digital entstanden. Zugleich ist sie konsequent partizipativ angelegt – denn ihre Inhalte werden direkt von Kindern und Jugendlichen selbst produziert.

Im Zentrum steht das Trickfilmstudio des Museums, in dem junge Besucher:innen im Rahmen künstlerischer Workshops eigene Filme entwickeln und umsetzen. Über einen Zeitraum von inzwischen 25 Jahren ist so ein außergewöhnlicher Bestand entstanden: eine umfangreiche Sammlung aus Film- und Soundproduktionen, die einen seltenen, unmittelbaren Einblick in die Themen, Ausdrucksformen und ästhetischen Praktiken von Kindern und Jugendlichen bietet.
 

Ein Vierteljahrhundert kreative Produktion

Das ZOOM Kindermuseum ist seit rund 30 Jahren aktiv und seit 25 Jahren am heutigen Standort im Wiener MuseumsQuartier beheimatet. Parallel zur museumspädagogischen Arbeit hat sich dort über die Jahre eine beachtliche Mediensammlung aufgebaut. Heute umfasst sie nahezu 10.000 Filme sowie mehr als 300 Soundproduktionen, die dauerhaft digital verfügbar sind.
 
Das Besondere daran ist nicht allein der Umfang, sondern vor allem die Entstehungssituation: Die Werke werden nicht von professionellen Filmschaffenden produziert, sondern von Kindern und Jugendlichen im Alter von etwa acht bis vierzehn Jahren. In relativ kurzen Workshopformaten – oft zwischen eineinhalb und drei Stunden – entstehen in gemeinschaftlicher Arbeit Trickfilme, die sowohl spontane Ideen als auch konkrete Alltagserfahrungen verarbeiten.
 
Damit bildet die Sammlung nicht nur künstlerische Prozesse ab, sondern auch ein Stück Alltags- und Erfahrungsgeschichte junger Generationen.
 

Kinder- und Jugendkultur als Sammlungsgut

Gerade aus musealer Perspektive ist dieser Bestand bemerkenswert. Die Produktionen spiegeln, was Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Jahren beschäftigt hat: Wünsche, Ängste, popkulturelle Einflüsse, mediale Vorbilder, gesellschaftliche Stimmungen und persönliche Themen.
 
So entsteht über die Jahre hinweg ein dichtes kulturelles Archiv, das Entwicklungen in der Kinder- und Jugendkultur sichtbar macht. In den Filmen verdichten sich Motive aus Popkultur und Medienwelt ebenso wie Fragen aus dem sozialen Alltag. Die Sammlung zeigt damit nicht nur einzelne kreative Ergebnisse, sondern eröffnet langfristig auch ein Forschungsfeld: für Kulturvermittlung, Kindheitsforschung, Medienpädagogik und museale Sammlungsstrategien.
 
Besonders interessant ist dabei die zeitliche Tiefe. Während aktuelle Produktionen unmittelbare Rückschlüsse auf gegenwärtige Themen junger Menschen zulassen, gewinnen ältere Filme zunehmend dokumentarischen Wert. Sie verweisen auf vergangene Medienwelten, Bildsprachen und kulturelle Referenzen, die sich im Rückblick neu lesen lassen.
 

Partizipation mit archivarischem Anspruch

Dass eine solche Sammlung langfristig tragfähig ist, liegt auch an ihrer professionellen Betreuung. Die Produktionen werden nicht nur im Rahmen von Vermittlungsarbeit erzeugt, sondern mit archivischem Anspruch gesichert, dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht. Voraussetzung dafür sind unter anderem Einverständniserklärungen, die eine Nutzung und Präsentation der Werke überhaupt erst ermöglichen.
 
Gerade hierin zeigt sich ein wichtiger Aspekt digitaler Sammlungsarbeit: Partizipation allein genügt nicht. Erst durch rechtliche Klärung, strukturierte Archivierung und nachhaltige Bereitstellung wird aus einer Vielzahl kreativer Beiträge tatsächlich eine Sammlung mit musealem Wert.
 

Zugang, Sichtbarkeit und erste Formen der Datenvisualisierung

Die ZOOM-Trickfilme sind über eine digitale Mediathek zugänglich und können dort online angesehen werden. Mit intwachsender Bestandsgröße werden auch neue Formen der Erschließung nötig. Eine rein chronologische Anzeige reicht bei mehreren tausend Objekten kaum noch aus, um Zugänge zu schaffen.
 
Als Reaktion darauf wurden bereits unterschiedliche Präsentationsformate entwickelt. Dazu gehört etwa eine interaktive Anwendung – die Wühlkiste –, die als Zufallsgenerator durch den Bestand führt und spielerisch neue Einstiege in die Sammlung ermöglicht. Solche Formate sind mehr als bloße Vermittlungsangebote: Sie reagieren auf ein grundlegendes Problem digitaler Sammlungen, nämlich auf die Frage, wie große Mengen an born-digitals sichtbar, navigierbar und interpretierbar bleiben.
 
Sammlungen brauchen nicht nur Speicher- und Erschließungssysteme, sondern ebenso Formen der Darstellung, die Orientierung, Neugier und Wiederentdeckung ermöglichen.
 

Zwischen gewachsener Infrastruktur und dringendem Modernisierungsbedarf

Mit der wachsenden Zahl an Objekten steigen die Erwartungen an Suchfunktionen, Filtermöglichkeiten, Auswertung und Schnittstellenfähigkeit. Von besonderer Bedeutung ist auch die Frage nach Standards und Kompatibilität. Die Einführung offener Schnittstellen und standardisierter Austauschformate würde es ermöglichen, die Sammlung stärker mit anderen Plattformen zu vernetzen und ihre Sichtbarkeit über die eigene Institution hinaus zu erhöhen. Gerade für born-digitals, die nicht nur bewahrt, sondern auch beforscht werden sollen, ist diese Anschlussfähigkeit zentral.
 
Doch wie in vielen Häusern steht auch hier die technische Weiterentwicklung unter Finanzierungsvorbehalt. Digitale Sammlungen entstehen oft mit großem Engagement, ihre langfristige Pflege und Weiterentwicklung ist jedoch nur schwer aus laufenden Ressourcen zu sichern.

Credits und Zusatzinfos: 
Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten im Rahmen der ARGE Digitales Museum Was gibt es Neues? Edition 2026 des Museumsbund Österreich am 17./18. März 2026.
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