ISTA At A Glance, Maria Gugging, 2025; Foto: Bernhard Weber
Beyond Touchscreens: Neue Interfaces für intuitive Museumserlebnisse
Von:
Benjamin Pokropek (Bildwerk Media OG), Wien
Zwei Projekte von BILDWERK zeigten exemplarisch, wie digitale Inhalte durch haptische Interfaces und räumliche Inszenierung erfahrbar werden können.
Projekt 1: ISTA At A Glance, Maria Gugging, 2025
Wie gelingt es, komplexe Forschung sichtbar, verständlich und erlebbar zu machen? Damit beschäftigt sich das neu geschaffene VISTA Science Experience Center des Institute of Science and Technology Austria (kurz ISTA).
In enger Zusammenarbeit mit dem Communications Team des ISTA hat BILDWERK die Installation „ISTA At A Glance“ entwickelt:
Eine innovative Synthese aus Form, Inhalt und Interaktion. Sieben digitale Stelen, die aktuelle Forschung und den ISTA Kosmos intuitiv erlebbar machen.
In enger Zusammenarbeit mit dem Communications Team des ISTA hat BILDWERK die Installation „ISTA At A Glance“ entwickelt:
Eine innovative Synthese aus Form, Inhalt und Interaktion. Sieben digitale Stelen, die aktuelle Forschung und den ISTA Kosmos intuitiv erlebbar machen.
Ausgangspunkt war die Herausforderung, ein vielschichtiges Themenfeld (Große Forschungsfragen, Personen, Projekten und Geschichte – verständlich und attraktiv zu vermitteln. Die Installation setzt auf Bewegung als Erzählform. Sieben Display-Stelen sind in einer gedachten Linie positioniert und verbinden den Eingangsbereich mit dem Zentrum des Hauses.
Im Mittelpunkt steht eine analoge, taktile Form der Steuerung. Jede Stele ist mit einem haptischen Drehregler ausgestattet, über den Besucher:innen durch die Inhalte navigieren. Drei freistehende Stelen lassen sich zusätzlich physisch um ihre eigene Achse drehen und fungieren so als eine zweite Bewegungsebene: der Bildschirm selbst wird zum „Fenster“ in virtuelle Räume. Die Navigation folgt einer klaren, menschenzentrierten Logik: Durch Drehen und Mitschwenken erkunden Besucher:innen die Inhalte aus wechselnden Perspektiven und erleben Wissenschaft als räumliche Erfahrung.
Jede Stele verfügt über einen physischen Drehregler, der als Navigationsinstrument dient und ein kontextabhängig gesteuertes, haptisches Feedback bietet.
Jede Stele verfügt über einen physischen Drehregler, der als Navigationsinstrument dient und ein kontextabhängig gesteuertes, haptisches Feedback bietet.
Durch das Drehen navigieren Besucher:innen durch Inhalte, wechseln Perspektiven oder bewegen sich durch virtuelle Räume – etwa in Form von 360°-Einblicken in Labore, die sonst nicht zugänglich sind.
Diese Form der Interaktion verbindet mehrere Ebenen:
- räumliche Orientierung
- körperliche Bewegung
- digitale Exploration
Intuitive Nutzung statt technischer Hürde
Ein wesentliches Ziel des Projekts war es, Interaktion möglichst niedrigschwellig zu gestalten: keine komplexen Interfaces, keine erklärungsbedürftigen Menüs. Die Nutzung der Interfaces ist inklusiv gedacht, sie ist auch für Rollstuhlfahrer:innen möglich. Die Inhalte sind mehrsprachig und können über ein CMS laufend gepflegt werden.
Credits:
Objektdesign: Zirup, Michael Manigatterer
Objektbau: Intoart
Redaktion & Inhalt: ISTA
Redaktion & Inhalt: ISTA
Projekt 2: Save Land – Bundeskunsthalle, Bonn (DE), 2024/2025
Die Ausstellung Save Land wurde in Kooperation zwischen der Bundeskunsthalle und der UNCCD-G20 Global Land Initiative entwickelt. Sie vereint auf über 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche wichtige Werke zeitgenössischer Kunst mit Exponaten aus den Naturwissenschaften und verschiedenen digitalen Installationen, um die globale Situation unserer Landflächen spannend und interaktiv zu vermitteln.
Hier wurde bewusst auf eine Vielzahl unterschiedlicher Interaktionsformen gesetzt, hervorgehoben wurden in dieser Präsentation Medienexponate, die bewusst ohne Touchscreen umgesetzt wurden:
- Mapping-Wandprojektionen mit taktilen Steuerungselementen aus Holz
- Ein interaktiver, digitaler Globus
- Bodenprojektionen, die auf Bewegungen der Besucher:innen reagieren
- Ein „Sticker-Automat“, mit dem Besucher:innen Sticker erstellen und direkt ausdrucken können
Unterschiedliche Nutzungsweisen im Publikum
Während der Ausstellung zeigte sich auch, wie unterschiedlich Besucher:innen auf interaktive Angebote reagieren: Jüngere Besucher:innen experimentierten aktiv mit den Installationen. Sie probierten aus und entdeckten Inhalte spielerisch. Älteres Stammpublikum der Bundeskunsthalle hingegen zögerte teilweise auch aus Gewohnheit (Kunstmuseum = Hands off), insbesondere bei ungewohnten Interaktionsformen wie Bodenprojektionen.
Credits:
Kuration: Bundeskunsthalle, Henriette Pleiger
Ausstellungsgestaltung & -grafik: dform, Andreas Pawlik
Materialität als Vermittlungsstrategie
Beide Projekte haben bewusst physische Materialien eingesetzt: Holz-Interfaces, mechanische Steuerungselemente, greifbare Objekte.
Diese Materialität erfüllt mehrere Funktionen: Sie schafft Vertrauen und Zugänglichkeit, signalisiert „Benutzbarkeit“ und verbindet digitale Inhalte mit körperlicher Erfahrung.
Interaktion kann mehr sein als Touchscreen und Taster
Die vorgestellten Projekte zeigen, dass digitale Vermittlung nicht zwangsläufig über Touchscreens erfolgen muss. Die Kombination aus Raum, Körper, taktilen Elementen und digitalem Inhalt eröffnet neue Möglichkeiten. Sie werden, wenn richtig eingesetzt, intuitiv genutzt, binden Besucher:innen stärker ein und bieten vielfältigere Zugänge für unterschiedliche Zielgruppen.
Die Zukunft interaktiver Vermittlung liegt nicht nur im Digitalen – sondern in der Verbindung von digital und physisch.
Weitere Informationen auf https://bildwerk.tv
Credits und Zusatzinfos:
Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten im Rahmen der ARGE Digitales Museum Was gibt es Neues? Edition 2026 des Museumsbund Österreich am 17./18. März 2026.










