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„Belastete“ Objekte im digitalen Raum
Veröffentlichung von Objekten mit Bezug zum Nationalsozialismus in der Sammlung Online des hdg

Eine zentrale Aufgabe des Hauses der Geschichte Österreich (hdgö) besteht in der kritischen Aufarbeitung von Objekten der Demokratie- und Diktaturgeschichte – darunter auch von Objekten mit Bezug zum Nationalsozialismus, inklusive Propagandamaterialien.
 
Vor allem aufgrund zahlreicher Schenkungsangebote von „belasteten“ Objekten aus der Öffentlichkeit umfasst ein großer Teil der Sammlung Objekte mit Bezug zur Geschichte des NS. In der neuen Sammlung Online des Hauses der Geschichte Österreich (hdgö) sollen ab April 2026 auch diese Objekte online zugänglich gemacht werden. 
 
Wie mit „belasteten“ Objekten im digitalen Raum umgehen?

Veröffentlichen – unter bestimmten Bedingungen 

Die grundlegende Entscheidung Objekte mit Bezug zum Nationalsozialismus online verfügbar zu machen, wurden im hdgö intensiv diskutiert. 
Dabei wurden von Anfang an bestimmte Objekte von einer Veröffentlichung ausgeschlossen – insbesondere Darstellungen von Gewalt (mit Ausnahme von Objekten aus der Erinnerungsarbeit oder aus einer selbstermächtigenden Perspektive) oder entwürdigende Abbildungen. 
Die Sammlungen Online wird als ein Format verstanden, das eine Kontextualisierung und Auseinandersetzung mit den Objektmerkmalen und -geschichten erzwingt. Objekte werden nicht neutral beschrieben, sondern historisch eingeordnet und analysiert. 
Eine für eine breite Öffentlichkeit formulierte kuratorisch-vermittlerische Beschreibung liefert multidimensional kontextualisierende und bildanalytische Einordnungen, die alle wesentlichen Ebenen von Kontext, Bedeutung und Rezeption umfassen. 
Ziel der Sammlung Online ist es, zuverlässige und fundierte Informationen für Bildungs- und Forschungskontexte zur Verfügung stellen. 
 

Objektfotografie  

Korrespondierend mit den oben angesprochenen Kriterien der Kontextualisierung wurden vom Team des hdgö auch für die Objektfotografie Kriterien entwickelt. Propagandistische Bildsprachen sollen nicht reproduziert oder verstärkt werden. Bei Objekten mit antidemokratischen oder menschenrechtsfeindlichen Botschaften werden Abbildungen hergestellt, die eine kritische Rezeption fördern – durch die Vermeidung überhöhender Darstellung (durch Perspektive oder Anordnung) oder etwa die Fokussierung auf Gebrauchsspuren.
 
In manchen Fällen wird dabei in Kauf genommen, dass bestimmte objektimmanente Informationen nicht auf den Objektfotos erkennbar sind. Auf diese wird dann – sofern relevant – in den Beschreibungen hingewiesen. 
 

Ein laufender Prozess

 
Die Festlegung dieser internen Kriterien ist aktuell noch nicht abgeschlossen. Darüber hinaus ist der Umgang mit „belasteten“ Objekten mit Bezug zum NS ein andauernder Prozess. Das Projekt wird ebenso wie Zugangsweisen der Sammlung grundsätzlich laufend diskutiert und in enger Zusammenarbeit zwischen allen Abteilungen des Museums weiterentwickelt. 
 
Mit dem Launch der Online-Sammlung im April 2026 ist auch eine Einladung verbunden: Feedback und Austausch werden ausdrücklich gewünscht, um die Ansätze weiterzuentwickeln.

Credits und Zusatzinfos: 
Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten im Rahmen der ARGE Digitales Museum Was gibt es Neues? Edition 2026 des Museumsbund Österreich am 17./18. März 2026.
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