Foto: KI-generiert by inatura
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Zeig mir deine Maus, Katze! – Vom Beutetier zur Roten Liste
Vorarlberger Katzen im Dienst der Wissenschaft

Über Citizen Science Projekte ist schon viel geschrieben und gesprochen worden. Anfänglich (und mancherorts immer noch) belächelt, etabliert sich diese Forschungsausrichtung zunehmend in der Welt der Wissenschaften. Als naturkundliches Museum ist die inatura - Erlebnis Naturschau Dornbirn durch ihre Besucher:innen im ständigen Kontakt mit der Gesellschaft und genießt als Kompetenzzentrum für die heimische Natur bei der Bevölkerung Vorarlbergs großes Vertrauen. 

Dass das gemeinsame Engagement von Bürger:innen und Wissenschaftler:innen zum Erfolg führen kann, zeigt einmal mehr das Projekt Zeig mir Deine Maus, Katze!.
 

Zeig mir Deine Maus, Katze!

Sechs Monate lang standen die Katzen Vorarlbergs im Dienst der Wissenschaft: Die inatura Dornbirn rief von Juni bis November 2024 Katzenbesitzer:innen dazu auf, kleine Säugetiere abzugeben, die ihre Katzen als Beute nach Hause brachten. Parallel zu dieser Aktion im Siedlungsraum liefen professionelle Erhebungen von kryptischen und seltenen Kleinsäugerarten in ausgewählten Lebensräumen Vorarlbergs. Untersucht wurden Standorte an natürlichen Bachläufen, in Feuchtgebieten, montanen Mischwäldern und extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden. 
Gemeinsames Ziel des Citizen Science-Projekts und der Expertenerhebungen war es, möglichst viele Informationen über die Kleinsäugerfauna Vorarlbergs für die Erstellung der Roten Liste der Kleinsäuger Vorarlbergs sowie der Roten Liste der Säugetiere Österreichs zu sammeln. 
 
Kleinsäuger – was ist das?

Der Begriff „Kleinsäuger“ beschreibt keine taxonomische Gruppe im eigentlichen Sinne. Es werden damit in der Regel die kleinen Vertreter von Säugetieren aus den Ordnungen der Nagetiere, der Spitzmausartigen und der Igelartigen zusammengefasst. Gemeinsam ist ihnen, dass sie meist ein Körpergewicht eines Kilogramms nicht überschreiten. 
 
Ökologische Schlüsselfunktion

Kleine Säugetiere sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Tierwelt. Sie besiedeln eine Vielzahl von Lebensräumen und besetzen in der Natur Schlüsselpositionen. Mäuse sind Nahrungsgrundlage für viele andere Tierarten wie Fuchs, Wildkatze und Schleiereule. Wühlmäuse bearbeiten, lockern und durchlüften den Boden durch ihre Grabtätigkeit. Was der Landwirt mit Bodenlockerung und Umbruch auf dem Acker macht, erledigen sie auf der Wiese und halten so den Boden gesund. Zudem sind viele Kleinsäuger als Insektenfresser aktiv, regulieren so die Bestände und tragen zur Kontrolle potenzieller Massenvermehrungen bei.“
 
Kleine Tiere – wenig Wissen

In Vorarlberg gibt es 29 Kleinsäugerarten. Dazu zählen u. a. Vertreter der Bilche, Birkenmäuse, Echte Mäuse, Spitzmäuse, Wühlmäuse, Igel und Maulwurf. Das Wissen über die Verbreitung dieser Tiere im Ländle ist dürftig. Doch genau diese Daten braucht die inatura, um gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag des Landes die Roten Listen zur Natur Vorarlbergs und in diesem Falle zur Kleinsäugerfauna zu erstellen. Das ist gar nicht so einfach – viele der Tierchen leben sehr versteckt und sind nur mit Mühe zu finden. Noch dazu sehen sich einige Arten zum Verwechseln ähnlich und können nur von Expert:innen sicher bestimmt werden. Kurz gesagt: Kleinsäuger sind eine Herausforderung - für uns Menschen, weniger für Katzen.
 

Die Katze im Dienst der Wissenschaft

Rund 24.000 Katzen leben in Vorarlberg (Statistik Austria 2019/2020). Viele davon sind effiziente Jägerinnen. Es wird geschätzt, dass eine Hauskatze pro Monat ca. zehn Kleinsäuger erbeutet. Die meisten Beutetiere werden gleich vor Ort verspeist: Nur gerade einmal ein Zehntel davon bringt eine Katze nach Hause. Diese „Geschenke“ stoßen bei den Menschen jedoch meist nicht auf Freude und so werden die toten Tierchen möglichst rasch und unauffällig entsorgt. Doch genau auf diese kleinen Tiere hatte es die inatura abgesehen.
 
Was der inatura am Herzen liegt!

Freilaufende Katzen machen Jagd auf Kleinsäuger, Amphibien, Reptilien und Vögel. Grund für uns, das Projekt mit BirdLife Vorarlberg abzustimmen und gleich zu Beginn des Projekts eines klarzustellen: Wir animierten die Katzenhalter:innen ausdrücklich nicht, ihre Katze vermehrt „auf Jagd zu schicken“ – wenn das überhaupt möglich sein sollte! Doch wir meinen, wenn Mäuse und andere kleine Säugetiere schon zu Tode kommen, dann soll ihr Tod noch einen Nutzen für die naturwissenschaftliche Forschung haben.
 
Wie lief „Zeig mir deine Maus. Katze!“ ab?

Die Katze hat eine tote Maus oder einen anderen toten Kleinsäuger nach Hause gebracht. Das Tierchen wurde nach Anleitung in einem Gefrierbeutel hygienisch verpackt, ohne es dabei direkt mit der Hand zu berühren. Der Name des Katzenbesitzers, die Wohnadresse, das Datum, die E-Mail-Adresse und die Telefonnummer wurden in einer speziellen Fundmeldung notiert und zum toten Tier in den Gefriersack gegeben. Diese Daten waren wichtig, um den Fund wissenschaftlich verwerten zu können. So verpackt wurde das Tier zur inatura oder zu einer der elf Abgabestellen in Vorarlberg gebracht. Im Anschluss übernahmen die Wildbiolog:innen und fachlichen Leiter:innen des Projekts, Dr. Christine Resch und Dr. Stefan Resch vom Wildtierbüro apodemus die Bestimmungsarbeit. Die Daten gingen in die inatura-Verbreitungsdatenbank für Tiere, Pflanzen und Pilze Vorarlbergs ein und stehen sowohl für die Erstellung der Rote Liste Kleinsäuger Vorarlberg und der Rote Liste der Säugtiere Österreichs als auch weltweit über die internationale Datenbank GBIF (Global Biodiversity Information Facility) zur Verfügung. 
 

Maus ist nicht gleich Maus! Die Ergebnisse

770 kleine Beutetiere sind das erfreuliche Ergebnis von „Zeig mir Deine Maus. Katze!“. Insgesamt 177 Katzenbesitzer:innen haben uns dankenswerter dabei unterstützt. Dieses Ergebnis hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen Und jedes einzelne Ergebnis ist wichtig und wertvoll. 
Welche Arten wurden von den Katzen erbeutet? Welche waren häufig, welche selten?  Zur Artbestimmung wurden Körperlängen und Schädelmerkmale vermessen. 

Bei einer Veranstaltung präsentierte die fachliche Leitung den teilnehmenden Katzenbesitzer:innen die Ergebnisse von Zeig mir Deine Maus, Katze!. Die meisten Beutetiere – 24 % – stammten von Wiesen und Weiden im Rheintal. Weitere 22 % kamen aus Wäldern, 18 % aus besiedelten Gebieten, der Rest aus Straßenrändern, Ackerflächen und bebauten Zonen. Am häufigsten vertreten war die Ostschermaus. Auf Platz zwei folgte die Hausspitzmaus, die österreichweit ausschließlich in Vorarlberg vorkommt. Ebenfalls häufig waren Hausmaus, Waldmaus, Wanderratte und Rötelmaus. Selten vertreten waren dagegen Feldspitzmaus, Feldmaus und Sumpfspitzmaus. 
Die von apodemus durchgeführten weiteren fachlichen Erhebungen im Gelände laufen noch bis Ende des Jahres. Mit der Erstellung der Roten Liste Kleinsäuger Vorarlberg wird das Projekt Ende 2027 abgeschlossen.
 
Als Dankeschön für ihr Engagement erhielten die Katzenbesitzer:innen einen Brief mit den individuellen Bestimmungsergebnissen der von ihren Katzen erbeuteten Säugetieren.
Die toten Tiere wurden nach Projektende nicht einfach entsorgt. Sie wurden der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH AGES und der Uniklinik Wien zu weiteren Untersuchungen zur Verfügung gestellt.

Credits und Zusatzinfos: 
Weitere Projektinfos:

Das Projekt wurde vom Naturmuseum inatura Erlebnis Naturschau Dornbirn zusammen mit dem Wildtierbüro apodemus OG in Abstimmung mit BirdLife Vorarlberg durchgeführt und erfüllt die Qualitätskriterien der Citizen Science-Plattform Österreich forscht (www.citizen-science.at).
 
Projektleitung: Christine Resch, Stefan Resch, apodemus OG – Privates Institut für Wildtierbiologie, www.apodemus.at
Projektorganisation: Anette Herburger, Teamleitung Forschung, inatura Erlebnis Naturschau GmbH, www.inatura.at
 
Finanziert durch das Land Vorarlberg.
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