Wer sagt an im Museum?
Zum Spannungsfeld zwischen wissenschaftlich-künstlerischer und wirtschaftlicher Leitung
Von:
Peter Fritz (Direktor, Salzburger Freilichtmuseum), Großgmain
Die schlechte Nachricht: Im Museumsbereich sind zahlreiche Beispiele bekannt, in denen es zwischen der wissenschaftlich-künstlerischen (inhaltlichen) Leitung und der wirtschaftlichen bzw. Verwaltungsleitung zu erheblichen Konflikten kommt. Betroffen sind die Beteiligten selbst, die Mitarbeitenden und nicht zuletzt die Qualität musealer Arbeit. Die gute Nachricht: Es gibt ebenso Museen, in denen dieses Spannungsfeld nicht eskaliert, sondern produktiv bearbeitet wird. Dort gelingt Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher Verantwortlichkeiten und Anforderungen. Woran liegt das? Und wie lässt sich Führung im Museum so gestalten, dass inhaltliche Autonomie und wirtschaftlich-administrative Verantwortung einander nicht blockieren, sondern tragen?
Gute Gründe für Konflikte
These 1: Konflikte zwischen inhaltlicher und wirtschaftlicher Leitung sind im Museum keine Ausnahme, sondern strukturell angelegt. Sie ergeben sich aus unterschiedlichen Organisations-, Aufgaben- und Rollenverständnissen, aus Wertvorstellungen und nicht
zuletzt aus den Pers.nlichkeiten der Beteiligten.
Typische Konfliktlinien zeigen sich zwischen künstlerisch-wissenschaftlicher Freiheit (Inhalte, Zeitpläne, Experimente) und wirtschaftlichen bzw. Verwaltungsvorgaben (Regeln, Fristen, Nachweise), zwischen langfristig angelegter Museumsarbeit und kurzfristigen Budgetlogiken oder zwischen innovativen Vermittlungsformaten und rechtlichen bzw. sicherheitstechnischen
Vorgaben.
Die inhaltliche Leitung versteht das Museum primär als Ort der Forschung, der Wissensproduktion und Vermittlung sowie der Sammlungsverantwortung. Ihr Maßstab ist fachlich, oft international und langfristig. Die wirtschaftliche Leitung agiert hingegen innerhalb rechtlicher und budgetärer Vorgaben; ihr Maßstab ist die Rechenschaftspflicht und eher kurz- bis mittelfristig. Die daraus resultierenden Anforderungen folgen unterschiedlichen, teils konkurrierenden Rationalitäten.
zuletzt aus den Pers.nlichkeiten der Beteiligten.
Typische Konfliktlinien zeigen sich zwischen künstlerisch-wissenschaftlicher Freiheit (Inhalte, Zeitpläne, Experimente) und wirtschaftlichen bzw. Verwaltungsvorgaben (Regeln, Fristen, Nachweise), zwischen langfristig angelegter Museumsarbeit und kurzfristigen Budgetlogiken oder zwischen innovativen Vermittlungsformaten und rechtlichen bzw. sicherheitstechnischen
Vorgaben.
Die inhaltliche Leitung versteht das Museum primär als Ort der Forschung, der Wissensproduktion und Vermittlung sowie der Sammlungsverantwortung. Ihr Maßstab ist fachlich, oft international und langfristig. Die wirtschaftliche Leitung agiert hingegen innerhalb rechtlicher und budgetärer Vorgaben; ihr Maßstab ist die Rechenschaftspflicht und eher kurz- bis mittelfristig. Die daraus resultierenden Anforderungen folgen unterschiedlichen, teils konkurrierenden Rationalitäten.
Wirtschaftliche Leitung als kulturpolitischer Akteur
These 2: Die wirtschaftliche Leitung wird im Museum, vielfach fremdbestimmt, zunehmend zu einem kulturpolitischen Akteur. Bürokratisierung, steigende Transparenzanforderungen, Digitalisierung, Nachhaltigkeitsvorgaben, Provenienzforschung, Restitutionsfragen sowie wachsende Erwartungen an Teilhabe und Diversität beeinflussen direkt oder indirekt die inhaltliche
Weiterentwicklung von Museen.
(K)eine Lösung über alles
These 3: Die Gestaltungsansätze zur Führung von Museen sind sehr unterschiedlich. Die eine Lösung gibt es (noch) nicht. Sie reichen von Doppelspitzen (z. B. in Bundesmuseen) über operativ-kaufmännische Geschäftsführungen mit angestellten inhaltlichen Leitungen
(z. B. N. Kulturwirtschaft) bis hin zu Modellen mit einer inhaltlichen Leitung an der Spitze (z. B. in vielen Landes- oder Stadtmuseen). Zahlreiche Regionalmuseen stehen vor anderen Herausforderungen: Unterversorgung statt .bersteuerung, knappe Ressourcen
und fehlende oder fachfremde Verwaltungen erschweren die professionelle Zusammenarbeit.
Unabhängig von der Ebene gilt: Wo hybride Governance-Strukturen ohne klar definierte Letztverantwortung bestehen, sind Konflikte vorprogrammiert.
Dauerhafte Spannungsfelder
These 4: Das Spannungsfeld zwischen inhaltlicher Autonomie und administrativ-ökonomischer Steuerung ist dauerhaft – unabhängig von der jeweiligen Führungsstruktur. Spannungen und Konflikte sind strukturell bedingt und können in jeder Organisationsform entstehen. Vor diesem Hintergrund ist die Diskussion über die konkrete Ausgestaltung der Leitungsspitze aus struktureller Sicht überbewertet. Strukturen begünstigen Konflikte – wie mit ihnen umgegangen wird, liegt bei den handelnden Personen.
Was tun?
Wenn sich das Spannungsfeld zwischen inhaltlicher und wirtschaftlicher Leitung strukturell nicht auflösen lässt, rückt der professionelle Umgang damit ins Zentrum. Entscheidend ist, wie Führung im Museum gelebt und ausgehandelt wird. Daraus ergeben
sich konkrete Konsequenzen für die Praxis.
Auf die Bedürfnisse achten: Gelungene Zusammenarbeit hängt von den handelnden Personen ab.
Auf die Bedürfnisse achten: Gelungene Zusammenarbeit hängt von den handelnden Personen ab.
Zentrale Bedürfnisse sind Anerkennung, Sicherheit und Sichtbarkeit. Achtsame Führung hat im Blick, dass keines dieser Bedürfnisse systematisch unter die Räder kommt. Andernfalls steigt das Konfliktpotenzial. Vertrauen, Interesse und Wissen: Produktive Zusammenarbeit erfordert Vertrauen in die Fähigkeiten des jeweils anderen, miteinander statt nebeneinander zu führen, echtes Interesse an Rollenverständnissen und operativen Fragen sowie ein wechselseitiges fachliches Grundverständnis bzw. Wissen. Das benötigt Zeit für Austausch und strukturierte gemeinsame Arbeit.
Selbstreflexion und Passung von Rolle und Person: Nicht jede Führungsrolle passt zu jeder Person. Wer dauerhaft damit hadert, Budgets nicht selbst steuern zu können, wird in der Rolle der inhaltlichen Leitung an Grenzen sto.en. Ebenso erfordert die wirtschaftliche
Leitung die Fähigkeit, mit ungleicher öffentlicher Sichtbarkeit umzugehen. Professionelle Führung setzt die Bereitschaft zur Selbstreflexion voraus.
Strukturen klären: Zukunftsfähige Museen benötigen differenzierte Governance-Modelle mit klar definierten Rollen und Entscheidungsräumen. Entscheidend ist, ob die Spannungsfelder institutionell verhandelbar sind oder informell eskalieren. Unklare
Zust.ndigkeiten begünstigen verdeckte Machtverschiebungen.
Strukturen schaffen keine Lösungen, aber sie entscheiden darüber, ob ein professioneller Umgang mit Konflikten möglich ist.
Haltung entwickeln: Geteilte Führung ist kein Zustand, sondern ein dauernder Aushandlungsprozess. Wo formale Doppelspitzen fehlen, braucht es umso mehr die Bereitschaft, Verantwortung gemeinsam zu klären. Entscheidend ist, Konflikte nicht als Störungen, sondern als potenziell produktiv zu verstehen. Das zeigt sich dann auch in einer Führungskultur, die nicht in Gegensätzen („versus“, „aber“), sondern in Ergänzungen („und“, „auch“) und gemeinsamer Verantwortung denkt.
Begleitung ernst nehmen: Eigentümer:innen und Fördergeber:innen tragen Mitverantwortung für das Funktionieren von Führung. Denn Governance ist eine kulturpolitische Entscheidung und Organisationsmodelle sind nie neutral. Wie Verantwortung verteilt wird,
prägt die Unternehmenskultur in den Institutionen mit. Entscheidend sind eine professionelle Auswahl von Führungskräften und deren Begleitung. Instrumente wie Onboarding, Monitoring und Reflexion zielen dabei nicht auf inhaltliche Steuerung, sondern auf die Qualität der Führungsarbeit im Museum.










