Foto: Louisiana Museum of Modern Art
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Nachhaltigkeit im Louisiana Museum of Modern Art

Annette Hansen, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk (DK) war am 14. April zu Gast in der ARGE Nachhaltiges Museum und teilte ihre Erkenntnisse aus mehreren Jahren Nachhaltigkeitsarbeit in der Überzeugung, dass Museen voneinander lernen müssen, um den Herausforderungen der Gegenwart wirksam begegnen zu können. 
 
Als große, international ausgerichtete Institution mit mehreren hundert Mitarbeitenden, rund 750.000 Besucher:innen jährlich und einer umfangreichen Infrastruktur – von Werkstätten und Lagern bis hin zu Café und Shop – ist das Louisiana kein kleines Haus, das Nachhaltigkeit nebenbei mitdenken kann.

Kostenfaktor Energie als Motor

Begonnen hat alles pragmatisch: Energie war schlicht ein bedeutender Kostenfaktor. Erst ab 2019 wurde daraus ein strategisches Handlungsfeld, als das Museum systematisch begann, seinen ökologischen Fußabdruck zu erfassen und die wichtigsten Handlungsfelder zu identifizieren. Im Mittelpunkt standen dabei der Energieverbrauch, die klimatischen Bedingungen in den Ausstellungsräumen, die Beleuchtung, der Transport von Kunstwerken sowie die betrieblichen Bereiche wie Café und Shop. Die COVID-19-Pandemie unterbrach diesen Prozess zwar vorübergehend, gab dem Haus aber auch Raum zur Reflexion –über veränderte Erwartungen von Besucher:innen, neue Anforderungen von Fördergebern und internationale Entwicklungen im Museumsbereich.
 
Was folgte, war der Aufbau einer klaren Organisationsstruktur, die sich an drei zentralen Bereichen orientierte: den Menschen im Museum, also Mitarbeitenden und Besucher:innen, den Gebäuden und Infrastrukturen sowie dem inhaltlichen Programm, insbesondere den Ausstellungen. Mit 2019 als Referenzjahr – dem letzten Jahr mit regulärem Betrieb vor der Pandemie – einem eigens eingerichteten Steuerungsgremium auf Leitungsebene und externer Expertise schuf das Museum die Grundlage für eine fundierte Analyse des Status quo. Die Erhebung der notwendigen Daten erwies sich als aufwendig, bildete jedoch die unverzichtbare Basis für alle weiteren Schritte.
 

Klare Strategie als Folge

Auf dieser Grundlage entwickelte das Museum eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie, die sich am Pariser Klimaabkommen orientiert. Das übergeordnete Ziel ist Klimaneutralität bis 2050, mit ambitionierten Zwischenetappen, die deutlich früher erreicht werden sollen. Strukturiert ist die Strategie entlang von vier Handlungsfeldern: Klimaschutz, Zirkularität, Biodiversität und soziale Verantwortung. 
 
Im Bereich Klimaschutz geht es darum, die eigenen Emissionen drastisch zu reduzieren und auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette Veränderungen anzustoßen. Zirkularität bedeutet, dass Materialien möglichst im Kreislauf geführt werden sollen – besonders im Ausstellungsbereich sowie im Betrieb von Café und Shop. Der weitläufige Museumspark spielt beim Thema Biodiversität eine besondere Rolle und wird gezielt ökologisch aufgewertet. Und die soziale Verantwortung umfasst Maßnahmen zur Förderung von Diversität, zur Erweiterung der Zielgruppen und zur Verbesserung der Zugänglichkeit des Museums.
 
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Umsetzung dieser Strategie war die Entscheidung, eine eigene Stelle für Nachhaltigkeit zu schaffen. Diese Funktion sorgt dafür, dass die verschiedenen Aktivitäten koordiniert werden und das Thema kontinuierlich vorangetrieben wird. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit nur dann wirksam umgesetzt werden kann, wenn alle Abteilungen einbezogen sind und Verantwortung übernehmen.
 

Von der Theorie in die Praxis

In der Praxis wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Technisch wurden die Beleuchtung auf LED umgestellt und Solarenergie in geeigneten Gebäudeteilen eingesetzt. Besonders wirkungsvoll ist der Einsatz KI-gestützter Systeme zur Steuerung von Klima- und Lüftungsanlagen, die den Energieverbrauch deutlich optimieren. Auch im Ressourcenmanagement wurden Fortschritte erzielt: durch differenziertere Mülltrennung, die Reduktion von Lebensmittelabfällen im Café und die Verringerung des Papierverbrauchs. Im Gastronomiebereich wurde das Angebot bewusst umgestellt – Rindfleisch wurde vom Speiseplan gestrichen und die Mitarbeitendenverpflegung überwiegend vegetarisch ausgerichtet. Für Lieferanten gelten nun verbindliche Nachhaltigkeitskriterien. Auch im Ausstellungsbetrieb wird zunehmend auf die Wiederverwendung von Materialien geachtet, und konservatorische Standards – etwa bei Temperatur- und Feuchtigkeitsvorgaben – werden kritisch überprüft, da sie sich in vielen Fällen flexibler handhaben lassen als bisher angenommen. 
Parallel dazu wurden soziale Initiativen umgesetzt, etwa spezielle Öffnungszeiten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen und gezielte Maßnahmen zur stärkeren Einbindung bisher unterrepräsentierter Besuchergruppen. Damit wird deutlich, dass Nachhaltigkeit im Louisiana Museum bewusst ganzheitlich verstanden wird.
 

Ausstellungen als ressourcenintensivster Bereich

Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit dem Ausstellungsbetrieb – einem der ressourcenintensivsten Bereiche des Museums. Da jährlich zahlreiche Ausstellungen realisiert werden und Kurator:innen traditionell einen hohen gestalterischen Anspruch mitbringen, der individuelle Lösungen erfordert, stehen Kreativität und Ressourceneffizienz in einem produktiven Spannungsverhältnis. Als Antwort darauf wurde ein strukturierterer Planungsprozess eingeführt, der alle relevanten Beteiligten frühzeitig einbindet und Fragen nach Materialwahl, Wiederverwendung und Kreisläufen bereits in der Konzeptphase stellt – nicht erst am Ende eines Projekts. Ein konkretes Beispiel ist die Weiterverarbeitung von Ausstellungsmaterialien zu Produkten für den Museumsshop. Auch wenn solche Ansätze noch im Erproben sind und nicht immer vollständig gelingen, zeigen sie, in welche Richtung sich die Praxis entwickeln kann.
 

Fazit

Nachhaltigkeit ist kein Projekt mit Abschlussdatum, sondern eine langfristige Lernaufgabe. Umwege, Experimente und Rückschläge gehören dazu – und sind wichtig für die Weiterentwicklung. Entscheidend ist, dass Verantwortung klar verankert ist und die Organisation bereit bleibt, sich kontinuierlich anzupassen. Ebenso unverzichtbar ist die Zusammenarbeit mit externen Partner:innen: Da nicht alle notwendigen Kompetenzen intern vorhanden sind, spielt der Austausch mit anderen Museen, Unternehmen und Expert:innen eine zentrale Rolle. Netzwerke und Kooperationen ermöglichen es, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln – etwa im Bereich Transport oder Materialnutzung. 
 
Nachhaltigkeit im Museumsbereich ist komplex, aber notwendig. Erfolgreich ist sie dann, wenn sie strategisch verankert, organisatorisch abgesichert und von Offenheit sowie der Bereitschaft zum Experimentieren getragen wird.

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