Historischer Spaziergang: Erläuterung der Errichtung der Teichanlage Kreuzteich um 1653, der Besatzung mit Fischen und der seinerzeitigen Berechnung der Wirtschaftlichkeit; Foto: Museum Tragöß
Museum Tragöß – Geschichte im Wandel
Ein Kleinmuseum als Ort der Forschung, Vermittlung und aktiven Teilhabe im Tal
Von:
Wolfang Puchleitner (Museum Tragöß), Tragöß
Das Museum Tragöß ist ein Kleinmuseum mit einer Sammlung vorwiegend bäuerlicher und handwerklicher Gegenstände in einer Gemeinde mit über 1.700 Einwohner:innen. Ausstellungsfläche und Depot gehen dabei ineinander über.
Die Ausstellungsobjekte dienen im Museum Tragöß keiner romantisierenden Beschaulichkeit, sondern der Vermittlung von Wissen über historische Zustände, die als Ausgangspunkt einer zeitlichen Entwicklung bis in die Gegenwart verstanden werden. Ziel ist es, Veränderung durch das Sichtbarmachen geschichtlicher Abläufe und ihrer Folgen darzustellen. Dies betrifft gleichermaßen Landschaft und Natur, Menschen, Objekte, erbrachte Leistungen sowie die Produktion von Gegenständen und deren unmittelbare Auswirkungen auf die örtliche Gesellschaft.
Unser Bestreben ist es, jährlich ein Ausstellungsthema zu präsentieren, das mit unserem Tal und seinen Menschen in Zusammenhang steht. Gelegentlich werden Ausstellungen durch eine Publikation ergänzt, Führungen fallweise durch ein Handout begleitet.
Die Darstellung von (Zeit-)Geschichte verstehen wir als Zusammenspiel von Berichten und Objekten sowie deren Erforschung. Dabei binden wir Zeitzeug:innen oder deren Nachkommen ein und nutzen zugängliche Archive. Je nach Bedeutung des Einzelfalles erfolgt eine öffentliche Präsentation der Ergebnisse oder eine Rückmeldung an Informant:innen bzw. Sachspender:innen.
Neben auswärtigen Besucher:innen soll vor allem die lokale Bevölkerung erreicht werden. Sie bildet die zentrale Zielgruppe unserer Aktivitäten, weshalb eine kontinuierliche Erneuerung der Themen notwendig ist. Um unterschiedliche Interessen anzusprechen und auch schwer erreichbare Personengruppen einzubinden, streuen wir die Themenwahl bewusst breit und nutzen unsere Kontakte zu anderen Vereinen.
Darüber hinaus verstehen wir uns im lokalen Umfeld als Mitgestalter des öffentlichen Lebens. Neben der Bildungsvermittlung sehen wir unsere Aufgabe auch in der Organisation von Veranstaltungen, die Raum für aktive Beteiligung bieten. Kultur ist für uns Ausdruck des gemeinsamen Handelns. Soweit überliefertes Brauchtum einbezogen wird, legen wir Wert darauf, Hintergründe sichtbar zu machen, indem wir Herkunft und Überlieferung erläutern. Die individuelle Entscheidung, Brauch aus Überzeugung oder im Sinne einer Erinnerungskultur zu leben, bleibt dabei dem Einzelnen überlassen.
Das Museum setzt auf themenbezogene Ausstellungen und entwickelt sich methodisch zunehmend in Richtung Veranstaltungskultur. Neben den allgemeinen Öffnungstagen finden jährlich mehrere Veranstaltungen statt, die sich vorwiegend an ein lokales Publikum richten und teils beachtlichen Zuspruch erfahren. Die Information erfolgt über Medien, Flugblätter und persönliche Ansprache. Vorträge, Vorführungen und Rundgänge werden in einem zwanglosen Rahmen angeboten. Pausen sowie ein Getränkeangebot fördern den Austausch unter den Teilnehmenden und mit den Veranstalter:innen.
Im Mittelpunkt steht meist ein Objekt oder eine Tätigkeit. Nicht selten bringen Teilnehmer:innen neue Dokumente, Gegenstände oder Informationen ein, wodurch weitere Nachforschungen angeregt oder bestehendes Wissen ergänzt wird. Bei Veranstaltungen ist es uns ein besonderes Anliegen, Menschen aus dem gesellschaftlichen Umfeld aktiv einzubinden.
Beispiele aus den Jahren 2025 und 2026:
- Das Museum Tragöß präsentierte zahlreiche Objekte der Woll- und Leinenverarbeitung. Das Spinnen von Fäden aus diesen Naturmaterialien ist heute nur mehr wenigen geläufig. Im Rahmen der Ausstellung 40 Jahre Spinnrunde Tragöß demonstrierten Frauen diese Handfertigkeit an historischen Geräten.
- An der ehemaligen Wohnkeusche lokaler Größen der Kirchenmusik bzw. von Volksmusiksammlern wurden deren Werke musikalisch vorgestellt. Zeitgleich veröffentlichte das Steirische Volksliedwerk in seiner Zeitschrift Der Vierzeiler (3/2025) einen mehrseitigen Beitrag über diese Musikerfamilie. Das Museum berichtete darüber in den Medien seines Einzugsbereichs und trug so zur Hervorhebung der Themenwahl bei.
- In Tragöß bestand über 20 Jahre hinweg eine Seilbahn zum Holztransport. Forschungsergebnisse dazu wurden 2024 publiziert. 2025 präsentierte ein „historischer Spaziergang“ dem Publikum vor Ort erhaltene Spuren dieses Transportmittels. Ein Handout mit Plänen und Bildern unterstützte die Vermittlung. Ein letzter Zeitzeuge erläuterte die Funktionsweise der Anlage an der Talstation, ein weiterer Besucher übergab dem Museum eine Seilbahnrolle als Artefakt. Derzeit wird eine Darstellung der technischen Verwendung dieses Fundstücks an einer Seilbahnstütze erarbeitet, die in der nächsten Ausgabe der Gemeindezeitung erscheinen soll.
- Die Teilnahme am Vorlesetag des Landes Steiermark nutzen wir zur Präsentation von Literatur aus oder über unseren Ort, darunter auch historische Quellen wie alte Schriften und Briefe. Zu den Inhalten wird jeweils ein historischer Kontext erarbeitet und im Rahmen der Veranstaltung erläutert. 2025 waren dies etwa eine Postkarte aus dem Jahr 1910 zu einer längst vergessenen Futterpflanze sowie Bauernregeln zum Abbeten von Tierkrankheiten. Beide Schriftstücke stammen aus der Bevölkerung. Für 2026 ist geplant, die Reichweite der Veranstaltung durch die Einbindung der örtlichen öffentlichen Bibliothek zu erhöhen.
- In der Ortschaft bestand einst eine Wagnerei, in der auch Ski hergestellt wurden. Mehrere Paare konnten als neue Exponate übernommen werden. Die historischen Abläufe der Skierzeugung sowie eine Familiengeschichte der Hersteller wurden 2025 in der Gemeindezeitung publiziert.
- Einer der Schwerpunkte der Jahresausstellung 2026 ist die nicht mehr bestehende Lamingtal-Schleppbahn. Die seit 1958 demontierte Schmalspurbahn wird auf mehreren Schautafeln dargestellt. Neben einer Auftaktveranstaltung zur Ausstellungseröffnung wird das Thema durch einen PowerPoint-Vortrag begleitet; ergänzend werden publizistische Druckwerke in Erwägung gezogen.










