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Museen sichern gesellschaftlichen Zusammenhalt – auch in Krisenzeiten
Von: Museumsbund Österreich, Wien

Der Museumsbund Österreich ist sich der angespannten budgetären Lage bewusst und erkennt an, dass Einsparungen unvermeidbar sind. Umso wichtiger sind kooperative Gespräche, transparente Entscheidungsprozesse und eine langfristige, planbare Förderpolitik. Kürzungen müssen auf die gesamte Museumspraxis Rücksicht nehmen – von Sammlung, Forschung und Vermittlung bis zu Inklusion und regionaler Verankerung. Erforderlich ist ein differenziertes Verständnis musealer Wirkung und Qualität. Der Erfolg musealer Arbeit darf in Zeiten knapper Mittel nicht ausschließlich anhand quantitativer Besuchszahlen beurteilt werden.
Die öffentlich weniger sichtbaren Bereiche der Museumsarbeit – bspw. Sammlungs- und Vermittlungsarbeit, die im Vergleich zu Ausstellungen kaum großes mediales Echo finden – müssen in die Erfolgsmessung einbezogen werden.
 
Gleichzeitig appellieren wir an die österreichische Museumslandschaft, diesen Prozess solidarisch mitzutragen und einander in herausfordernden Zeiten partnerschaftlich zu begegnen.
 

Argumente für die Relevanz von Museumsarbeit in Krisenzeiten:

 

1.     Investition in Museen rechnet sich!

Museen erzielen hohe volkswirtschaftliche Effekte – jeder investierte Förder-Euro kommt mehrfach zurück. Die gesamtwirtschaftliche Leistung der Museen in Österreich übersteigt die öffentlichen Zuschüsse bei Weitem. Museen generieren etwa 180 % der erhaltenen Subventionen als Wertschöpfung – jeder Euro öffentliche Förderung ermöglicht rund 1,8 Euro an volkswirtschaftlichem Ertrag. Kulturförderung ist damit kein verlorener Zuschuss, sondern eine Investition, die sich vielfach auszahlt. Pauschale Budgetkürzungen im Museumsbereich richten folglich nicht nur kulturell, sondern auch ökonomisch Schaden an, indem sie erfolgreiche Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze gefährden. Rund 8.000 Menschen arbeiten in österreichischen Museen, davon fast die Hälfte ehrenamtlich.
Außerdem tragen sie wesentlich zum Image Österreichs als Kulturnation und den damit verbundenen Tourismusströmen bei: Die Wertschöpfungseffekte im Tourismus betragen ca. 1,8 Mrd. Euro, die Impulse seitens der Museen sichern rund 30.800 Arbeitsplätze.

(Siehe dazu: Muchitsch, Zur Lage der österreichischen Museen (PDF), 2018, die Studie Der ökonomische Fußabdruck von Museen des Instituts für Museumsforschung, Berlin, baut nicht nur auf der österreichischen Wirkungsanalyse auf, sondern bestätigt auch Jahre später deren Ergebnisse:) 


2.     Museen sind zentrale Bildungsorte

Museen erfüllen eine wichtige Bildungsfunktion als außerschulische Lernorte, die für Gesellschafts- und Demokratiebildung zentral ist. Museen bieten Räume des informellen Lernens, des interkulturellen Austauschs und der Reflexion über Geschichte und Gegenwart. Jährlich nehmen etwa 2 Millionen Menschen an den Bildungs- und Vermittlungsprogrammen der österreichischen Museen teil – davon sind fast die Hälfte Kinder und Jugendliche im Schulverband. 
 
Durch Ausstellungen, Workshops und Führungen vermitteln Museen grundlegende Werte und fördern kritisches Denken sowie das Verständnis für unterschiedliche Perspektiven. Als Bildungs- und Kultureinrichtungen ist es ihre Aufgabe, möglichst allen Bevölkerungsgruppen Zugang zu kulturellen Inhalten zu ermöglichen. Barrierefreiheit und Inklusion sind dabei essenziell – ist der Zugang nicht für alle gewährleistet, können Museen ihrem Bildungsauftrag nicht gerecht werden. Kürzungen im Museumsbudget reduzieren unweigerlich Angebote der kulturellen Bildung und schwächen damit einen wichtigen Pfeiler der Demokratiebildung. 
 
Denn Museen tragen maßgeblich dazu bei, historisches Bewusstsein, kulturelle Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern – Leistungen, die gerade in einer pluralistischen Gesellschaft von unschätzbarem Wert sind.
 

3.     Museen sind Begegnungsorte, stärken die regionale Identität und fördern den Dialog zwischen Generationen

Diese gesellschaftliche Rolle der Museen zeigt sich besonders deutlich im ländlichen Raum, wo Regional- und Heimatmuseen wichtige soziale und demokratische Funktionen übernehmen. In vielen Gemeinden sind Museen zentrale kulturelle Ankerpunkte: Sie dienen der Gemeinschaft als Begegnungsorte, stärken die regionale Identität und fördern den Dialog zwischen Generationen. Museen sind ein bedeutender Standortfaktor für Regionen: Sie steigern die Lebensqualität vor Ort, fungieren als „Visitenkarte“ einer Region und tragen wesentlich zur regionalen Identität bei. Regional- und Heimatmuseen werden meist von ehrenamtlichen Vereinen getragen – also von engagierten Bürger:innen vor Ort. 
Dieses bürgerliche Engagement ist historisch eng mit der österreichischen Museumslandschaft verknüpft und macht viele Angebote überhaupt erst möglich. Wenn diesen Häusern nun die finanziellen Mittel gekürzt werden, trifft das nicht nur ein Museum, sondern eine ganze Gemeinde. Es ginge viel mehr verloren als bloß eine Ausstellung – nämlich ein sozialer Treffpunkt, ein Bildungsangebot und ein Stück gemeinsamer Identität im ländlichen Raum. In Zeiten, in denen die Abwanderung und das Identitätsgefühl ländlicher Gemeinden viel diskutiert werden, wäre es kulturpolitisch kontra­produktiv, gerade diese lokalen Institutionen zu schwächen.
 

4.     Weniger Budget führt zwangsläufig zu geringerer Leistung 

Mit weniger Geld können Museen nicht dieselben Ergebnisse liefern wie bisher. Bereits jetzt fehlen vielen Häusern Personal und finanzielle Mittel, um ihre Aufgaben vollumfänglich zu erfüllen. Eine pauschale Reduktion der Budgets führt zwangsläufig zu Abstrichen bei Angeboten, Öffnungszeiten, Programmen, Vermittlung und der Betreuung der Sammlungen. Es ist unrealistisch anzunehmen, dass die Qualität und Quantität musealer Leistungen trotz geringerer Ressourcen aufrechterhalten werden können. 
Jeder Euro weniger bedeutet letztlich weniger Leistung im Dienste der Öffentlichkeit – sei es in der Bildungsarbeit, in der konservatorischen Betreuung der Objekte oder auch in der Ausstellungsproduktion. 
 
Museen dürfen nicht alle mit derselben Messlatte gemessen werden. Die österreichische Museumslandschaft ist heterogen und reicht von großen Bundesmuseen bis zu kleinen ehrenamtlich geführten Regionalmuseen. Einheitliche Kennzahlen wie Besuchszahlen oder Eigenwirtschaftlichkeit greifen zu kurz, da Ausgangslage, Zielgruppen und Auftrag sehr unterschiedlich sind. Touristisch stark frequentierte Museen verfügen aufgrund höherer Eigeneinnahmen aus Eintrittsgeldern, Shops oder Veranstaltungen über einen finanziellen Spielraum, der es ihnen ermöglicht, Budgetkürzungen zumindest teilweise abzufedern. Museen hingegen, die in hohem Maß von Familien, Schulklassen und pädagogischen Gruppen besucht werden, verfolgen bewusst einen niederschwelligen und kostengünstigen Zugang und verfügen daher über keinen vergleichbaren finanziellen Puffer. 
Es braucht daher eine differenzierte Betrachtung statt ein „Sparen mit dem Rasenmäher“ über alle Häuser hinweg. Kulturpolitische Weitsicht in der Planung ist dafür unerlässlich.
 

5.     Museen bewahren das Kunst-, Kultur- und Naturerbe der Menschen, die in Österreich leben 

Museumsarbeit umfasst weit mehr als nur das Organisieren von Ausstellungen. Ausstellungen sind zwar das sichtbarste Ergebnis nach außen, doch sie machen nur einen Teil der Aufgaben eines Museums aus. Ein Museum bewahrt und erforscht Objekte, dokumentiert Kultur und Geschichte, vermittelt Wissen und arbeitet zunehmend auch im digitalen Raum. In den letzten Jahren haben sich Struktur und Aufgabenbereiche der Museen deutlich erweitert und professionalisiert, unter anderem durch die Anforderungen der Digitalisierung. All diese Tätigkeiten – von der Inventarisierung über Restaurierung bis zur (digitalen) Vermittlung – sind arbeits- und kostenintensiv. Wenn Budgets gekürzt werden, geraten genau diese oft unsichtbaren, aber essenziellen Leistungen unter Druck. Die Folge sind Lücken in der Forschungs- und Bildungsarbeit der Museen, die erst langfristig bemerkbar sind.

 

6.     Kernaufgabe der Museen ist der Erhalt der Sammlung

Insbesondere die Sammlungspflege ist die zentrale Kernaufgabe der Museen und darf nicht zugunsten kurzfristiger Outputs vernachlässigt werden. Museen in Österreich bewahren in Summe rund 100 Millionen Objekte in ihren Sammlungen. Die konservatorische Betreuung, Lagerung und Erforschung dieses kulturellen Erbes erfordern kontinuierliche Ressourcen. Schon jetzt besteht bei vielen Häusern Verbesserungsbedarf in der Depotinfrastruktur und -ausstattung. Mehr als die Hälfte der Museen gibt an, dass vor allem Personalmangel – gefolgt von unzureichenden finanziellen Mitteln – eine sachgerechte Betreuung der Objekte erschwert. Wenn Budgets gekürzt werden, droht die notwendige Pflege und Sicherung der Sammlungen weiter in den Hintergrund zu geraten. Das aber käme einer schleichenden Gefährdung des kulturellen Gedächtnisses gleich. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Sammlungen muss daher oberste Priorität behalten – auch und gerade in Zeiten knapper Kassen.

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