Das museale Ökosystem und die in Studie 3 besprochenen Bereiche (Quelle: Studie 3: Museum Innovation Network - Transformationskultur im Museum, S. 4)
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Einblicke in das Museum Innovation Network am Fraunhofer IAO

Museen befinden sich heute in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Gesellschaftliche, technologische und ökologische Veränderungen stellen Kultureinrichtungen vor neue Aufgaben: Sie sind nicht mehr nur Orte der Bewahrung von Kulturerbe, sondern zunehmend Plattformen für gesellschaftlichen Dialog, Bildung und Innovation. 
 
Vor diesem Hintergrund stellt das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) im Rahmen seines Museum Innovation Network aktuelle Forschungsergebnisse und Perspektiven zur Zukunft der Museumsarbeit vor. Im Zentrum stehen Fragen nach der Rolle von Museen im gesellschaftlichen Wandel, nach Formen der Zusammenarbeit sowie nach neuen Innovationsprozessen im musealen Umfeld.
 

Fraunhofer IAO und das Museum Innovation Network

Die Fraunhofer-Gesellschaft mit Sitz in München ist eine der größten Organisationen für angewandte Forschung in Europa. Mit rund 75 Instituten und über 30.000 Mitarbeitenden arbeitet sie an praxisnahen Lösungen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Das Fraunhofer IAO beschäftigt sich insbesondere mit der Zukunft der Arbeitswelt, organisationalen Transformationen und systemischen Innovationsprozessen. Ein zentraler Forschungsbereich ist dabei die Stadtsystemgestaltung (Urban Systems Engineering). 
Ein wichtiger Ansatz ist dabei die Arbeit in Innovationsnetzwerken, in denen Wissenschaft eng mit Praxispartner:innen zusammenarbeitet. Neben Netzwerken zu Themen wie Quartiersentwicklung oder Hotellerie wurde in diesem Kontext auch das Museum Innovation Network (MIN) gegründet.
 
Das Museum Innovation Network ist ein wissenschaftsbasierter Think Tank, der Museen und Kulturinstitutionen bei der Entwicklung von Strategien, Konzepten und innovativen Lösungen unterstützt. In Workshops, Forschungsprojekten und Austauschformaten werden aktuelle Forschungserkenntnisse gemeinsam mit Praxispartnern weiterentwickelt und in konkrete Anwendungen übertragen. 
 

Forschungsansatz und Themen des Netzwerks

Das Netzwerk arbeitet in mehrjährigen Forschungsphasen mit wechselnden thematischen Schwerpunkten.
Die erste Forschungsphase (ab 2022) beschäftigte sich mit grundlegenden Transformationsfragen im Museumsbereich, insbesondere mit:
  • Organisationskultur und internen Strukturen
  • Outreach und Partizipation
  • sozialer und nachhaltiger Verantwortung
  • Kollaboration und neue Formen der Zusammenarbeit
 
Die Ergebnisse dieser Phase wurden in einer Studienreihe veröffentlicht, die Transformationsprozesse in Museen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. 
 
In der aktuellen zweiten Forschungsphase stehen vor allem zwei Themenfelder im Fokus:
  • Künstliche Intelligenz und Daten
  • Impact und gesellschaftliche Wirkung von Museen
 
Diese Themen spiegeln zentrale Herausforderungen der Gegenwart wider und zeigen, wie Museen aktiv zur Gestaltung gesellschaftlicher Entwicklungen beitragen können.
 

Das museale Ökosystem: Museen als Teil eines Netzwerks

Ein zentraler theoretischer Rahmen der Forschung ist das Konzept des musealen Ökosystems.
Dieses Modell versteht Museen nicht als isolierte Institutionen, sondern als Teil eines komplexen 
 
Netzwerks aus verschiedenen Akteur:innen. Dazu gehören u. a.:
  • Besucher:innen
  • zivilgesellschaftliche Gruppen
  • Politik und Verwaltung
  • Kultur- und Kreativwirtschaft
  • Wissenschaft und Bildungseinrichtungen
 
Im Zentrum dieses Netzwerks steht der Purpose des Museums, also sein gesellschaftlicher Auftrag. Rund um dieses Zentrum entfalten sich verschiedene Beziehungssysteme und Interaktionen, die gemeinsam Innovation und gesellschaftliche Wirkung ermöglichen. 
Aus dieser Perspektive entsteht Innovation vor allem dort, wo unterschiedliche Akteursgruppen miteinander in Austausch treten – etwa zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
 

Verantwortung und Vertrauen: Die gesellschaftliche Rolle von Museen

Museen genießen in der Gesellschaft ein außergewöhnlich hohes Vertrauen (vgl. bspw. Das verborgene Kapital: Vertrauen in Museen in Deutschland, 2024). Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit können sie Orientierung bieten und Räume für Austausch schaffen.
Mit diesem Vertrauen geht jedoch auch eine große Verantwortung einher. Museen übernehmen zunehmend Aufgaben, die über klassische Ausstellungstätigkeiten hinausgehen, etwa:
  • Förderung gesellschaftlicher Debatten
  • Vermittlung komplexer Zukunftsthemen
  • Unterstützung nachhaltiger Entwicklungen
  • Schaffung von Begegnungs- und Dialogräumen
 
Um diese Rolle langfristig wahrnehmen zu können, muss Verantwortung strukturell in Organisationen verankert werden – etwa durch klare strategische Ziele, interne Prozesse und institutionelle Haltungen.
 

Kollaboration und Co-Creation als Zukunftsprinzip organisationaler Transformation  

Ein entscheidender Faktor für erfolgreiche organisationale Transformation ist Kollaboration und die vertrauensvolle Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg.
Im Kontext des Museum Innovation Network wird daher besonders der kollaborative Ansatz der Co-Creation hervorgehoben. Dabei entwickeln verschiedene Akteursgruppen – etwa Museen, Besucher:innen, Wissenschaft oder Zivilgesellschaft gemeinsam neue Ideen, Inhalte oder Lösungsansätze.
 
Co-Creation kann dabei auch die Rolle von Museen verändern:
  • vom Wissenssender zur Moderation von Diskursen
  • vom Anbieter zum Plattformbetreiber
  • von alleiniger Verantwortung zu geteilter Verantwortung
 
Diese kollaborativen Prozesse ermöglichen es Museen, Innovationen zu entwickeln und gleichzeitig ihre gesellschaftliche Relevanz zu stärken. 
 

Museen im gesellschaftlichen Wandel

Die aktuellen globalen Entwicklungen – etwa Digitalisierung, Klimawandel oder geopolitische Krisen – zeigen, wie dynamisch gesellschaftliche Transformationen verlaufen.
 
Für Museen ergibt sich daraus eine doppelte Herausforderung: Sie müssen ihre eigene Organisation weiterentwickeln und neue Arbeitsweisen etablieren. Gleichzeitig sollen sie als kulturelle Institutionen gesellschaftliche Debatten moderieren und Orientierung bieten.
 
Gerade in einer zunehmend komplexen Informationswelt können Museen zu vertrauenswürdigen Orten werden, die Wissen einordnen, Diskussionen ermöglichen und kritisches Denken fördern.
 

Fazit: Museen als Akteure der Zukunftsgestaltung

Museen spielen eine zentrale Rolle in gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Als Orte des Wissens, der Begegnung und des Dialogs können sie Innovation fördern und gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitgestalten.
 
Voraussetzung dafür sind:
  • ein systemisches Verständnis des musealen Ökosystems
  • eine klare gesellschaftliche Haltung
  • kollaborative Arbeitsformen
  • Offenheit für neue Technologien und Perspektiven
 
Damit werden Museen zu Plattformen für Austausch, Innovation und gesellschaftliche Verantwortung – und zu wichtigen Akteuren bei der Gestaltung der Zukunft.

Credits und Zusatzinfos: 
Nachlese – Studienreihe Museum Innovation Network

Studie 1 Soziale und nachhaltige Verantwortung und Kollaboration im Museum
Studie 2 Outreach und Partizipation im Museum
Studie 3 Transformationskultur im Museum

Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, gehalten im Rahmen der ARGE Nachhaltiges Museum des Museumsbund Österreich am 16. März 2026.
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