The 17 Sustainable Development Goals in Arts & Culture in Austria, Nubuke Foundation, Accra
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Die Entwicklungsziele der UN als Leitbild für soziale Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb

Wir hören es gerne: Kunst und Kultur sind die tragenden Säulen unserer Gesellschaft und unserer Entwicklung. Derzeit ist unsere Entwicklung allerdings von massiven Krisen und Umbrüchen gekennzeichnet, die auch den Kulturbetrieb betreffen und einen neuen Blick auf Rolle und Aufgaben erfordern. Wie können Museen den gegenwärtigen Bedrohungen entgegenwirken, wie können sie zu einem positiven gesellschaftlichen Wandel beitragen? Ein zahlreich geführter Diskurs, der mich in unterschiedlichen Projekten immer wieder dazu bewegt, mich mit den 17 SDGs (Sustainable Development Goals) der UN zu beschäftigen und diese mit der Rolle und der Verantwortung von Kunst- und Kulturinstitutionen zu verknüpfen.

Denn die 17 SDGs mit ihren Dimensionen der sozialen, ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit sind ein allgemein gültiger und akzeptierter Handlungsrahmen für wirkungsvolles Denken und Agieren. Die Bandbreite der Themen, wie soziale Nachhaltigkeit im Kunst- und Kulturbereich verankert werden kann, ist groß. Themen, die alle in den SDGs festgeschrieben sind.

Ein aktuelles Projekt, das ich in Zusammenarbeit mit der Auslandskultur des BMEIA entwickelt habe, ist die Dokumentationsausstellung The 17 SDGs in Arts & Culture in Austria. Sie zeigt anhand von 32 Best-Practice-Beispielen aus heimischen Museen auf, welchen Beitrag Österreichs Museen zur Erfüllung der SDGs leisten. Nach dem Auftakt in der UNO-City in Wien und anschließenden Stationen in Accra (Ghana) und Astana (Kasachstan) wandert das Projekt demnächst weiter nach Antalya, Prag und Buenos Aires. 
Zielsetzung ist es, den Beitrag von Kunst und Kultur zu einer nachhaltigen Zukunft jenseits der üblichen Darstellung von Repräsentationskultur aufzuzeigen.

Inhaltlich ist die Ausstellung nach jenen Nachhaltigkeitsthemen strukturiert, die den derzeit dringlichsten Forderungen einer Zukunftsfähigkeit entsprechen:
  • Barrierefreiheit und Inklusion
  • Community Building und Partizipation
  • Diversität und kulturelle Vielfalt
  • Umwelt- und Klimaschutz
  • Nachhaltigkeit in Design und Architektur
  • Schutz des Kulturerbes

Für jedes der Themen lassen sich mehrfache Bezüge zu den SDGs herstellen. Das verdeutlicht, dass weder die einzelnen SDGs noch die genannten Themen isoliert betrachtet werden können, sondern nur in ihrer Konnektivität. Soziale Nachhaltigkeit ist ein Bekenntnis, das sich nicht in Einzelprojekten erschöpfen sollte, sondern als Grundwert in der Mission von Museen und Kulturinstitutionen verankert sein sollte.

Im angloamerikanischen Sprachraum wird dies mit dem Begriff DEIA veranschaulicht: DEIA-Strategien und Maßnahmen beziehen sich auf Diversity, Equity, Inklusion, Accessibility als gesamtheitlich zu betrachtende Bereiche sozialer Nachhaltigkeit.
Ähnliches gilt für die Arbeit mit den SDGs. Sozial nachhaltig zu agieren, trägt immer zu mehreren SDGs bei. So betrachtet ist der Beitrag von Museen zu den SDGs und damit zu einer nachhaltigen Zukunft enorm groß!

Barrierefreiheit und Inklusion

Kunst und Kultur für alle zugänglich zu machen bedeutet, soziale, wirtschaftliche, intellektuelle und physische Barrieren abzubauen. Zahlreiche Studien zeigen, dass ein inklusiver Zugang zu Kunst und Kultur aus vielfachen Gründen eine universelle Forderung ist:


Community Building und Partizipation

Kunst und Kultur fördern den Gemeinschaftssinn und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Dazu braucht es niederschwellige und partizipative Angebote, die für alle Menschen gleich zugänglich und offen sind und neue Formen der Teilhabe ermöglichen.

  • Partizipation fördert ebenso wie Inklusion das Zugehörigkeitsgefühl und das soziale Wohlergehen von Menschen (SDGs 3, 5 und 10).
  • Dialog und Reflexion fördern Bewusstseinsbildung und ein gegenseitiges Lernen (SDG 4).
  • Der gleichwertige Zugang für marginalisierte Communities fördert deren Integration und wirkt sich positiv auf ihre Lebenssituationen aus (SDG 10 und SDG 8 menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum).
  • Ein starkes Gemeinschaftsgefühl unterstützt die nachhaltige Entwicklung einer Stadt oder Region (SDG 11).

Diversität und kulturelle Vielfalt

Österreichs reichhaltige kulturelle Identität vereint Tradition und Innovation, Hochkultur und Populärkultur, regionale kulturelle Praktiken und durch Migration entstandene kulturelle Praktiken.
  • Als universelle Ausdrucksform können Kunst und Kultur alle Arten von Unterschieden überwinden und Raum für gemeinsame Erfahrungen schaffen, über kulturelle, soziale und wirtschaftliche Grenzen hinweg (SDGs 5, 8 und 10).
  • Die Würdigung von Vielfalt bereichert die kulturelle Landschaft von Städten und Gemeinden (SDG 11) und fördert den gegenseitigen Respekt und das Verständnis unter ihren Mitgliedern (SDG 10).
  • Diversität ist ein wesentlicher Bestandteil der Bewahrung des kulturellen Erbes und der Weitergabe wertvollen Wissens und wertvoller Traditionen (SDG 4).

Umwelt- und Klimaschutz

Museen stellen sich zunehmend dem ökologischen Wandel und leisten ihren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Das bedeutet zunächst, selber als Vorbild zu agieren und die Institution ökologisch nachhaltig umzustellen (SDG 13 Maßnahmen zum Klimaschutz), zum Beispiel durch:

Mit ihrer inhaltlich-programmatischen Arbeit tragen Museen zur Bewusstseinsbildung und Reflexion bei. In Bezug auf die SDGs bedeutet dies:
  • Wissen um das Thema zu vermitteln, den Diskurs zu fördern und zu klimafreundlichem Handeln anzuregen (SDGs 4 und 13),
  • nachhaltige Produkte und Dienstleistungen anzubieten (SDG 12).

Nachhaltigkeit in Design und Architektur

Nachhaltiges Design und nachhaltige Architektur unterstützen unsere Lebensqualität und machen Städte und Siedlungen sicherer, inklusiver, widerstandsfähiger und nachhaltiger.
  • Design und Architektur tragen zum sozialen Zusammenhalt bei (SDG 10),
  • zur nachhaltigen und inklusiven Entwicklung unseres Lebensraums (SDGs 3, 6, 7, 12 und 13),
  • zu einem gesunden und nachhaltigen Wirtschaftswachstum (SDG 8),
  • zu einer innovativen Infrastruktur (SDG 9)
  • und damit insgesamt zu nachhaltigen Städten und Gemeinden (SDG 11).

Schutz des Kulturerbes

Der Schutz des materiellen und immateriellen Kulturerbes ist fundamental für die Aufrechterhaltung unseres kulturellen Lebens und trägt somit zu allen 17 SDGs bei.
  • Lebendiges immaterielles Kulturerbe ist identitätsstiftend, das Wissen und die Erfahrung sozialer und kultureller Praktiken sichert die kulturelle Vielfalt auch für kommende Generationen (SDGs 3, 4, 10 und 12).
  • Gebautes materielles Kulturerbe sowie Kunstwerke sind wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen Entwicklung von Städten und Gemeinden (SDG 11).
  • Die Bedrohung von Kulturgütern durch Klimawandel, Umweltkatastrophen, bewaffnete Konflikte, Diebstahl oder illegalen Handel unterstreicht die Notwendigkeit koordinierten Handelns und gegenseitiger Unterstützung mit Expertise (SDG 16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen; SDG 17 Partnerschaften zur Erreichung der Ziele).

Credits und Zusatzinfos: 
Empfohlene Zitierweise:
Doris Rothauer, Die Entwicklungsziele der UN als Leitbild für soziale Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb, in: neues museum 26/3-4, www.doi.org/10.58865/13.14/2634/3.
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