Foto: Theo Kust
Der Anspruch an ein grünes Museum: aufwendig, aber richtungsweisend
Von:
Matthias Pacher (Geschäftsführer, NÖ Museum Betriebs GmbH), St. Pölten
Jedes Museum, das sich bis dato dem Prozess gestellt hat, mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet zu werden, kann viel dazu erzählen. Denn der Anspruch, der an ein grünes Museum gestellt wird, ist umfangreich und betrifft Gebäude, Programm, laufenden Betrieb und damit auch sämtliche Mitarbeiter:innen.
Im Museum Niederösterreich in St. Pölten haben wir innerhalb von knapp zwei Jahren all unsere Arbeitsfelder, die einen klassischen Kulturbetrieb ausmachen (Sammlung, Produktion, Haustechnik, Reinigung, Marketing und Kommunikation, Shop und Ticketing, Office-Management, Kulturvermittlung, Gastronomie) durch zahlreiche Umstellungen an die Standards des österreichischen Umweltzeichens herangeführt.
Dabei kam uns die operative Zwangspause im Präsenzbetrieb durch die Corona-Pandemie zu- gute. Sie machte es möglich, dass wir diesem Thema deutlich mehr Zeit als während eines regulären Ausstellungsjahres widmen konnten. Wir haben das Museum Niederösterreich vom Keller bis zum Dach auf Nachhaltigkeit, Klimafreundlichkeit und Klimaschutz hin analysiert. Das Ergebnis dieses aufwendigen Prozesses war, dass es uns schon in den letzten Jahren vor allem im Bereich der Geb.udetechnik gelungen ist, klimaschonend zu arbeiten.
Nach der Pandemie hat der Publikumsbetrieb wieder stark an Fahrt aufgenommen und bringt seitdem die zusätzliche Herausforderung, das Umweltzeichen zu halten. Das passiert nicht von selbst, sondern durch stetiges Evaluieren und Vergegenw.rtigen der gesetzten Ziele, allen voran unserem gesellschafts- und bildungspolitischen Anspruch gerecht zu werden. Wir streben also danach, nachhaltiges Denken sowohl nach innen in Richtung Mitarbeiter:innen als auch nach au.en in Richtung Besucher:innen zu verbessern.
Wir wollen all jene Personen, die bewusst in Kontakt mit uns treten, die möglichen Auswirkungen ihres Handelns vor Augen führen und sie dabei ermutigen, für ihre Lebensumwelt nachhaltig zu agieren und dementsprechende Entscheidungen in ihrem Handeln zu treffen.
Partnerschaften in nachhaltigen Netzwerken sind ebenso wie bauliche Änderungen mit der nötigen Finanzkraft oft recht rasch umgesetzt, nachhaltiges Denken bei den handelnden Personen bedingt einen langen und konsequent zu führenden Weg. Für die Museen als gemeinschaftsorientierte Einrichtung bedeutet nachhaltig zu agieren, sich ein internes Handbuch und einen laufenden Aktionsplan zu erarbeiten, der sämtliche Maßnahmen zu den Nachhaltigkeitsstandards, Gebäude, Programm und laufenden Betrieb betreffend entweder am Status quo hält oder idealerweise sogar Verbesserungen und Innovationen erzielt. Im Falle vom österreichischen Umweltzeichen sind hier zeitliche Deadlines zu berücksichtigen: Alle zwei Jahre findet ein internes Audit sowie alle vier Jahre eine neuerliche Zertifizierung – prüfungs- und genehmigungspflichtig durch das Bundesministerium – statt.
Voraussetzung für diesen konstruktiven Prozess ist das Engagement der Kolleg:innen im Museum Niederösterreich. Aus jeder Abteilung wurde eine Person nominiert, die jeden Arbeitsschritt auf Nachhaltigkeit hin überprüft und Verbesserungspotenzial aufzeigt. Die Funktion des Nachhaltigkeitsbeauftragten inklusive einer Stellvertretung benötigt bei einem entsprechend großen Betrieb wie einem Landesmuseum mit mehreren Dependancen eine Teilzeitstelle. Voraussetzung für diesen Prozess ist aber auch die nötige Finanzkraft, die es erlaubt, Mitarbeiter:innen für die Arbeitsstunden freizuspielen, die sie aufwenden müssen, um sämtliche oben genannte Maßnahmen durchzuführen – vielfach von ihren regulären Tätigkeiten für den Museumsbetrieb. Denn dass eigene Personalstellen dafür freigegeben werden, ist derzeit nicht realistisch.
Der administrative Aufwand der fristgerechten und ordnungsgemäßen Dokumentation, um das Umweltzeichen für den eigenen Betrieb zu pflegen, benötigt Zeit und Wissen. Wissen, welches man sich durch einschlägige Fortbildungen und Netzwerktreffen innerhalb der Museums-Community hervorragend aneignen kann. Aber auch hier ist der Zeitaufwand und Personaleinsatz der entscheidende Faktor.
Es ist daher weniger eine Frage des Willens, nachhaltiges Denken aktiv in den Museumsbetrieb zu implementieren, sondern viel mehr eine Frage der operativen und auch finanziellen Möglichkeiten. Nachhaltigkeitsstandards umzusetzen, bedeutet vielfach auch eine Abkehr von vergleichsweise günstigen Anschaffungen gerade im Facility- oder Reinigungsbereich, hin zu zertifizierten aber oft kostenintensiveren Produkten und Dienstleistungen. Ein grünes Museum muss hier also Leistung zeigen und (sich) Leistung auch leisten können – in vielerlei Hinsicht.
Wenn die Kriterien jedoch gegeben sind, liegen die Vorteile auf der Hand: Der Umdenkprozess muss von der Spitze des Unternehmens ausgehen, sich durch die Organisationsstruktur des Unternehmens ziehen, von den Gewohnheiten der Bestellung von Arbeitsmaterialien bis hin zu regelmäßigen Schulungen innerhalb der Teams, um weiterhin für ein umweltfreundliches Verhalten zu sensibilisieren. Selten haben wir hier im Museum einen Zertifizierungsprozess durchlaufen, der unser Haus so geprägt und sein Team derart zusammengebracht hat. In den Schauräumen des Museums informieren wir Besucher:innen, Partner:innen und Lieferant:innen über unser Nachhaltigkeitskonzept und fordern diese auf, sich an der Umsetzung unseres Konzepts im Bereich Klimaschutz zu beteiligen. Neue Ausstellungen werden vielfach mit dem Blick der Wiederverwendung, oft auch der Weitergabe an andere Museen gedacht und konzipiert. Ausstellungswände und Einbauten werden so oft wie möglich wiederverwendet und anschließend von externen Institutionen oder Firmen weiterverwertet.Bereits vorhandene Vitrinen, Bilderahmen, Bildschirme, Projektoren und Lautsprecherboxen werden regelm..ig wieder verbaut und bei der Konzeption neuer Ausstellungen berücksichtigt. Auch hier nutzen wir unsere Kommunikationskanäle dazu, unsere Besucher:innen auf diese Aktivitäten hinzuweisen und sie indirekt so zu ermutigen, in ihrem täglichen Leben nachhaltige Entscheidungen zu treffen.
Als Museum Niederösterreich nutzen wir also die selbstgewählte Herausforderung dieser Zertifizierung, mit möglichst gutem Beispiel voranzugehen und damit den notwendigen gesellschaftlichen Veränderungsprozess zu mehr Klimabewusstsein zu unterstützen.










