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| neues museum - 2007/1 & 2 Thema: Museums[Aus/Neu]Bauten |
| Österreichischer Museumsboom. Museums[Aus/Neu]Bauten im Überblick Stefan Traxler Der 18. Österreichische Museumstag in Eisenstadt war dem Thema „Das Museum und seine Besucher“ gewidmet. Bereits in diesem Rahmen wurden viele Aspekte angesprochen, die rund um zeitgemäße Museums[aus/neu]bauten beachtet werden sollten (vgl. neues museum 06/4). Die klassischen Hauptaufgaben „Sammeln“, „Bewahren“, „Forschen“, „Vermitteln“ geben einen ersten Orientierungsrahmen über die Komplexität der Institution Museum und was bei Planungsmaßnahmen alles sowohl aus inhaltlicher als auch architektonischer Perspektive zu berücksichtigen ist. Unumstritten ist der (Aus/Neu/Um-)Bau eines Museums eine der „subtilsten Bauaufgaben“ unserer Zeit (OECHSLIN, W., in: GREUB & GREUB 2006, 7). Sehr einprägsam ist dazu T. GREUBs Metapher der „janusköpfigen Aufgabenstellung“, die impliziert, dass das Museum „die ihm anvertrauten Werke sowohl bewahren als auch präsentieren, sie inventarisieren und zudem für jedermann verständlich sichtbar machen muss.“ (Ibd. 11). Die vielen damit verknüpften Anforderungsprofile haben sich zusehends weiterentwickelt, sind umfangreicher geworden. Als Beispiele brauchen nur das stetig wachsende Wissen um konservatorische Bedürfnisse oder die berechtigte Forderung nach barrierefreien Konzeptionen (vgl. z.B. FISCHER, M. W. K., neues museum 06/4, 30ff.; SCHENK, Ch. J., neues museum 03/4, 50ff.) angeführt zu werden. Besonders die Einbindung der Museumsvermittler in die Raumplanung (GESCHÉ-KONING, N., neues museum 06/4, 11) ist wenn man aus eigener Erfahrung weiß, wie mühsam es ist, in verwinkelten Räumen mit einem Kollegen ungewollt ins schlecht abgestimmte Duett zu verfallen oder nur Improvisation über fehlende inhaltliche Kontexte hinweghilft ein absolutes Muss! Zur Schaffung geeigneter Bedingungen, die notwenig sind, um den modernen musealen Herausforderungen gerecht werden zu können, sind viel Engagement, Kreativität und nicht zuletzt ein entsprechender finanzieller Rückhalt erforderlich. Angesichts der generell eher als rückläufig zu bezeich-nenden Kulturbudgets und somit auch -förderungen verwundert die große Anzahl von diversen Umbaumaßnahmen, Museumszu- und Neubauten im beginnenden 21. Jahrhundert in Österreich bereits auf den ersten Blick. Das betrifft die großen Wiener Museumskomplexe ebenso wie die Landesmuseen, aber auch von den sog. mittleren und kleineren Museen können hier Beispiele angeführt werden. Sehr bewusst sei hier auf Kommentare bezüglich Pro und Kontra der jeweiligen Projekte verzichtet. Eine derartige Kritik würde ohnehin nur eine (und das letztendlich subjektive) Meinung widerspiegeln, außerdem würde das den Rahmen dieses Beitrags bei weitem sprengen man könnte alleine mit den größeren Bauvorhaben mühelos eine Ausstellung „Österreichische Museen im 21. Jahrhundert“ füllen und viele der Maßnahmen sind ohnehin intensiv in den Medien diskutiert worden. In Wien Im Jahr 2001 werden in Wien das MUMOK und das Leopold Museum (neues museum 1+2/2002, 11ff.) sowie das ZOOM Kindermuseum (KÖSTRING, P., neues museum 3/2001, 33ff.) im MuseumsQuartier eröffnet. Die Sanierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen der Albertina sind 2003 weitgehend abgeschlossen. Das Kunsthistorische Museum kann u. a. auf die Neugestaltung des Antikenkabinetts verweisen (GSCHWANTLER, K., neues museum 05/4&06/1, 46ff.) und nach der Sonderausstellung „Benin Könige und Rituale“ im heurigen Jahr (s. Beitrag PLANKENSTEINER, B., 88ff.) sieht man voller Erwartung der Wiedereröffnung des Museums für Völkerkunde im Jahr 2008 entgegen. Außerdem werden das KHM und das Naturhistorische Museum im letzten Jahrzehnt von umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen begleitet. Die ersten Umbaumaßnahmen im Belvedere unter der neuen Leiterin sind ebenfalls bereits im Gange (s. Beitrag KRÄUTLER, H., 12ff.) und beim Technischen Museum sind die Weichen für einen ZU(G)BAU, der die Verkehrssammlung beherbergen wird, ebenfalls bereits gestellt (s. Beitrag TOBISCH, W., 22ff.). Abseits der baulichen Unternehmungen rund um die Bundesmuseen ist für Wien besonders die Rückkehr der Fürstlichen Sammlungen ins Liechtenstein Museum (2004; KRÄFTNER, J., neues museum 04/4, 36ff.) zu erwähnen. Im Herbst 2005 kann nach umfassenden Renovierungsarbeiten das WAGNER:WERK Museum Postsparkasse der Öffentlichkeit präsentiert werden und seit Frühjahr 2006 sind nach Umgestaltungsmaßnahmen insbesondere im Eingangsbereich die Pforten des Wien Museums wieder geöffnet.
In den Landeshauptstädten St. Pölten ist seit 1986 Landeshauptstadt von Nieder-österreich. 16 Jahre nach dem entsprechenden Landtagsbeschluss wird das Landesmuseum Niederösterreich als „Kunstwerk, Erlebnisraum, Bildungsstätte und Zukunftswerkstätte“ (neues museum 2/2002, 43; vgl. HOFLEITNER, J., neues museum 03/1, 61ff.) feierlich eröffnet. Im Landesmuseum Joanneum sind seit einigen Jahren umfassende Aus- und Neubaumaßnahmen sowie Umstrukturierungen im Gange, die 2011 zum 200-jährigen Jubiläum des ältesten Museums Österreichs mit dem sog. Joanneumsviertel ihren vorläufigen Abschluss finden sollen (s. Beitrag MUCHITSCH, W., 42ff.). Der auch international Aufsehen erregende Bau des Kunsthauses Graz offiziell als „Friendly Alien“, im Volksmund gerne als „Warzenschwein“ bezeichnet wird durch ein Sonderbudget im Rahmen von „Graz Europäische Kulturhauptstadt 2003“, ermöglicht. Aber auch die Grazer Museen abseits des Joanneums sind umtriebig: Wiedereröffnungen des Diözesanmuseums 2002 (KAINDL, H., neues museum 03/1, 42ff.) und des Stadtmuseums 2006. Nicht zuletzt kann auch durch das Projekt „Linz Europäische Kulturhauptstadt 2009“ in der oberösterreichischen Landeshauptstadt ein museales Großprojekt umgesetzt werden. Im heurigen Sommer werden die Bauarbeiten für das Projekt „Südflügel“ des Linzer Schlossmuseums (OÖ. Landesmuseen) beginnen. Die durch den großen Brand im Jahr 1800 entstandene „Baulücke“ der Südflügel des Schlosses ist ebenso wie große Teile der Linzer Altstadt niedergebrannt soll bis 2009 durch einen modernen Zubau geschlossen werden (s. Beitrag ASSMANN, P., 29ff.). Der Ausbau des Ars Electronica Centers („Museum der Zukunft“) zum Ars Electronica Futurepark soll Ende 2008 abgeschlossen sein, und für heuer ist bereits die Wiedereröffnung des O.K Centrum für Gegenwartskunst geplant. Die Museen der Stadt Linz können nach dem Neubau des Lentos (Eröffnung 2003) und heftigen Diskussionen über die Zukunft des Nordicos nun wahrscheinlich doch mit einer Adaptierung des Gebäudes in der Dametzstraße rechnen. Auch über einen Ausbau der Linz-Genesis wird bereits nachgedacht. Salzburg kann ebenfalls mit mehreren z.T. sehr spektakulären Baumaßnahmen aufwarten: 2004 wird das Museum der Moderne am Mönchsberg, im Volksmund häufig als „Schausoleum“ (als Anspielung an den ehemaligen Landeshauptmann Franz Schausberger, der die Pläne durchgesetzt hat) bezeichnet, eröffnet. Im Oktober 2005 wird das Panorama Museum, die neue Unterkunft für das berühmte Sattler Panorama der Öffentlichkeit übergeben, und am 1. Juni 2007 steht die Eröffnung des Salzburg Museums in der Neuen Residenz auf dem Programm. Spannend bleibt, welche Ideen aus dem Salzburger Museumsleitplan letztendlich umgesetzt werden (s. Beitrag MARX, E., 32ff.). Das Landesmuseum Burgenland erstrahlt seit 2006 in neuem Glanze. 2003 öffnet das Museum Moderner Kunst Kärnten in den ehemaligen Räumlichkeiten der Kärntner Landesgalerie seine Tore. Das umgestaltete Hauptgebäude des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum ist seit diesem Jahr ebenfalls wieder zugänglich. Und mittlerweile ist der Grundstein für das Projekt Vorarlberger Landesmuseum Neu gelegt, das 2012 in Betrieb genommen werden soll (s. Beitrag Heise, M., 47ff.).
Weitere Beispiele Auch außerhalb von Wien und den Landeshauptstädten ist eine rege Bautätigkeit zu beobachten: Für das Burgenland ist etwa der Neubau des muba Museum für Baukultur Neutal (2005; STEIGER-MOSER, S., neues museum 05/3, 71ff.) zu erwähnen, für Kärnten die Adaptierung des St. Veiter Museums (2004; KEJZAR, J. & STEINER-KÖFERLE, B., neues museum 05/1, 48ff.). Niederösterreich: Das in der Kunstmeile Krems gelegene Karikaturmuseum wird in den Jahren 2000/2001 errichtet (JUEN, I., neues museum 3/2001, 41ff.). Der am 24. Mai dieses Jahres eröffnete erste Teilbereich des Museumszentrums Mistelbach beheimatet das Hermann Nitsch Museum und seit 14. April hat die neu gestaltete Michelstettner Schule „Die Antwort auf Pisa“ (www.michelstettnerschule.at; s. Beitrag STEINDORFER, Ch., 50ff.). Für Oberösterreich sind z.B. die Adaption des Schlosses Hartheim als Lern- und Gedenkort (2003; REESE, H., neues museum 04/3, 24ff.), oder die Umgestaltung des Museums Arbeitswelt Steyr (2006; HEGER, G., neues museum 06/3, 44ff.) zu nennen. Im Adalbert-Stifter-Gedenkjahr 2005 erfolgt in Schwarzenberg am Böhmerwald der Umbau des Heimatmuseums zu Stifter Museum und Heimatstube. Von der Landesausstellung 2006 „Kohle und Dampf“ bleibt das Eisenbahnmuseum Ampflwang erhalten. Die Erweiterung des Bergbaumuseums Leogang im Jahr 2002 (MAYRHOFER, H. & STÖCKL, U., neues museum 05&4&06/1, 101ff.) oder der Umbau des Keltenmuseums Hallein (2002-2004) seien stellvertretend für die Aktivitäten in Salzburg aufgelistet. In der Steiermark sind das Museum Stift Admont (2003/2004) und das MuseumsCenter Leoben im ehemaligen Jesuitenkloster (HÖLLER, Ch., neues museum 05/1, 53ff.) hervorzuheben. Und seit 2004 überrascht das Winter!Sport!Museum! Mürzzuschlag mit öffentlichkeitswirksamen Ausstellungen und Events. In Tirol wird 2003 die Münze Hall als technisches Münzmuseum eröffnet, der Umbau des Museums Kitzbühel ist bereits 2002 abgeschlossen (MOSCHIG, G. & SIEBERER, W., neues museum 03/1, 48ff.). Die Neueröffnung der inatura Erlebnis Naturschau Dornbirn erfolgt im Juni 2003 (ZIMMERMANN, K. neues museum 05/2, 15ff.). In Vorarlberg ist seit dem 29. April 2007 außerdem das neu gestaltete Jüdische Museum Hohenems wieder zugänglich. Diese Liste der Museums(Aus/Neu)Bauten erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie soll lediglich beispielhaft zeigen, was bereits in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts in der österreichischen Museumsszene umgesetzt worden bzw. in Entstehung begriffen ist. In Analogie zum international zu beobachtenden Museumsboom (GREUB & GREUB 2006) drängt sich beinahe auf, von einem „Österreichischen Museumsboom“ zu sprechen. Dass im Gegensatz zu den größeren und einigen glücklichen finanziell gut abgesicherten mittleren und kleineren Museen, etliche andere, v. a. regionale Institutionen auf Grund ihrer Budgets hingegen nur kleine Schritte hinsichtlich Modernisierung machen können, liegt auf der Hand. Dabei ist es oft der Kreativität der (meist ehrenamtlich tätigen) Museumsmitarbeiter zu danken, dass dennoch ganz beachtliche Erfolge verzeichnet werden können. Gerade das Spannungsfeld der vielen unterschiedlich großen, sehr differenziert konzipierten Museen ist es aber, die die beispiellose Vielfalt der österreichischen Museumslandschaft ausmacht, und die es zu erhalten gilt. Ich möchte hier explizit die sog. kleinen Museen dazu einladen, ihre Neuerungen in der Zeitschrift ‚neues museum‘ vorzustellen! Parallel zu den genannten Expansionen steht die Museumslandschaft vor neuen Herausforderungen. Viele Museen sind quasi in die „Selbstständigkeit entlassen worden“ (vgl. Thema „Rechtsformen österreichischer Museen“ in: neues museum 04/2, 6ff.). Sie haben so einerseits die Chance, mit diversen kreativen (z.T. sicher auch restriktiven) Maßnahmen, zusätzliches Budget zu erwirtschaften, sind dadurch andererseits aber gezwungen, mehr und mehr wie Wirtschaftsunternehmen zu agieren, mit denen sie jedoch prinzipiell nicht verglichen werden können. So werden sie, wie die Unternehmen auch, v. a. an Zahlen gemessen Qualität, Nachhaltigkeit, Zukunftsvisionen etc. sind schließlich nur schwer fass- und messbare Parameter. Das bedeutet für Museen besonders in den Ballungszentren „Kampf um die Besucher“, und dieser wird eher mit sog. Blockbuster-Ausstellungen als mit wissenschaftlich fundierten Präsentationen aus den eigenen Beständen gewonnen. Mehr (Ausstellungs-)Fläche bedingt außerdem aufwen-digere konservatorische Konzepte und Sicherheitsvorkehrungen. Die permanent wachsenden Sammlungen erheben größere und neue Anforderungen an das betreuende Personal. Stellt man jedoch die Frage, ob der Ausbau eines Museums auch eine Aufstockung des (wissenschaftlich/ kuratorisch/ konservatorisch/ restauratorisch tätigen) Personales nach sich gezogen habe, wird das kaum positiv beantwortet. Ganz im Gegenteil lassen sich hier und ähnliches gilt ja z.B. auch für den universitären Bereich eher indirekt proportionale Tendenzen feststellen: Wo nur kleinste Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Nachbesetzungen auftauchen, wird die Möglichkeit zu nachhaltigen Einsparmaßnahmen ergriffen. Ein großes Problem, das auf viele der „kleinen“ Museen und etliche Museumsvereine zukommt, ist eine bereits feststellbare „Überalterung“. Wo sind die jungen engagierten Kräfte, die das meist ehrenamtlich über Jahrzehnte aufgebaute Werk Ihrer (Groß-)Mütter und (Groß-)Väter fortsetzen werden? Wer bringt heute noch diesen Idealismus auf? Wer hat in unserer schnelllebigen Welt überhaupt noch die Zeit, so etwas nebenberuflich zu machen? Was passiert mit den Sammlungen, wenn diese Institutionen schließen müssen? Hier sind dann wohl die Bundes- und Landesmuseen oder andere Institutionen, die jetzt bereits als Aushängeschilder ihrer Region gehandelt und entsprechend gefördert werden, gefragt. Nur wie sollen und können diese das mit gleich bleibendem oder sogar reduziertem Personal auf Dauer bewältigen? In Deutschland und das kann sicher auf Österreich umgelegt werden rechnet man mit einem „drastischen Rückbau“ in der Museumslandschaft (O’BRIEN 2007, 1), der möglicherweise zu Umstrukturierungsmaßnahmen führen wird, die der Grundidee einer möglichst breit angelegten Sammeltätigkeit entgegenstehen (s. Zitat oben). Es ist sehr begrüßenswert, dass das Kulturland Österreich viel Geld für den Ausbau seiner „Identitäts- und Wissensspeicher“ ausgibt. Doch mit dem alleine ist es nicht getan. Es gilt die neuen Herausforderungen zu bewältigen und damit sollte möglichst sofort begonnen werden! Text: Mag. Stefan Traxler, Museumsbund Österreich, Geschäftsführung & Redaktion ‚neues museum’ Fotos: Jüdisches Museum Hohenems, Landesmuseum Burgenland, MMKK, MZMistelbach, Stefan Traxler Literatur: s. Buchtipps, 10.
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