![]() |
| MÖ | Partner | neues museum | Veranstaltungen | Aktuelles |
| Aktuelle Ausgabe | Archiv | Redaktion | Abo |
| neues museum - 2006/3 Thema: Archivierung |
| EDV-Inventarisierung in Lokal- und Regionalmuseen Beispiel Niederösterreich: Strategie und Erfahrungen Ulrike Vitovec Im Bundesland Niederösterreich wird die Inventarisierung musealer Bestände mittels elektronischer Datenverarbeitung seit dem Ende der 1990er Jahre nicht nur beratungstechnisch sondern auch finanziell gefördert. Seither wird im Rahmen der Möglichkeiten kontinuierlich sowohl an der Bewusstseinsbildung hinsichtlich der grundsätzlichen Notwendigkeit von Inventarisierungsmaßnahmen als auch an der entsprechenden Schulung der zumeist ehrenamtlich tätigen MuseumsmitarbeiterInnen gearbeitet. Interessante statistische Daten über die Verwendung von EDV-Inventarisierungsprogrammen, wie sie etwa für Deutschland vorliegen, wurden bislang in Niederösterreich nicht erhoben. Bei einer Umfrage vor acht Jahren (1998) meldeten rund 16% der Museen den Einsatz elektronischer Datenverarbeitung bei der Erfassung ihrer Bestände, wobei die unterschiedlichsten Programme zur Anwendung kamen. Akut wurde das Thema EDV-Inventarisierung von musealen Beständen in Niederösterreich in der ersten Hälfte der 1990er Jahre. Damals experimentierten die ersten Regionalmuseen mit mehr oder weniger selbst gestrickten EDV-Programmen, zugleich vermehrten sich aber auch die Anfragen an die Kulturabteilung und an den Dachverband der Museen in Niederösterreich, die 1991 gegründete IG NÖ Museen und Sammlungen, welche Programme denn nun zu empfehlen seien. 1994 fand sich daher eine Arbeitsgruppe zusammen, bestehend aus VertreterInnen der IG NÖ Museen und Sammlungen und der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich sowie an diesem Thema besonders interessierten MuseumskustodInnen. Ziel war die Auswahl eines geeigneten Programms, das Betreibern niederösterreichischer Regionalmuseen empfohlen werden konnte, das aber auch den allgemein gültigen Standards für die Inventarisierung musealer Bestände entspreche. Nachdem in Niederösterreich ähnlich wie in allen anderen österreichischen Bundesländern Lokal- und Regionalmuseen in der Regel ehrenamtlich und von nicht spezifisch für die Museumsarbeit ausgebildeten Personen betreut werden und zudem über mehr als bescheidene Budgets verfügen, war bei der Programmauswahl auch der leistbare Preis und die einfache Handhabung Thema, um die Hemmschwelle für die Verwendung der neuen technischen Möglichkeiten bei der Inventarisierung möglichst niedrig zu halten. Einig war sich die Arbeitsgruppe von Anfang an darüber, dass, um eine zukünftige engere Zusammenarbeit der Museen zu fördern, nur ein Programm ausgewählt werden würde, das einen einheitlichen Datenfeldkatalog vorgibt. Einer vorgegebenen Datenstruktur und der Verwendung eines für kulturgeschichtliche Sammlungen anwendbaren standardisierten Beschlagwortungssystems wurde hohe Priorität eingeräumt. Argument dafür, die Inventarisierung möglichst zu vereinheitlichen, war zudem, dass dadurch die Betreuung der Inventarisierungsarbeiten in den Museen besser organisiert werden konnte. Von der praktischen Museumsarbeit aus gesehen waren die Auswahlkriterien klar definiert: das Programm sollte eine einfache und klare Benutzeroberfläche bieten, den internationalen CIDOC-Standards entsprechen, eine multimediale Nutzung ermöglichen und zudem für Low-Budget-Museen finanziell leistbar sein. Mit Blick über die Grenze nach Deutschland und hier vor allem zur Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, wo bereits seit den 1980er Jahren die Inventarisierung mittels EDV professionalisiert und teils mit erheblichen Mitteln vorangetrieben wurde, steckte man auch in Niederösterreich ambitionierte Ziele. Eine Erfassung der musealen Bestände in den niederösterreichischen Museen mit den neuen technischen Möglichkeiten würde langfristig die Qualität der gesamten Museumsarbeit erhöhen. Im Jänner 1995 wurden schließlich mehrere Softwareentwickler eingeladen, ihre Produkte vorzustellen. Im Vergleich zu heute hatten sich zu dieser Zeit noch nicht viele Programme bewährt, viele steckten noch in den "Kinderschuhen". Dennoch wurde innerhalb der eingesetzten Arbeitsgruppe eine Auswahl vorgenommen. Die Entscheidung fiel auf das Programm Imdas (das nun nach einem umfangreichen Relaunch den Zusatz "Pro" führt), ein Inventarisierungsprogramm, das von der Forschungseinrichtung Joanneum Research in Graz, Institut für Informationsmanagement, gemeinsam mit Dr. Friedrich Waidacher für das Steiermärkische Landesmuseum Joanneum entwickelt wurde. Nach den ersten Informationsveranstaltungen über die Möglichkeiten der Inventarisierung mittels EDV begannen rund 20 Regionalmuseen in Niederösterreich mit Imdas zu arbeiten. Mittlerweile inventarisieren rund 60 Museen in Niederösterreich mit diesem Programm, davon 26 mit Hilfe von Landesförderungen. Die Arbeiten selbst werden in der Regel von eingeschulten MuseumsmitarbeiterInnen vorgenommen, zum Teil wird mit Praktikanten gearbeitet, zum Teil werden externe Fachkräfte mit Werkverträgen beauftragt, die Sammlungen aufzunehmen. Da auch am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien im Rahmen eines längerfristigen Projekts mit dem Programm Imdas-Pro gearbeitet wurde, stehen praktisch geschulte ExpertInnen für Inventarisierungsarbeiten zur Verfügung, ein Angebot, das von Museen und Gemeinden gerne angenommen wird. Betreuung und Förderung der Inventarisierungsmaßnahmen Die Betreuung der nichtstaatlichen Museen und Sammlungen in Niederösterreich und hier vor allem der kleineren lokalen und regionalen Einrichtungen wird seit 1999 von der VOLKSKULTUR NIEDERÖSTERREICH BetriebsGmbH wahrgenommen. Basis dafür ist ein längerfristiger Förderungsvertrag mit dem Land Niederösterreich. Die Museumsbetreuung umfasst neben Beratung und Betreuung bei der Inventarisierung der Sammlungen auch individuelle Beratungen bei der Neukonzeption von Museen und Ausstellungen sowie Hilfestellung bei der Antragstellung für Förderungen, Kontaktvermittlung zu Professionisten aus dem Museumsbereich und Unterstützung bei der Gründung regionaler Museumsverbünde. Zudem zählen zu den Aufgaben des heutigen MUSEUMSMANAGEMENT NIEDERÖSTERREICH die Organisation von Fortbildungsveranstaltungen, die Wartung eines Museumsverzeichnisses im Internet (www.noemuseen.at), einer Museumsdatenbank und eines Archivs sowie die verwaltungstechnische Abwicklung der Museumsförderung des Landes Niederösterreich. Seit dem Jahr 2000 gelten für die Vergabe der Förderungen des Landes im Bereich der Museen und Sammlungen eigene Förderkriterien, deren Ziel es ist, die Qualität der Museen in Niederösterreich zu heben. Inventarisierungsmaßnahmen bilden dabei einen besonderen Schwerpunkt und werden speziell und mit höheren Fördersätzen gefördert.
Fortbildung für MuseumskustodInnen Jährlich findet in Niederösterreich ein Museumstag statt, in dessen Rahmen aktuelle Fragen der Museumspraxis behandelt werden. Das Thema Inventarisierung wurde zuletzt beim Museumstag in Horn im Jahr 2004 behandelt. Seit Herbst 2005 wird eine Museumskustodenausbildung angeboten, die besonders auf die Zielgruppe der ehrenamtlich tätigen MuseumskustodInnen ausgerichtet ist. Im Rahmen dieser Ausbildung wird besonderer Wert auf das Erlernen einer fachgerechten Inventarisierung gelegt. Zusätzlich werden Übungskurse für das Inventarisieren mit Imdas-Pro angeboten. Die Kurse finden am neuen Standort der VOLKSKULTUR NIEDERÖSTERREICH BetriebsGmbH, dem Brandlhof in Radlbrunn im Weinviertel statt. Im Hof ist eine so genannte "Übungssammlung" untergebracht, eine Sammlung alten Hausrats und diverser landwirtschaftlicher Geräte, wo KursteilnehmerInnen "gefahrlos" das Beschriften von Objekten mit Inventarnummern und generell die Schritte der Inventarisierung erlernen und üben können. Von den Mitarbeiterinnen des MUSEUMSMANAGEMENT NIEDERÖSTERREICH wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Andrea Euler, Leiterin der volkskundlichen Sammlung der OÖ Landesmuseen und Referentin des Lehrgangs, eine Art "Museumskoffer", die Museumsbox "Inventarisieren", entwickelt. Die "Box" enthält sämtliche Materialien und Schreibutensilien, die für den Inventarisierungsvorgang erforderlich sind. Sie ist käuflich erwerbbar und soll den MuseumskustodInnen Zeit und Wege ersparen, um die zum Teil nur in Spezialgeschäften erhältlichen Stifte, Lacke und Tinkturen zu finden. Inventarisierungspraxis in den Museen Die Voraussetzungen in den Museen hinsichtlich der Inventarisierung sind sehr unterschiedlich, manche bauen auf bereits guten Karteikartensystemen auf, manche beginnen komplett neu. Ebenso unterschiedlich sind die Voraussetzungen bei den MuseumsmitarbeiterInnen selbst. So gibt es jene, die erst den Umgang mit Computer und Mouse erlernen müssen, andere wiederum sind erfahren in der Anwendung von Datenbanken und hantieren vom ersten Tag an problemlos mit dem neuen Erfassungssystem. Da Datenbanken komplexe Systeme sind, deren Umgang erlernt werden muss und eine gewisse Übung erfordert, wird in den in Niederösterreich angebotenen Übungskursen sehr individuell auf die einzelnen TeilnehmerInnen eingegangen, um einen möglichst hohen Lerneffekt zu erzielen. Unterstützt werden diese Anliegen auch von den professionell betreuten Museumsverbünden in Niederösterreich, hier vor allem dem Verbund der Museen im Kulturpark Eisenstraße-Ötscherland. Im Zuge des Projekts "Dokumentation Eisenstraße" wurden sämtliche musealen Bestände der Museen in der Region der Eisenstraße mit dem Programm Imdas-Pro aufgenommen und zentral abgespeichert. Gemeinsam mit vielen anderen Datensätzen aus Bibliotheken und Archiven der Region entstand so eine virtuelle "Schatzkammer", die nicht nur für Regionalforscher interessant ist. Im Internet unter www.eisenstrasse.info und in mehreren "DokuZ"s in der Region sind die Daten abrufbar und bilden die Grundlage für unterschiedliche Dienstleistungen, wie etwa themenbezogene Exkursionen, Vorträge und Kurse.
Ein besonderes Paradebeispiel für die Inventarisierung des gesamten musealen Bestandes ist das traditionsreiche und seit seiner Gründung im Jahr 1965 fachlich besonders gut betreute Waldbauernmuseum Gutenstein im südlichen Niederösterreich. Die von 2002 bis 2004 erfolgte Umstellung des umfangreichen Inventarkartensystems auf eine elektronische Basis wurde mit Hilfe einer externen Fachkraft, Mag. Susanna Hofmann (fresh concepts Klosterneuburg), bewerkstelligt. Rund 2.000 Objekte aus dem Bereich Holzbe- und -verarbeitung mit teils umfangreicher Beschreibung und detaillierten Skizzen wurden elektronisch erfasst, mit Bildern und Literaturverweisen ergänzt und mit einer parallel aufgebauten Personendatei verknüpft. Zusätzlich erfolgte die Einbeziehung eines historischen Bildarchivs, das in digitaler Form mit den einzelnen Datensätzen verknüpft wurde sowie eines umfangreichen Literaturbestandes. Die gesamte Datenbank enthält nun eine Fülle aufeinander verweisender Datensätze und ermöglicht unglaublich spannende Einblicke in die sozial-, technik- und wirtschaftsgeschichtlichen Zusammenhänge der "Waldbauern" in Gutenstein und Umgebung (www.waldbauernmuseum.at). Text: Mag. Ulrike Vitovec, VOLKSKULTUR NIEDERÖSTERREICH BetriebsGmbH, Abteilung MUSEUMSMANAGEMENT NIEDERÖSTERREICH MUSEUMSMANAGEMENT NIEDERÖSTERREICH Haus der Regionen Donaulände 56 3504 Krems-Stein Tel.: 02732/73999-16 Mail: museen[@]volkskulturnoe.at www.noemuseen.at
|
|||||||||||||||||||||||
| © Museumsbund Österreich | Kontakt/Impressum | ... powered by IS |