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| neues museum - 2005/1 Thema: "Im Visier der Besatzer" |
| Die Nachkriegszeit in Salzburg in US-amerikanischen Fotografien von Ulrike Engelsberger und Eva Maria Feldinger "Österreich ist frei!" Mit diesen Worten des Bundeskanzlers Leopold Figl zum Abschluss des Staatsvertrages am 15. Mai 1955 endete für Österreich die zehn Jahre dauernde Zeit der Besatzung nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Im April bzw. Mai 1945 waren amerikanische, englische, französische und russische Truppen nach Österreich gekommen, die von der Bevölkerung zunächst als Befreier von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft empfangen wurden. Während in der Folge der Osten Österreichs unter der russischen Besatzung litt, arrangierte sich die Bevölkerung der westlichen und südlichen Bundesländer rasch mit den Besatzern. In der amerikanischen Besatzungszone brachte die Anwesenheit der fremden Truppen einen Wirtschaftsaufschwung mit sich, der Salzburg und Oberösterreich im Vergleich zum restlichen Österreich als "Goldenen Westen" erscheinen ließ. Obwohl der im Oktober 1955 bevorstehende Abzug der Amerikaner als Befreiung empfunden wurde, fürchtete die Bevölkerung dennoch wirtschaftliche Einbußen, nicht zuletzt drohte durch den Verlust von Arbeitsplätzen im Umfeld der US-Armeeeinrichtungen eine Verminderung der Beschäftigung von 7 bis 8 Prozent. "60 Jahre Zweite Republik" und "50 Jahre Staatsvertrag" 2005 wird in Österreich als Gedenkjahr "60 Jahre Zweite Republik" und "50 Jahre Staatsvertrag" begangen. Salzburg erinnert an die Ereignisse nach dem 2. Weltkrieg mit einer Ausstellung im Salzburger Museum Carolino Augusteum und einem umfangreichen Bildband mit dem Titel "Als der Westen golden wurde. Salzburg 19451955 in US-amerikanischen Fotografien". Im Gegensatz zu bisherigen Dokumentationen zum Thema "Nachkriegszeit" wird im Jahr 2005 dieser Zeitabschnitt ausschließlich aus der Sicht der amerikanischen Besatzer vor Augen geführt. Die gezeigten Aufnahmen wurden von amerikanischen Armeeangehörigen gemacht und spiegeln zum einen den offiziellen Blickwinkel, zum anderen die private Sichtweise der Besatzer wider. US-Fotos aus den National Archives Washington Seit 1996 bemüht sich das Salzburger Landesarchiv um die Reproduktion ausgewählter Besatzungsakten der amerikanischen Militärregierung, die sich heute in den National Archives in Washington, DC / College Park, MD, befinden, und stellt diese zeitgeschichtlichen Unterlagen in Form von Mikrofilmen der wissenschaftlichen Forschung in Österreich zur Verfügung. Das Archiv hat im Rahmen dieses Projektes als Vorbereitung zum Gedenkjahr 2005 umfangreiches Bildmaterial in Washington gesichtet und ca. 1.200 Aufnahmen dupliziert. Die von 1945 bis 1955 in Salzburg angefertigten Aufnahmen dienten der amerikanischen Besatzungsmacht als bildliche Berichterstattung über ihren Einsatz. Mit der Durchführung dieser Aufgabe war die "Information Service Branch" (ISB) betraut, diejenige Abteilung der amerikanischen Militärregierung, die in Österreich die Verbreitung der US-Propaganda und somit auch des "American Way-of-Life" forcierte. Für Ausstellung und Fotoband wurde aus diesem umfangreichen Bildbestand eine repräsentative Auswahl von Dokumentarfotos getroffen. Der zeitliche Rahmen spannt sich von den letzten Kriegstagen bis zum Abzug der Truppen aus Salzburg und dem Hissen der österreichischen Nationalflagge. Die ältesten Aufnahmen zeigen den Bombenhagel auf die Stadt Salzburg und die dadurch verursachten Zerstörungen, die sich besonders eindrucksvoll in den verwüsteten Bahnanlagen manifestieren. Gefangennahme von NS-Granden, wie Hermann Göring, aber auch von Wehrmachtssoldaten, deren Entwaffnung und Internierung gehören ebenso zum Thema "Kriegsende und Einmarsch" wie die im Gelände zurückgelassenen deutschen Kriegsrelikte. Einen Glücksfall stellen die Wiederauffindung der von den Nazis verschleppten Gemälde aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien und die Sicherstellung des Reliquiars der Hand des hl. Stefan von Ungarn dar. ![]() Bombenschäden am Salzburger Bahnhof Einblicke in die amerikanische Militärorganisation geben Fotografien sowohl von den Kommandierenden Generälen Mark W. Clark, Harry Collins, Geoffrey Keyes und William H. Arnold als auch von den Kasernen in Salzburg, die von den amerikanischen Truppen als Militärstützpunkte genutzt wurden. Anlagen wie Camp Truscott in Glasenbach, Camp Riedenburg in Salzburg oder jene von Saalfelden und St. Johann i. Pg. waren beschlagnahmt und adaptiert worden, währenddessen der Bau von Camp Roeder der heutigen Schwarzenbergkaserne in Wals-Siezenheim ein aufwändiges Projekt der Besatzungsmacht selbst war. Zu den Aufgaben der Militärregierung gehörte auch die Gerichtsbarkeit, die über Verbrechen gegen amerikanische Soldaten zu befinden hatte. Nicht wenige Aufnahmen zeigen militärische Aufmärsche und Graduierungen von US-Soldaten. Der Residenzplatz und der Flugplatz in Salzburg gehörten zu den beliebtesten Orten an denen sie ihr großes militärisches Aufgebot der Salzburger Bevölkerung vor Augen führten. Neben diesen für die Öffentlichkeit bestimmten Machtdemonstrationen wurden jedoch auch militärinterne Angelegenheiten wie Übungen, Alpinausbildung und Manöver fotografisch dokumentiert. Groß war der Anteil der Amerikaner am sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau Salzburgs; Marshallplan, CARE-Paket, Kinderausspeisung und Flüchtlingsbetreuung sind nur einige Schlagworte. Ein Anliegen war die Ausbildung der Bevölkerung im Bereich der Land- und Forstwirtschaft und die Errichtung von Jugend- und Bildungseinrichtungen, die den Österreichern die amerikanische Kultur näher bringen sollten. Coca Cola, Jeans und Jazz wurden in Österreich beliebt. ![]() Austeilung von US-Lebensmitteln an Österreicher Der im Schloss Kleßheim bei Salzburg betriebene Soldatensender "Blue Danube Network" wurde nicht nur von den Besatzungssoldaten gehört, auch Einheimische durften an den amerikanischen Musik- und Informationssendungen teilhaben. Als Vorläufer des heutigen ORF gilt der von den Amerikanern in Salzburg eingerichtete und in deutscher Sprache ausstrahlende Radiosender "Rot-Weiß-Rot". Durch den Einsatz der amerikanischen Militärregierung konnten im übrigen auch die Salzburger Festspiele im Sommer 1945 ohne kriegsbedingte Unterbrechung ihre Aufführungstätigkeit fortsetzen. Die Fotodokumentation der ISB beschränkte sich jedoch nicht nur auf den militärischen, sozialen und kulturellen sowie wirtschaftlichen Alltag, sondern erstreckte sich auch auf den privaten Alltag der US-Soldaten. Einblicke in Familienleben, Wohnverhältnisse, Freizeitbeschäftigung und amerikanische Clubs runden das Bild ab. Private Fotos des Besatzungssoldaten Dominick Del Giudice Der zweite Teil der Dokumentation "Als der Westen golden wurde" bringt Aufnahmen des 1915 in New York geborenen Fotografen Dominick Del Giudice, der im Mai 1945 mit den amerikanischen Besatzungstruppen nach Salzburg kam. Bis zum Ende seines Dienstes in der Mozartstadt im Jahr 1955 fertigte er als Privatmann rund 8.000 Schwarz-Weiß-Negative, Dias und Postkarten an. Die Faszination, die die historische Kleinstadt Salzburg auf den Großstädter ausübte, schlägt sich in der Motivwahl Del Giudices nieder. Ansichten der Stadt Salzburg, die aber nicht dem üblichen Postkarten-Klischee entsprechen, hielt er ebenso in seinen Fotografien fest wie Szenen aus Brauchtums- und Sportveranstaltungen. Auch das bäuerliche Leben und die Gebirgslandschaft Salzburgs fanden seine fotografische Aufmerksamkeit. Einen nicht unbeträchtlichen Teil machen Aufnahmen von Salzburger Künstlern wie Josef Magnus und Kay Krasnitzky aus, mit denen er freundschaftlich verbunden war. ![]() Dominick Del Giudice, Spiel der Harlem Globetrotters in Salzburg, 1955 Das Salzburg betreffende Fotomaterial wurde aus dem Nachlass Del Giudices von der Nichte seiner Gattin, Frau Dipl.-Ing. Charlotte Kühl, dem Salzburger Museum Carolino Augusteum im Jahr 2000 dankenswerterweise zum Geschenk gemacht. Die Aufnahmen stellen nun im Fotoarchiv des Museums weitere wichtige Quellen zur Besatzungszeit im Westen Österreichs dar, auf Grund ihrer Ästhetik sind sie aber auch als eigenständige fotografische Kunstwerke zu werten. ![]() Dominick Del Giudice, Schafabtrieb in Pfarrwerfen, 1951 Text: Dr. Ulrike Engelsberger, Salzburger Landesarchiv und Eva Maria Feldinger, Salzburger Museum Carolino Augusteum Fotos: Salzburger Landesarchiv und Salzburger Museum Carolino Augsteum Als der Westen golden wurde. Salzburg 19451955 in US-amerikanischen Fotografien 14. Mai bis 25. September 2005 Salzburger Museum Carolino Augusteum Haupthaus, Museumsplatz 1 tgl. 9-17 Uhr, Do bis 20 Uhr www.smca.at Der Bildband erscheint im Böhlau Verlag Wien.
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