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neues museum - 2004/3
Thema: Kunst- und Kaufgenuss für den Besucher
Strategien und Zielsetzungen im Bereich Museumsshop
anhand von Beispielen des Kunsthaus-Shops (Graz)

von Tanja Gurke

"Im Kauf verdinglicht sich die Unvergesslichkeit des Kulturerlebnisses"


Museumsshop – was ist das eigentlich?

Der Besuch in einem Museum sollte im Idealfall nach einem interessanten Ausstellungsrundgang im Museumsshop enden, wo der Besucher neben den hauseigenen Publikationen und dem zur jeweiligen Ausstellung passenden Buch- und Zeitschriften-Sortiment auch Produkte findet, die mit dem Museum eng verbunden sind und einen Wiedererkennungs- und Erinnerungsfaktor in sich bergen. Ob es ein Gegenstand ist, den man sich selbst kauft, weil er einem gefällt und an das Museum erinnert, oder ob es ein Geschenk für einen Freund oder Verwandten ist – der Museumsshop ist der ideale Ort für Spontankäufe. Hier sitzt das Geld lockerer als in so manchem anderen Geschäft, und der Kunde gibt gerne auch einmal etwas mehr aus, weil die angebotenen Produkte für ihn aufgrund der exklusiveren Umgebung des Museums mehr Wert haben. Der Erwerb von Produkten aus dem Museumsshop rundet für den Besucher den Museumsrundgang ab und stärkt seine Verbundenheit zum Museum. "Im Kauf verdinglicht sich die Unvergesslichkeit des Kulturerlebnisses. Gleichsam das Museum zum Mitnehmen, Nachlesen und Nacherleben, das zeichnet den gut sortierten Museumsshop aus. Diese Spiegel-Situation von Museum und Shop verleiht dem Laden seinen Nimbus, macht ihn zum Unikat." (Helmut M. Bien, in: WA(H)RE KUNST).


Sammeledition von Kunsthaus-T-Shirts für (fast) jede Ausstellung wurde ein T-Shirt kreiert, das sich mit Witz, Qualität und Originalität auf die jeweilige Ausstellung bezieht. So erlangte das T-Shirt zur ersten Kunsthaus-Ausstellung "Einbildung" mittlerweile "Kult"-Charakter.


Oftmals verweilt ein Besucher länger im Shop als im Museum und beschäftigt sich intensiver mit den käuflichen als mit den ausgestellten Objekten. Denn hier ist die Kunst "in handliche Geschenkeinheiten portioniert, zielgruppengerecht verpackt und ausgepreist. So wird der Museumsshop zu einer Kulturtankstelle für zahlreiche Antriebe." (Ulrich Giersch, in: WA(H)RE KUNST).
Das Angebot in einem Museumsshop sollte – passend zum Rahmen Museum, in dem er untergebracht ist – exklusiv, unverwechselbar und ästhetisch ansprechend sein. Da ja ein Museum den Anspruch hat, neben seiner Sammel- und Bewahrungstätigkeit historisch zu bilden, sollte auch das Sortiment des dazugehörigen Shops diesem Bildungsauftrag leistungsfähig entsprechen und ein Kulturgut für den Besucher darstellen. Denn: "Ein guter Museumsshop zeichnet sich eben nicht durch seinen Ort aus, sondern durch ein intelligentes Warenprofil." (Walter Grasskamp, in: WA(H)RE KUNST). So sind Bücher und Zeitschriften, die thematisch mit dem Museum zusammenpassen, neben den hauseigenen Publikationen ein wichtiger Bereich. Weiters zählen Postkarten und Poster, die Haus und Ausstellungen repräsentieren, zu beliebten Produkten, die von fast jedem Besucher gekauft werden. Eine Reihe von Merchandising-Artikeln, die speziell für den jeweiligen Shop produziert wurden, sowie sorgfältig ausgewählte Geschenkprodukte runden das Grundsortiment ab. Dass dieses Sortiment ständig auf seine Relevanz und Rentabilität hin beobachtet werden muss ist selbstverständlich.
Eva Hoffmeister hat die Charakteristik eines guten Museumsshops auf den Punkt gebracht: "Der gute Museumsladen erfüllt aus Sicht der Museen drei Funktionen. Er ist Teil der Leistungspolitik des Museums über das Angebot von Informationsmedien, mit deren Hilfe Ausstellungsinhalte vertieft werden können; Teil der Kommunikationspolitik des Museums über eine museumsgerechte Gestaltung des Verkaufsraums, den Aufbau persönlicher Kontakte zwischen Verkaufspersonal und Besuchern/Kunden (...); Profit-Center für das Museum über die Erzielung von Einnahmen." (Eva Hoffmeister in: Hartmut JOHN).


Museumsshops im Ausland

Bereits in der Zeit des Hellenismus, ca. 300 v. Chr., belegen antike Quellen den Verkauf von kleinen Ersatzfiguren, die nach Vorbildern aus Bauwerken oder von Statuen in Ton oder Lehm nachgebildet wurden. Diese Objekte brachten finanzielle Einnahmen und stellten für den Käufer Erinnerungsstücke an seinen Besuch am jeweiligen Ort dar.
In den USA haben kommerziell geführte Museumsshops mittlerweile die längste Tradition. 1955 wurde in Denver die sogenannte Museum Store Association (MSA) als Interessensvertretung gegründet, die den Museen bei der Entwicklung und im Vertrieb von Museumsshop-Produkten hilft und selbst ein umfangreiches Sortiment anbietet, von dem ohne Risiko von den Museen eingekauft werden kann. Museumsshops sind in den USA ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Museums geworden, ja sie bestimmen mitunter sogar das Ausstellungsprogramm. Von Beginn an trat dort der wirtschaftliche und kommerzielle Aspekt sowie die Steigerung der Attraktivität des jeweiligen Museums in den Vordergrund.
In Europa gibt es erst seit den 90er Jahren erste Versuche, Produzenten, Händler und Kultureinrichtungen zu bündeln, gemeinsame Ziele zu formulieren und kostengünstig bzw. zielorientiert zusammenzuarbeiten. Im Laufe der Zeit entwickelten sich hier spezielle Produktmessen zu wichtigen Anlaufstellen für jeden Museumsshop-Betreiber: Dort kann man sich über die neuesten Trends informieren, Kontakte mit Produzenten und Vertriebspartnern knüpfen, Produkte vor Ort begutachten bzw. Bestellungen für den eigenen Shop machen. Die herausragenden Messen sind hierfür z.B. die jährlich stattfindenden Tendence Lifestyle- und die Ambiente-Messen in Frankfurt, die Frankfurter Buchmesse, die Museum Expressions in Paris sowie kleinere regionale Produktdesign-Messen.
London und Paris sind seit Beginn der Museumsshop-Entwicklung in Europa die führenden Städte. In professionell geführten und gestalteten Shops arbeitet ein gut geschultes Personal, die jeweiligen Museen stehen hinter dem Shop-Konzept und treiben so die Wirtschaftlichkeit der Shops voran. Protobeispiel für einen äußerst lukrativen, modernen und zeitgeistigen Museumsshop ist wohl jener in der Londoner Tate Modern: Auf 600m2 werden neben einer Vielzahl von Büchern, Katalogen und Zeitschriften verschiedenste Merchandising-Artikel angeboten, die allesamt den Stempel „Tate“ tragen. Denn in diesem Shop gibt es an Geschenkartikeln nur hauseigene Produkte, keine zugekauften. Diese decken fast alle Preisklassen ab und bedienen Besucher quer durch die Alters- und Gesellschaftsklassen. Der jährliche Umsatz in siebenstelliger Pfund-Höhe kann sich sehen lassen, und der Besucherstrom auch...


Museumsshops in Österreich

Der deutschsprachige Raum ist in punkto Museumsshops noch ein Entwicklungsgebiet. Verkaufsstellen werden einerseits oft noch versteckt, andererseits als eine Art Souvenirladen bzw. Geschenkboutique verstanden. Da sich viele Museen schwer tun im Umgang mit einem Verkaufsangebot bzw. noch zu geringe Erfahrungen im Verkauf haben, sind die Erwartungshaltungen z.T. überzogen; Man ist der Meinung, dass sich mit dem Betrieb eines Museumsshops so viel Geld machen ließe, dass damit neue Projekte des Museums finanziert werden könnten. Andererseits hat man auch noch Hemmungen, Kunst und Kommerz zu vermischen, in der Sorge, dass darunter die Qualität von Museum und Ausstellungen leiden könnte.
In Österreich war die Situation bis zum Ende der 80er Jahre noch sehr unbefriedigend: Museumsshops – so weit sie überhaupt vorhanden waren – waren oftmals an Buchhandlungen verpachtet, weder besonders attraktiv gestaltet noch umsatzstark. Eine wesentliche Veränderung brachte die sogenannte Teilrechtsfähigkeit der Bundesmuseen 1991, die den Museen die Möglichkeit gab, Museumsshops zu führen, die Erlöse selbst zu verwalten und sie für ihre eigenen Zwecke zu verwenden. So entstanden in den größeren Bundesmuseen wie im Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum, in der Österreichischen Galerie und im Museum für Angewandte Kunst die ersten wirklichen Museumsshops, wobei der Shop des KHM als führend zu vermerken ist.
Daneben wurde eine Reihe von privat organisierten Museen gegründet – Kunstforum der Bank Austria, Kunsthaus Wien oder Lippizaner-Museum –, die über ihre Museumsshops die Chance nutzten, Zusatzeinnahmen zu erzielen.
Als Vorbild für alle entstandenen Shops dienten die Museumsshops im Ausland, respektive in den USA, Großbritannien und Frankreich. Großer Wert wird auf Qualität und hohes Niveau, vor allem bei Printprodukten wie Karten und Postern, gelegt. Auch im Replikenbereich versucht man, dem gehobenen Wunsch der Käuferschaft entgegenzukommen. Originalität, Witz und Ästhetik stehen in letzter Zeit immer mehr im Vordergrund und bestimmen etwa die Linie des MAK in Wien sowie das Angebot im Museumsquartier.


Großer Wert wird auf hohes Niveau, vor allem
bei Printprodukten wie Karten und Postern, gelegt.



Souvenir vs. Design, Kitsch vs. Ästhetik, "08/15" vs. Originalität und Witz

Die Macht des Marktes sorgt leider für eine ständige Entwertung des Produktwertes in Museumsshops. Waren werden zu Massenprodukten, die die Kunstwerke, die sie abbilden, verflachen. Die Popart-Bewegung hatte den Warencharakter der Kunst zum Thema gemacht und den Startschuss zu einer derartigen Entwicklung gegeben, in der Marken sich zu Ikonen entwickeln. Keith Haring z.B. setzte seine Kunst bewusst in Produkte um, die in Museumsshops verkauft wurden. Er verstand jede seiner Ausstellungen auch als Museumsshop und hat diesen Begriff auch konsequent verwendet. Haring ging es darum, weltweit in seiner Bildsprache bzw. Bildschrift zu kommunizieren, seine von ihm formulierte Ikonographie auf Hemden, Uhren, Magneten, Tassen und Tüchern sprichwörtlich unter das Volk zu bringen und seine Ideen dadurch weltweit bekannt zu machen. Manche dieser Produkte haben mittlerweile beinahe einen ikonenhaften Status erlangt.
In den USA und in England gibt es auch außerhalb von Museen sogenannte Art Stores, die nur Museumsshop-Produkte vertreiben – allerdings ohne ein Museum im Hintergrund zu haben, d.h. ohne direkten musealen Bezug. Vor allem in der Vorweihnachtszeit boomen solcherlei Shops, die oftmals eigene Versandkataloge anbieten und so den Einkauf vorab erleichtern. Preisgünstige Nachbildungen von berühmten Kunstwerken, die den Faktor Wiedererkennbarkeit in sich tragen, gehen in großen Zahlen über die Ladentische. Interessierte, die weder Zeit noch Geld haben, um in die Shops der großen Museen der Welt zu fahren, kommen auch auf diese Art zu den gewünschten Produkten.
In Wien wurde ein solcher Artshop in der Babenbergerstraße unter dem Namen Replicart eröffnet. Besucher finden dort einen Shop ohne Museum, in dem Artikel des Moma New York und anderer internationaler Museen angeboten werden. In einem weiteren Raum findet man die Produktlinie der Wiener Werkstätten, die Originalmuster der Wiener Werkstätte für Artikel jeglicher Art verwendet und qualitativ hochwertig umsetzt.
Die Entwicklung dieses Marktes führt zu einer enormen Homogenisierung des Angebots: Produkte mit Abbildungen von Mondrian, Picasso und Kandinsky sind, im krassesten Fall, auch in einem Museum für mittelalterliche Kunst zu finden. Die Museumsshop-Produkte werden austauschbar, Authentizität und oftmals auch Ästhetik treten zunehmend in den Hintergrund. Gerade Individualität und Originalität sind jedoch tragende Elemente der Sortimentsgestaltung, die das Besondere an einem Museumsshop ausmachen.


Corporate Identity des Museums vs. Museumsshop

Museumsshops sind stark dem Image des jeweiligen Museums unterworfen, denn in ihrem Aussehen und ihrem Sortiment sollten sie das Leitbild des Museums widerspiegeln und somit dem Marketing des gesamten Hauses entsprechen. Sind es im Fall des Museums die Künstler und ihre Werke, die König sind, so sind es im Shop die Besucher bzw. Kunden, die sich im besten Fall ein Stück Museum mit nach Hause nehmen. Denn das Ziel des Museumsmarketings ist es, dem Publikum die Gegenwart in allen Teilen des Museums – inklusive im Shop - so angenehm wie möglich zu gestalten. Und so sollte von Beginn an der Museumsshop in das Gesamtkonzept Museums-Marketing eingebunden sein.
Die Grundlage für einen mit dem Museum inhaltlich verbundenen Shop bildet das Sortiment. Damit sich der Besucher seinen Museumsbesuch zuhause nochmals in Erinnerung rufen kann, sollten Produkte angeboten werden, die speziell auf das Haus Bezug nehmen, es entweder abbilden oder dessen Identität in Form des jeweiligen Museums-Logos in sich tragen. Solcherlei spezielle Artikel bringen dem Shop Exklusivität, und dem Kunden das Gefühl, dass er ein Produkt abseits der Massenware erworben hat. Mit diesem Spezialsortiment hat das Museum auch eine weitere Chance, „unter die Leute gebracht zu werden“ und sein Image zu stärken, da sich der Besucher mit dem gekauften Produkt und in Folge auch mit dem Museum identifizieren kann.
Eine große Rolle spielen neben der Einnahmefunktion eines Museumsshops Faktoren wie Imagegewinn für das jeweilige Museum, Werbe- und Multiplikatoreneffekt, Stärkung der Kundenbindung bzw. Akquirierung von neuen, potentiellen Stammkunden – sowohl für das Museum wie auch für den Shop – sowie Zufriedenstellung und Abrundung des Museumsbesuchs für die Besucher.
Museen werden mittlerweile zunehmend nicht nur Orte des Sammelns, Ausstellens und des pädagogischen Nutzens für die Besucher sein, sondern auch erlebnisreiche, anspruchsvolle Einkaufsorte mit einem speziellem Sortiment, das oft nur dort zu bekommen ist und daher einen exklusiven Anspruch hat. Ein attraktiv gestalteter Museumsshop kann die Schwellenangst vor dem Betreten eines Museums nehmen und so die Besucherzahl erhöhen. Ziel ist es, durch den Verkauf von museumsspezifischen Produkten das Image und die Marke des jeweiligen Museums zu steigern und das Museum zu einem Ort zu machen, an dem auch Nicht-Museumsbesucher einen Mehrwert für sich finden können.
Ein wesentlicher Bestandteil des Merchandisings ist der Standort des Shops. Die Besucher sollen – wenn sie nicht sowieso automatisch auf ihrem Museumsrundgang durchkommen – unmittelbar in den Shop hineingezogen werden – und dort sollten sie dann auch genügend Produkte finden, die sie zum Kauf animieren. Falls keine Schaufenster vorhanden sind, muss ein Museumsshop anderwärtig versuchen, auf sich aufmerksam zu machen, sei es durch Vitrinen, die im Museum geschickt platziert sind, oder durch eine einladende Eingangssituation.
Vorrangig ist weiters die prominente, publikumswirksame Platzierung der verschiedenen Produkte im Shop, um sie möglichst zahlreich an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Durch attraktive Verpackungen werden Kaufkraft und Attraktivität dabei noch erhöht.


Gut überlegt seien insbesondere eigens für den Museumsshop
produzierte Waren, die oft in größeren Stückmengen werden müssen
(Foto: Niki Lackner)

Rentabilität eines Museumsshops

Bevor man einen Museumsshop gründet sei wohl überlegt, in welcher Form dieser betrieben werden soll. Hierfür gibt es Möglichkeiten wie Selbstbetrieb durch Mitarbeiter des Museums, Gründung einer eigenen GmbH innerhalb des Museums, die freier nach den Gesetzen des Marktes agieren kann, bzw. Fremdvergabe in Form einer Verpachtung. Jede dieser Lösungen birgt ein Für und Wider in sich. Einerseits sind es die hohen Kosten und Risken, die auf ein Museum als Shopbetreiber zukommen, anderseits sind es die Beachtung und Einhaltung der Ziele und Aufgaben des Museums, wenn der Shop fremdvergeben wird. Auf jeden Fall ist es das Ziel, die betriebswirtschaftlich günstigste Variante auszuwählen, die mit dem jeweiligen Haushaltsrecht des Trägers und den Steuergesetzen in Einklang steht.
Durch ein entsprechend ausgewähltes Sortiment und ein gut gepflegtes Lager, das sich möglichst oft dreht, wird es möglich sein, auch einen entsprechend kostendeckenden Umsatz zu machen. Eventuelle Straffungen, Abverkäufe und Sonderangebote bzw. Sonderpakete sollten in Abständen überlegt werden. Auch auf Wechselausstellungen sollte – je nach Wichtigkeit und Größe der Ausstellung – eingegangen werden. Außerdem kauft der Shop-Verantwortliche schon auch einmal Waren ein, die zwar keinen konkreten Bezug zu Museum oder Ausstellungen haben, aber hohe Absatzzahlen versprechen, da sich der Shop ja rentieren muss. Gefahr läuft man dabei allerdings, in eine gewisse Beliebigkeit, ja Austauschbarkeit, hinüberzurutschen und die eigenständige Linie eines Museumsshops zu untergraben, wenn zu viele solche Produkte angeboten werden.
Gut überlegt seien insbesondere eigens für den Museumsshop produzierte Waren, die oft in größeren Stückmengen abgenommen werden müssen, um überhaupt produziert werden zu können, und die sich nicht unbedingt zu Verkaufsschlagern entwickeln müssen. Hohe Lagerkosten gehen damit natürlich Hand in Hand. Da ohne ein museumsspezifisches Warenangebot einem Museumsshop allerdings Identifikationsmittel für den Besucher fehlen, sollte man sich im Vorfeld genau überlegen, was man wo, wann und in welcher Form bzw. Menge produzieren lässt. Denn der Shop sollte nicht nur kostendeckend, sondern auch gewinnbringend arbeiten und Geld für neue Produkte und Projekte ermöglichen.
Ein großes Potential für die Rentabilität eines Museumsshops steckt neben der angenehmen Gestaltung und Präsentation des Sortiments im Verkaufspersonal. Dieses sollte soweit geschult sein, dass es über die angebotenen Waren hinreichend Auskunft geben kann, freundlich und zuvorkommend mit den Besuchern bzw. Kunden umgeht und Informationen geben kann, die das Museum und seine Ausstellungen betreffen. Ständige Weiterbildungen im Bereich Verkauf sind dabei eine gute Möglichkeit, um das Personal zu trainieren. Da das Personal einer der größten Ausgabeposten ist kann versucht werden, eine Mischform zwischen fix angestellten Kräften, freien Dienstnehmern und ehrenamtlich Tätigen zu finden.
Natürlich tragen zu guter Letzt auch die Besucherzahlen des Museums sowie die Erreichbarkeit des Shops – erstrebenswert wäre dabei ein Zugang auch ohne Museumsbesuch – bei. Und auch ein Verweis auf den Shop auf der Museums-Homepage – das muss nicht unbedingt ein komplett eingerichteter Webshop sein, sondern eine einfache Bestellmöglichkeit - kann dazu Positives beitragen und den Shop auch für Nicht-Museumsbesucher zugänglich machen. Weiters tragen natürlich auch die Öffnungszeiten zum Umsatz bei, denn wo kann man sonst in entspannter Atmosphäre am Wochenende einkaufen gehen, wenn nicht im Shop eines Museums, das auch Samstags und Sonntags geöffnet hat.


Erfahrungswerte im Kunsthaus-Shop

Der Kunsthaus-Shop ist in zweifacher Hinsicht ein wichtiger Bestandteil des Kunsthauses selbst wie auch der Stadt Graz: Einerseits wird im Shop verstärkt Fachliteratur zu den Bereichen zeitgenössische Architektur, Kunst und Fotografie, Grafik- und Produktdesign sowie Mode angeboten, wie es in den Grazer Buchhandlungen großteils fehlt. Andererseits gab es durch den Kunsthaus-Shop die Chance, erstmals einen Museumsshop in Graz zu eröffnen, wie er bisher noch nicht bestanden hat.
Shop und Ticketverkauf sind im Kunsthaus keine getrennten Bereiche, sondern an einem Ort zusammengefasst. Das hat Vor- und Nachteile: Ein Vorteil ist sicherlich der, dass die Besucher automatisch auf den Shop aufmerksam werden und entweder vor oder nach dem Ausstellungsbesuch nochmals zurückkommen. Benachteiligt ist der Bereich Service, da mit der starken Konzentration auf den Ticketverkauf und dem Anbieten von Informationen zu Kunsthaus und Ausstellungen die Beratung im Shop ein wenig nachhinkt. Hier sollte alsbald im Personalsektor ein Umdenken stattfinden, da gerade ein gutes Kundenservice ausschlaggebend für die Entwicklung eines Stammkunden-Sektors in Graz ist.
Die Größe des Kunsthaus-Shops beträgt 70m2, dazu kommen eine kleine Lagerfläche im Erdgeschoss sowie ein Lagerraum von ca. 35m2 im 2. Untergeschoss. Es arbeiten insgesamt fünf Angestellte im Shop, wobei zwei von ihnen ganztags beschäftigt sind, zwei halbtags und eine zu Dreiviertel. Die Einrichtung stammt von dem Architektenteam, das auch das Kunsthaus entworfen hat, und besticht durch seine strahlend weißen Möbel, die eine neutrale Folie für die bunten Bücher und Produkte bilden.
Da ein Schwerpunkt im Kunsthaus-Shop auf dem Bereich Fachbuch liegt, ist der Umsatz, der mit Büchern und Fachzeitschriften gemacht wird, dementsprechend hoch, nämlich mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes, gerechnet seit Eröffnung des Kunsthauses bzw. des Shops Ende September 2003. Der Non-Book-Bereich lukriert dementsprechend den Rest des Umsatzes, wobei der Merchandising-Produktbereich sich im Kunsthaus-Shop insgesamt auf etwas mehr als die Hälfte vom Produktumsatz beläuft, Tendenz steigend.
Zusammen mit dem Wiener Grafik- und Gestalter-Team Lichtwitz, das für das Kunsthaus das Corporate Design entworfen hat, entstanden im Laufe der letzten Monate eine Vielzahl an Merchandising-Produkten, die sich deutlich auf das Haus beziehen, einen stark ästhetischen Wert in den Vordergrund stellen und sich sowohl als qualitativ hochwertiges Produkt wie auch als Funktionsartikel im Alltag qualifizieren. Die Basis-Produktlinie für den Kunsthaus-Shop bilden eine Reihe von Postkarten mit Außen- und Innenansichten des Hauses sowie ein Postkartenbuch mit 10 verschiedenen Karten, drei Poster, ein Daumenkino mit der Entstehungsgeschichte des Kunsthauses, ein Lanyard (Schlüsselband), drei T-Shirts, zwei Sorten Schokolade sowie drei Arten von Tragtaschen, die die Kunden beim Kauf mitbekommen. Von Beginn an war man darauf bedacht, eine Art Sammler-Edition von Kunsthaus-T-Shirts zu produzieren, d.h. für (fast) jede Ausstellung ein T-Shirt zu kreieren, das sich mit Witz, Qualität und Originalität auf die jeweilige Ausstellung bezieht. So erlangte das T-Shirt zur ersten Kunsthaus-Ausstellung „Einbildung“ mittlerweile beinahe Kultcharakter.
In der Folge entstanden weitere Produkte: Radiergummi, Bleistift, Kugelschreiber, zwei Notizblöcke in verschiedenen Größen, Zuckerldose, Geschenkpapier, Gutscheine, Tasche, Schlapphut und Frisbee-Scheibe. In der Entwicklung sind im Moment ein Knirps, ein Schlüsselanhänger sowie eine Serie von Magneten. Angedacht ist zu einem späteren Zeitpunkt auch eine eigene Kinder-Produktlinie.
Zu beinahe jeder Ausstellung werden neben dem T-Shirt ein Katalog und mehrere Postkarten produziert. Außerdem gibt es zwei DVDs, eine über die Entstehung des Kunsthauses, eine über das Projekt Thomas Baumann auf der BIX-Medienfassade.
Von dem italienisch-österreichischen Künstler-Ehepaar Leonardi wurden fünf Ringe, inspiriert an der „Kunsthaus-Skin“, entwickelt, die sich großer Beliebtheit erfreuen. In ca. zwei Monaten werden noch weitere Schmuckstücke aus diesem Material folgen, das ja eine einzigartige Verbindung zum Kunsthaus herstellt. Von Leonardi werden auch noch andere Produkte erfolgreich im Shop angeboten.
Das Shop-Team reagiert auf spezielle Events des Hauses wie Vernissagen mit verlängerten Öffnungszeiten, ist selbst aber ebenso im Bereich Veranstaltung tätig. So fanden bereits mehrere Buchpräsentationen im Shop statt, auch für die kommende Herbst-/Winter-Saison ist wieder einiges an Shop-Programmpunkten geplant.

Mein Grundsatz zum Abschluss als Motto und Auftrag: Besucher zu Stammkunden machen – sowohl für das Museum als auch für den Museumsshop!

Text: Dr. Tanja Gurke
Fotos: Niki Lackner, LMJ; Stefan Traxler

Literatur
COMPANIA MEDIA (Hg.), Der Museumsshop. Positionen – Strategien – Sortimente. Ein Praxisführer (Transcript Verlag 1999)
Hartmut JOHN (Hg.), Shops und kommerzielle Warenangebote. Publikumsorientierte Instrumente zur Steigerung der Museumsattraktivität (Transcript Verlag 2000)
Harald SILBITZER, Erfolgreiche Verkaufspräsentation. 20 Fragen, 20 Antworten für den Verkauf (Signum Wirtschaftsverlag 2004)
WA(H)RE KUNST. Der Museumsshop als Wunderkammer. Theoretische Objekte, Fakes und Souvenirs, Ausstellungskatalog Offenes Kulturhaus (Linz 1996)


Kunsthaus Graz (Foto: Stefan Traxler) "Kunstgenuss" Schokolade mit KH-Logo

   
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