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| neues museum - 2003/2 & 3 Thema: Moderne und zeitgenössische Kunst |
| "Das Museum gehört allen und keinem - wir müssen das politisch immer wieder verdeutlichen." Impulsreferat: Kaspar König Seit November 2000 bin ich Direktor des Museums Ludwig in Köln. Ich muss dazu sagen, dass ich mich nicht beworben habe und mich auch nicht beworben hätte. Ich bin letztlich "branchenfremd", kein promovierter Kunsthistoriker und habe diverse Sachen gemacht, aber mich vor allem seit erschreckend langer Zeit immer mit dem beschäftigt, was Künstler tun und was Kunst sein könnte. Mein Interesse an Bibliotheken, an Institutionen, an Museen ist das eines inspirierten Dilettanten oder Amateurs. Das geht also weit über das normale Interesse hinaus. Meine Grenzen an Neugier, Museen betreffend, ist unerschöpflich, und das bezieht eben alle Museen ein, ob Jagdmuseum, Bergkristallmuseen, Bildermuseen oder was auch immer. Mich interessiert das sehr und ich habe mich diesbezüglich in verschiedensten Funktionen eingebracht als Ausstellungsinitiator, -organisator, -manager. Ich habe auch einen Verlag gemacht zu Quellenmaterialien zeitgenössischer Kunst, das bezog sich auf Film, auf Tanz und auf andere Aspekte: Alles war eigentlich immer in Beziehung zum Permanenten, dem Überprüfbaren und dann dem "Flüssigen", also immer in einer dialektischen Beziehung. Das Museum als "Zeitschöpfungsmaschine" Grundsätzlich halte ich jede Beziehung mit Kunst immer für eine gegenwärtige und eine Standortbestimmung und letztlich eine sehr politische Aktivität, wenn auch nicht ideologisch gemeint, aber so doch eine, die, sagen wir, der Aufklärung verpflichtet ist. Auf die österreichischen Museen die ich nicht besonders gut kenne kann ich mich relativ wenig beziehen, aber es ist nicht uninteressant, dass meine Beziehung zu Österreich nie über den institutionellen Betrieb lief, sondern dass ich immer mehr als externe Fachperson eingebracht wurde. Ganz entscheidend war für mich die sehr gut vorbereitete Generali Foundation, in deren Beirat ich mehrere Jahre war. Vielleicht ist es bezeichnend, dass der Kontakt zu Österreich nicht so sehr über die institutionelle Schiene lief, sondern eigentlich mehr über eine Struktur, die sehr viel flexibler war und vielleicht auch unternehmerischer an die Sache ranging. Ein Diskussionspunkt des Symposiums ist "private Kunstsammler versus öffentliche Hand". Da stellt sich die Situation in der Bundesrepublik Deutschland vollkommen anders dar als hier im österreichischen Kunstbetrieb. Eine der Positionen, die ich vehement vertreten habe, als ich nach Köln gekommen bin, ist, dass das Museum Ludwig kein Ludwig-Museum ist. Es ist ein städtisches Museum; es wird bezahlt von den Steuerzahlern der Kommune. Inzwischen ist die Stadt jedoch pleite. Damit muss man umgehen. Die Unterfinanzierung war schon immer gegeben, besonders wenn es um den alltäglichen Betrieb ging. Wir müssen uns nach außen hin darstellen und plausibel machen, dass wir ein öffentlicher Ort für minoritäre Interessen sind, und dass wir offensiv unsere Institution als Institution vertreten und sagen, warum wir keine Bittsteller sind und Wegelagerer, die der Kommune in die Tasche greifen, sondern dass wir eine wichtige Funktion erfüllen. Da ist eine dieser zentralen Thesen: Das Museum - sehr salopp gesprochen - gehört allen und keinem und wir müssen das politisch immer wieder verdeutlichen! Ein wichtiger Aspekt für mich war dabei erst einmal auf einen alternativen Raum zu verzichten, die sogenannte Halle Kalk auf der anderen Seite des Rheins in einem Industriegebiet, wo in erster Linie Gastarbeiter wohnen, die wirklich andere Probleme haben als die der zeitgenössischen Kunst. Mann muss immer wieder die Frage zu stellen, welche Funktion wenn es überhaupt eine Funktion hat hat ein öffentliches Institut. Das würde ich bei einem Museum sehr stark symbolisch verankern als eine "Zeitschöpfungsmaschine", wo bestimmte Haltungen überprüfbar sind. ![]() Museum Ludwig am Dom/Hbf. Sammlungen Positionen Profile Das Museum Ludwig hat mit der Sammlung Haubrich eine sehr bedeutende Privatsammlung, die auch zeitgeschichtlich ungeheuer bedeutsam ist, weil der Rechtsanwalt Haubrich, eine sehr elegante, aristokratische, mondäne Figur, hat es verstanden, noch während der Nazizeit weiterhin den Künstlern treu zu bleiben. Er hat illegal weitergesammelt und hat 1948, direkt nach dem Zusammenbruch, seine Sammlung in der zerstörten Universität gezeigt und somit hatte sich das Rheinland und Köln plötzlich in gewisser Weise über die bildende Kunst positioniert. Als ich an das Museum kam das ist diese Riesenkiste neben dem Hauptbahnhof und dem Dom war das Wallraff-Richartz-Museum, also die "Mutter", schon ausgezogen, weil dieser Unternehmer Ludwig darauf bestanden hat a), dass ein Museum ganz und gar dem 20. Jahrhundert gewidmet werden sollte und b), dass es seinen Namen tragen müsse. Alles, was er versprochen hat, hat er auch real gehalten, das muss man dazusagen. Dann ist die "Mutter" ausgezogen und die "Tochter" hat sozusagen dieses Riesengebäude geerbt. Die bedeutendste Sammlung des Wallraff-Richartz-Museums ist die Sammlung des 14. Jahrhunderts der Kölner Malerschule, für die ist ein bestimmtes Stockwerk eingerichtet gewesen ist, mit bestimmten Böden und architektonischen Gegebenheiten, die quasi an Kirchen erinnern. Dort haben wir die Sammlung Haubrich positioniert, und zwar in seiner Qualität wie auch in seiner Quantität. Das hat relativ viel Ärger gebracht, auch innerhalb der lokalen Presse es hieß "schöne Bilder im Zickzackkurs". Wir wollten aber nicht nur die Highlights zeigen, sondern auch die Breite dieser Sammlung. Mir war dabei sehr wichtig, auf die 20er Jahre einzugehen, die in Köln ganz eigenständige künstlerische Positionen hervorgebracht haben, von denen August Sander sicher der bekannteste ist. Aber auch Künstler wie Heinrich Hoerle, Franz Wilhelm Seiwert, Otto Dix und andere sollten im Kontext dieser expressionistischen neusachlichen Sammlung präsentiert werden. Die Diskussion, die damit in Gang kam war, warum das Museum Ludwig und nicht Museum Haubrich-Ludwig heißt. Ich habe argumentiert, dass das Museum Ludwig eben Museum Ludwig, weil es ein eingeführter Markenname ist und es keinen Grund dafür gibt, das zu ändern. Zugleich muss man aber auch feststellen, dass dieses Haus von Anfang an ein "schlechtes Karma" hatte, um es ein bisschen kitschig zu sagen. Mir scheint es ungeheuer wichtig, dass die Institutionen ihre eigene Geschichte kritisch reflektieren und transportieren, und dass man eben auch zu bestimmten Dingen steht, wie sie sind. Warum sind sie so, wie sie sind und warum sind bestimmte Aspekte nicht in diesen Sammlungen anzutreffen? Das Museum Ludwig ist eigentlich durch die Pop Art international bekannt geworden. Es war ein Faszinosum. Als es eröffnete, gab es über eine Million Besucher im Jahr. Das hielt zwei, drei Jahre an und mutierte dann aber ein wenig zu einem Kaufhaus, wo die Ware immer nur additiv dazugebracht wurde und kein Warenaustausch passierte. Insofern war es notwendig zu versuchen, die Batterie neu aufzuladen. Eine diesbezügliche Idee nicht sehr originell, zumal schon mehrfach unter verschiedenen Bedingungen gemacht war, die Ausstellung "Das Museum unserer Wünsche" unser im Sinne von den Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahren dem Haus verbunden sind, aber besonders auch im Sinne der Besucherinnen und Besucher. Das waren Werke, die wir uns geliehen haben, aber nur solche, die wir auch erwerben konnten, wo klar sein würde, wie teuer und unter welchen Bedingungen (mit klaren Verträgen für zwei Jahre), die sich immer dialektisch zu der existierenden Sammlung positionierten. Um das mit einer gewissen spielerischen Unschuld deutlich zu machen, war es so, dass die Schildchen der Kunstwerke der Sammlung konventionell weiße Schildchen waren, die Wünsche hatten silberne Schildchen und wenn der Wunsch in Erfüllung ging, transformierte das silberne zu einem goldenen Schildchen. Interessanterweise sind zwei Drittel unserer Wünsche real in Erfüllung gegangen. Vom finanziellen Aspekt her gesehen sind allerdings zwei Drittel nicht in Erfüllung gegangen. Das heißt, die preisgünstigen Werke, z.B. grafische Werke, Plakate und einzelne aktuelle Kunstwerke, sind mit Hilfe von Bürgern und von Stiftungen erworben worden, was museologisch und auch argumentativ wichtig war. Es gab dabei auch ganz bewusste Diskussionen mit Kolleginnen und Kollegen der benachbarten Museen. Wir waren und sind bemüht, unser spezifisches Profil herauszuarbeiten, wie auch einige Museen im Umfeld ihr eigenes Profil aufweisen. Eine wichtige Behauptung, bei der mir "altgediente" Kollegen, wirkliche Museumsleute, prophezeit haben, damit zu scheitern, aber bisher ist es gut gegangen. Ich habe immer ganz deutlich gemacht, dass wir grundsätzlich keine Leihgaben in der permanenten Sammlung haben wollen, es sei denn, es gibt definitive (auch finanziell sinnvolle) Verträge, diese Werke erwerben zu können. Natürlich leihen wir uns Werke zur Ausstellung, aber in der permanenten Sammlung haben wir grundsätzlich keine Leihgaben mehr und haben eine ganze Anzahl von Leihgaben zurückgegeben. Da musste ich bitter erfahren, dass die Verträge sehr zu Ungunsten des Museums gemacht waren und plötzlich ein Riesenbild von Kiefer abtransportiert wurde und wir hatten eine Rechnung von 12.000 Euro und wussten nicht, wie diese Rechnung zu bezahlen war. "Du hast keine Chance, also nutze sie." Damit komme ich zu einem anderen Punkt, der sehr schwierig ist: dass wir in einer Verwaltungsstruktur stecken, die quasi für eine kommunale Verwaltung gemacht ist und dass Vergaberichtlinien und andere Dinge eben nicht der Bedingung eines Museums unterliegen, sondern ganz allgemeinen Bedingungen. Ich hoffe, dass wir allmählich aus dieser Zwangssituation des Beamtenrechts herauskommen, ohne aber und das ist das Entscheidende hin zu einer Privatisierung schreiten. Es wäre eine große Falle, zu glauben, man könne ein Museum betreiben wie ein Geschäft, weil man natürlich nie wirklich einen Profit erwirtschaften kann. Ich glaube, es ist notwendig, dass wir geradezu insistieren, und zwar mit intelligenten Argumenten, und auch entsprechende Beweise bringen, warum das eine grundsätzliche Aufgabe für eine Kommune oder für ein Land oder eine Republik ist, eine bestimmte Basisgarantie zu geben für kulturelle Aufgaben. Ein Museum oder eine Bibliothek ist eben als solches unbedingt etwas, was in dieser Richtung auch politisch funktionieren sollte. Insofern kann man diese Modelle nicht wirklich als Modelle propagieren. Es ist von Fall zu Fall anders. Entscheidend scheint mir zu sein, dass die Identität und die gegebene Struktur erst einmal analysiert wird und dass man damit offensiv umgeht, dass man auch bestimmte Schwächen thematisiert und diese Schwerpunkte verdeutlicht. Eine Forderung, die ich an die Stadt hatte ich war, wie bereits gesagt, in der komfortablen Situation mich nicht zu bewerben, sondern gefragt zu werden war, dass ich auf drei Volontärstellen bestehe. Das war früher üblich und ist leider in den letzten zehn Jahren nicht mehr oft der Fall gewesen: Leute, die von der Uni kommen, die promoviert haben oder auch nicht und beweisen müssen, dass sie praktische Erfahrung im Museumsbetrieb hatten. Das war mit dem Argument, dass es für die Ausbildung absolut essentiell sei, politisch durchsetzbar. Eine weitere Forderung war ein Prinzip der Wissenschaftsförderung, wie sie in Amerika üblich ist. Ein Drittel des Geldes bekommen wir durch die Ludwig-Stiftung für Ankäufe. Ein Drittel besorge ich über andere Stiftungen und privat, also Drittmittel, und der Kämmerer der Stadt Köln muss ein weiteres Drittel drauflegen, sodass wir jetzt einen Ankaufsetat von 1,5 Millionen Euro haben, wenn es denn gelingt, diese drei Teile zusammenzubekommen. Der Kämmerer ist sehr daran interessiert, dass es nicht gelingt, und das ist wiederum ein Ansporn, dass es gelingt. Das heißt, wir haben in den letzten zwei Jahren für etwa 10 Millionen Euro Ankäufe gemacht, die über die nächsten zwölf Jahre dann finanziert werden, mit Gegenzeichnung des Kämmerers. Insofern schaffen wir quasi Realitäten und Zukunft und können argumentieren, dass die Stadt einen Kunstbesitz bekommt, der zwei Drittel mehr bringt als das, was die Stadt selbst investiert. Also alles ist ein wenig so im Sinne dieses 68er Kalauer: "Du hast keine Chance, also nutze sie."Es gibt aber eine ganz besondere Konstellation, in der wir jetzt stecken, weil dieses Museum in einer ziemlich eklatanten Weise runtergekommen war. Viele der Direktoren die noch dazu alle zwei, drei Jahre wechselten und viele der Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahren hier arbeiteten, waren demotiviert. Es geht aber vor allem darum, die Motivation nach innen sowie auch nach außen zu verdeutlichen. Einiges gelingt und anderes gelingt weniger, und wenn es nicht gelingt, ist es kein Grund, das zu vertuschen, sondern das auch letztendlich zu thematisieren. ![]() Kaspar König Wir hatten einige inhaltliche Ausstellungen, die sehr positiv kritisch aufgenommen wurden. Diese wurden von vielen Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahren an dem Hause arbeiten mehr oder weniger vornehm ignoriert. Sie haben es überhaupt nicht begleitet. Aber das Publikum hat natürlich jetzt eine andere Erwartung an das Museum und das wiederum hat wiederum einen Effekt auf die Kolleginnen und Kollegen, die das erst einmal mehr oder weniger als modische, mondäne, zeitgenössische Phase abgetan haben. Über die Wahrnehmung des Publikums und die Erwartung an das Museum bekommt das jedoch eine andere Qualität. Private Sammlung versus öffentliche Hand Zur Frage "private Sammlung versus öffentliche Hand" habe ich eine ganz dezidierte Position. Es gibt natürlich eine ganze Anzahl von Privatsammlungen wie die Sammlung Speck, die auch schon in Österreich gezeigt wurde, oder die Sammlung Schürmann oder die großartige Sammlung Herbert in Gent, die ein ungeheuer klares Profil haben und die oftmals sehr viel dezidierter an etwas herangehen können als das Institutionen tun können. Dennoch bin ich relativ vorsichtig und glaube, dass es wenig sinnvoll ist, Privatsammlungen in Museen zu integrieren. Die Sammlung Hahn im Museum Moderner Kunst in Wien zum Beispiel fehlt dem Museum Ludwig extrem. Ludwig hat sich dafür stark gemacht, dass die Sammlung Hahn nicht in Köln verblieb, sondern nach Wien ging, weil er hat sozusagen alles gekauft, was gut und teuer war, und ganz salopp gesprochen was er als "experimentellen Dreck" empfand, ging nach Wien. Genau dieses Ferment ist etwas, was wir jetzt versuchen, museal doch wieder herzustellen, also "Fluxus", "No Realism" und andere Formen jetzt sukzessiv einzubringen, die in der Sammlung Ludwig und im Museum Ludwig nicht vertreten sind. "Regionalisierung versus Internationalisierung" stellt sich natürlich in Deutschland vollkommen anders dar. Eine Stadt wie Köln etwa hat mit ganz anderen Phänomenen zu arbeiten. Vor 20 Jahren hat es eine Situation gegeben, wo man über den Kunstbetrieb das Kosmopolitische quasi simulierte und plötzlich eine große, alte Provinzstadt wie Köln etwas Begehrliches hatte. Die Westkunst-Ausstellung war sicher nicht ganz unwichtig an der Situation beteiligt, aber der Ursprung dieser Ausstellung war ein dezidiert politischer, weil der damalige Kulturdezernent Kurt Hackenberg - es ist mir jetzt wichtig, das auch einmal klarzumachen zeigte, was das Rheinland zu bieten hat. Die Wittelsbacher-Ausstellung in München, die Preußen-Ausstellung in Berlin, die Staufer in Stuttgart, das waren immer Ausstellungen, die sofort 10, 12, 18, 20 Millionen Mark kosteten. Und was hat das Rheinland zu bieten? Wir haben lediglich in den 20er Jahren des 20. Jhs., in der Weimarer Zeit, eine Situation gehabt, wo wir friedliebend waren und wo wir versucht haben, uns aus dem Schatten der Preußen zu befreien. So ist es zu dieser Ausstellung "Westkunst" gekommen und dieser sehr provokante Titel, der uns zum Teil angekreidet wurde, als würden wir den kalten Krieg propagieren, der kam von meinem Kopiloten Laszlo Glozer, dem intellektuellen Rückgrat der Ausstellung, damals Kritiker der Süddeutschen Zeitung und ein Musiker, der aus Ungarn nach Deutschland gekommen war und dort studierte und zu Kunstgeschichtsvorlesungen ging, um Deutsch zu lernen. Er wollte nicht sozusagen Berufsemigrant werden und hat sich auch nicht von diesen "kaltkriegerischen Auseinandersetzungen", vereinnahmen lassen. Der provokante Titel kam daher, weil er eben sagte, dass 1939 die Zäsur gewesen ist, für das, was man Ost und West nennt und was jetzt gerade dabei ist, möglicherweise wieder überwunden zu werden. Genau diese Aspekte sind eigentlich die, die mich auch interessieren, gerade bei einer musealen Arbeit. Deswegen bin ich sehr glücklich, jetzt auf eine gewisse Zeit Verantwortung für ein Museum übernehmen zu können und ich bin sehr bemüht, eine sehr kollegiale Situation einzuführen, die ich von der Hochschule gewohnt bin. Wir haben einmal in der Woche ein Jour fixe, in dem es nicht nur um technische Dinge geht, sondern auch um inhaltliche. Und manchmal wird dieses Jour fixe künstlich von mir verlängert, wo dann Pizza und Bier bestellt und auch Peinlichkeiten ausgesessen werden. Da kommt es auch einmal vor, dass man sich wirklich in die Haare bekommt und es zu einer Diskussion kommt, die bis an die Schmerzgrenze geht, weil ich glaube, dass es auch wichtig ist herauszufinden, für was jemand einsteht und wie vielfältig die wissenschaftliche Arbeit ist. Ich bestehe auch darauf, wenn irgendwie möglich, jeden Tag ins Museum zu gehen, ins Depot zu gehen, mit den Handwerkern zu reden und einen Versuch herzustellen, warum und weshalb sucht jemand ein Museum auf, und letztlich den Politikern immer wieder klarzumachen, dass es unsinnig ist zu zählen, wie viele Besucher kommen. Wir sind natürlich alle grundsätzlich interessiert, so viele Besucher wie möglich zu haben, aber unter welchen Bedingungen - populär ja, populistisch auf keinen Fall, weil dann werden wir uns selbst "obsolet" machen. "Kunstmuseen in Richtung Kunst von morgen" ist ein weiterer Diskussionspunkt dieser Tagung. Das ist eine Frage, die kann ich weniger verstehen, weil ich die Arbeit immer sehr stark aus diesem Spannungsverhältnis von gestern und morgen also sprich heute sehe. Die Kompetenzverteilung ist ein wichtiger Prozess. Hier könnte ich mich einbringen, auch ein bisschen frivol und unverschämt sozusagen als Nachbar, der über den Zaun schielt. ![]() Das Museum Ludwig von Westen Ich muss gestehen, ich war vor einigen Wochen in der Albertina und war wirklich wie vor den Kopf geschlagen. Ich denke, das kann nicht wahr sein, dass die bedeutendste, älteste Sammlung der Welt sich plötzlich in einer ganz anderen Art und Weise darstellt. Ich kam mir ein bisschen vor wie in einem mondänen, schlecht geführten und überteuerten Hotel mit Schauräumen auch für Kunst. Ich konnte auch gar nicht nachvollziehen, welche Notwendigkeit bestand, eine Munch-Ausstellung in einer graphischen Sammlung wie der Albertina zu machen. Ich glaube, dass das bestimmt ein Thema ist, was für Sie intern von größter Bedeutung ist. Wer macht was und welche Kommunikation gibt es kollegial untereinander? Wie kann man Bezug auf die Profilierung und Positionierung der einzelnen Häuser nehmen, und wie kann man sich gegenseitig unterstützen. Das halte ich für besonders wichtig. Natürlich gibt es bestimmte Situationen ich kenne das auch aus Köln , sobald ein Vakuum entsteht, wird das natürlich von anderen genutzt. Dadurch entstehen Verschiebungen, und Konkurrenz hebt bekanntlich das Geschäft. Dennoch ist es wichtig, darüber ziemlich offen und so weit wie möglich unpolemisch zu diskutieren. Aber die Idee von Reproduktionskunst oder von reproduzierbarer Kunst von Kunst ist natürlich ein gewaltiges Thema. Das Radio erscheint mir viel brauchbarer in der Transportierung von ästhetischen Fragen, als es das Fernsehen ist. Es ist zumindest habe ich das immer so empfunden ein extrem produktiver Partner für eine Kunstdiskussion. Da muss ich sozusagen noch einen Kranz flechten für einen Österreicher, der mir enorm wichtig war und unbequem als Kollege, nämlich Peter Kubelka, lange Zeit Rektor an der Frankfurter Städelschule, ich war sein Nachfolger. Er hat immer darauf bestanden, dass sozusagen Kulturtechniken hochgehalten wurden, vom Holzschnitt bis zur Lithographie, vom Buchdruck bis hin zu seinen filmischen Techniken. Er hat auch immer wieder mit der Ökonomie der Mittel argumentiert, dass es manchmal wesentlicher sei zu lernen, wie man ein Butterbrot schmiert als mit millionenteuren Computern elektronischen Kitsch zu produzieren. Diese grundsätzliche Frage, die mir enorm wichtig scheint, um anthropologisch, intellektuell, reflektiv Zukunft zu ermöglichen und auf den Punkt zu bringen. Werner Büttner hat kürzlich in einer Diskussion sehr spontan gesagt, dass die moderne Welt schwierig ist, moderne Kunst hingegen einfach. Ich glaube, da hat er etwas gesagt, was wir nutzen können - als vermittelnde Tätigkeit für Menschen, die einfach ein erfülltes Leben führen wollen. Perspektiven Dann gibt es den letzten Punkt, die Perspektiven, das Fazit. Dazu gibt es eine Entwurfsskizze von Rainer Fuchs. Er schreibt: Den einzelnen Direktoren Willkür vorzuwerfen, würde dennoch nicht weit führen. Wenn man die Kompetenzen klar und sinnvoll regeln will, muss man zuvor eine Strukturdebatte führen, die auf die Entwicklung seit der Gründungsphase dieser Museen eingeht. Das Grundproblem liegt darin, dass sich die ursprünglichen Funktionen dieser Institutionen und die Möglichkeit, ihnen ganz konkrete Aufgaben bezüglich Kunstgattungen, Medien bzw. lokale Szenen und Kunst zuordnen zu können, überlebt haben. Die Institutionen daher an ihre ursprünglichen Funktionen zu mahnen, müsste mit einer Diskussion über die Veränderung dieser Ursprungsintentionen gekoppelt werden, denn sonst würde man die inzwischen eingetretenen Entwicklungen im Kunstbereich einfach ignorieren und negieren. Es nützt wenig, ein altes Strukturgerüst zu retten und sich dafür der Realität gegenüber blind zu stellen, sondern es müssten umgekehrt Überlegungen angestellt werden, wie die Struktur, Kompetenzverteilung und Gliederung der Institutionen verändert werden kann, um der veränderten Kunstrealität gerecht werden zu können. Dies würde zweifellos tiefere Einschnitte mit sich bringen als das Ermahnen bzw. Austauschen von Direktoren, die sich brav an überholte Richtlinien zu halten hätten. Prof. Kaspar König, Direktor des Museums Ludwig in Köln www.museenkoeln.de
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