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Geister, Gold, Schamanen. Goldschätze aus Kolumbien |
| bis 26. August 2007 Schlossmuseum Linz Die Oberösterreichischen Landesmuseen zeigen in Zusammenarbeit mit dem Museo del Oro del Banco de la República, Bogotá erstmals in Europa eine einzigartige Schau prähispanischer Goldarbeiten. Die Ausstellung würdigt in besonderer Weise die Pionierarbeit des aus Oberösterreich stammenden Forschers Gerardo Reichel-Dolmatoff, der durch seine mehrjährige Forschungstätigkeit einen zentralen Beitrag zur Dokumentation und Erforschung des Weltbildes der indigenen Kulturen leistete. Von 500 v. Chr. bis zur Zeit der Eroberung durch die Spanier 1500 n. Chr. erlebte die Goldschmiedekunst auf dem Gebiet des heutigen Kolumbien eine Blütezeit. Die Goldschmiede der indigenen Kulturen waren wahre Meister in der Bearbeitung von Gold und tumbaga - einer Gold-Kupfer-Legierung und übertrafen mit ihrer Kunstfertigkeit die Goldschmiede der Alten Welt. Zu den bevorzugten Techniken zählte neben dem Hämmern des Metalls zur Herstellung flacher Stücke auch der Guss in der verlorenen Form. Der Name leitet sich davon ab, dass die Form aus Ton nur ein einziges Mal verwendet werden kann. Die Exponate der Ausstellung, unter denen sich einige der außergewöhnlichsten Stücke des Museo del Oro befinden, beeindrucken nicht nur durch die einzigartige technische Qualität und ihre Ästhetik, sondern geben auch ein reiches Zeugnis von der Kreativität und der komplexen Weltanschauung ihrer Hersteller, die den Darstellungen zugrunde liegt. Für die indigenen Kulturen des prähispanischen Kolumbien bekam Gold erst durch die Verwandlung in religiöse Symbole Bedeutung. Das Tragen von Goldschmuck war der politischen und spirituellen Elite vorbehalten. Der Schmuck stellte eine Art zweite Haut dar, die die Identität und gesellschaftliche Position definierte oder veränderte. Das einfache Volk verwendete Gold in Form von Opfergaben, die in Tempeln und an anderen heiligen Orten wurden. Ein grundlegender Gedanke des indianischen Weltbildes befasst sich mit der Vorstellung der Transformation. Der gesamte Kosmos stellt ein lebendiges Ganzes dar, auf dem Menschen, Tiere und Pflanzen auf verschiedenen Ebenen ihre Existenz ausleben. Sie sind alle Teil einer großen Gesellschaft, in der für alle Wesen die gleichen Verhaltensregeln gelten. Alle teilen bestimmte grundlegende Eigenschaften und eine einzigartige Form des Geistes miteinander. Das erlaubt ihnen, sich von einer Form des Daseins in eine andere zu verwandeln und dadurch ihre Identität und Perspektive zu ändern. Schamanen sind religiöse Spezialisten, die über die soziale Ordnung wachen. Sie besitzen die Fähigkeit, sich allein aufgrund ihres Geistes in andere Wesen zu verwandeln: Jaguare, Vögel, Schlangen, Fledermäuse und andere Tiere. Dabei nehmen sie gleichzeitig die typischen Eigenschaften der jeweiligen Tierart an, wie zum Beispiel die Kraft und Stärke des Jaguars oder die auf den Kopf gedrehte Sicht der Fledermaus. Psychoaktive Pflanzen wie Koka, Yopo und Yajé - besser bekannt unter dem Namen Ayahuasca-Liane - spielen eine wichtige Rolle bei der Transformation. Das Bild des Vogels, das in fast allen Gold verarbeitenden Kulturen des historischen Kolumbien vorkommt, symbolisiert den verwandelten Schamanen, der in Trance in andere Welten des Kosmos "fliegt" und dort mit den Geistern und Ahnen kommuniziert oder mit dem Herrn der Tiere verhandelt. Häufige Motive der prähispanischen Goldschmiedekunst sind auch verschiedene Kombinationen aus Menschen, Tieren und Pflanzen. Diese Darstellungen basieren auf der Vorstellung, dass sich jeder Mensch durch das Tragen von Masken und durch Körperbemalung in andere Wesen transformieren kann. Ritueller Tanz und Gesang bringen die mythische Vergangenheit in die Gegenwart, und die Geister und Ahnen können sich in den Maskierten verkörpern. Auf diese Weise werden Chaos und Konflikte beseitigt und die soziale Ordnung im Universum immer wieder neu erschaffen. Das gebräuchlichste Schmuckstück der prähispanischen Kulturen Kolumbiens stellte der Nasenschmuck dar. Er sollte seinem Träger das Aussehen von bestimmten Tieren verleihen: die sichtbaren Nasenlöcher der Fledermaus oder auch die Schnurrbarthaare von Raubkatzen. Dadurch ähnelte der Träger des Nasenschmucks nicht nur äußerlich diesem Tier sondern eignete sich auch die besonderen Eigenschaften der Tierart an. Wie kein anderer zuvor drang Erasmus Reichel, der sich nach seiner Emigration nach Südamerika Gerardo Reichel-Dolmatoff nannte, in das Denken der Ureinwohner auf dem Gebiet des heutigen Kolumbien ein. Unter dem Titel Orfebrería y Chamanismo (Goldschmiedekunst und Schamanismus) publizierte Reichel-Dolmatoff 1988 die erste interpretative Studie über die Goldschmiedearbeiten aus den Sammlungen des Museo del Oro, Banco de la República in Bogotá und leistete damit auf diesem Gebiet Pionierarbeit. Erasmus Reichel wurde 1912 in Salzburg geboren. Nach Besuch der Gymnasien im Stift Kremsmünster, Linz und Wien studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München und an der Ecole du Louvre und der Faculté des Lettres der Sorbonne in Paris. Reichel wanderte 1939 nach Kolumbien aus. Bereits 1941 nahm er an der ersten ethnologischen Feldstudie teil und gründete zusammen mit seiner Frau Alicia Dussán 1957 an der Universität von Cartagena den ersten Lehrstuhl für Anthropologie in Lateinamerika und 1963 die Abteilung für Anthropologie an der Universidad de los Andes in Bogotá. Sein größtes Anliegen war, die geistigen Leistungen der Indianer einem breiten Publikum vertraut zu machen und die "Würde des kolumbianischen Indios zu retten". OÖ. Landesmuseen Schlossmuseum Linz Tummelplatz 10, 4010 Linz Di-Fr 9-18 Uhr, Sa, So, Fei 10-17 Uhr www.schlossmuseum.at
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