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Sehmaschinen 007.
Künstler im Fokus #2: Alfons Schilling

bis 30. September 2007
MAK Wien

Im Rahmen der Reihe "KÜNSTLER IM FOKUS" präsentiert das MAK nach Arnulf Rainers "Überschriftungen" eine umfassende Ausstellung des 1934 in Basel geborenen Künstlers Alfons Schilling. Der Ankauf des gesamten Werkblocks Sehmaschinen für die Sammlung des MAK im Jahr 2006 ermöglicht es, diesen wichtigen Teil seines OEuvres zu zeigen. Ergänzt durch exemplarische Arbeiten anderer Werkphasen (Leihgaben des Künstlers) bietet die Schau "Sehmaschinen 007" einen Überblick über sein gesamtes Schaffen
.

Alfons Schilling stellt immer wieder den Akt des Sehens in den Mittelpunkt seiner Arbeiten, die vor allem durch ihr sinnlich-künstlerisches Moment überzeugen und den ganzen Körper in die Wahrnehmung der Umwelt mit einbeziehen.
Die Sehmaschinen entstanden über einen großen Zeitraum zwischen 1978 und 1994. Seine in den 1980er Jahren entwickelten großen, tragbaren Sehmaschinen machen deutlich, wie weit Alfons Schilling den Visionen eines virtuellen (Cyber-)Space schon voraus war, und demonstrieren seine künstlerische Ausnahmestellung. Er baute Maschinen oder vielmehr Instrumente aus Holz, Metall, Kunststoff und Glas, verwendete Linsen, um im Spiel mit optischer Verfremdung mit der Wahrnehmung und ihren Grenzen zu experimentieren. Mit revolutionären Arbeiten zur Modulation visueller Informationen setzt er internationale Maßstäbe.
In der Ausstellung sind auch Zeichnungen und Studien zu sehen, die Schilling vor der Entwicklung der Sehmaschinen auf einer mehrmonatigen Afrikareise Ende der 1970er Jahre anfertigte. Fasziniert von den großen, tragbaren rituellen Masken entwickelte Schilling die ersten Ideen zu "Instrumentalen Überwucherungen" und "Körperprothesen", die das Körpergefühl und die Wahrnehmung durch die Einschränkung des Gesichtsfeldes völlig verändern.
Zu den frühesten Entwicklungen Schillings zählen die in den frühen 1960er Jahren entstandenen Drehbilder.
Schilling, der im Wien der ausgehenden 1950er Jahre mit Aktionsmalerei und gestischer Malerei experimentiert, verfolgt konsequent die Entmaterialisierung der Malerei und entwickelt 1961 eine Maschine, die es ihm erlaubt, den zu bemalenden Bildträger zu drehen und dessen Rotationsgeschwindigkeit kontinuierlich zu steigern. Nachdem Schilling mit den rotierenden Bildern an die Grenzen der Malerei stößt, verlässt er Ende 1962 Europa und lässt sich in New York nieder.
Aus Schillings Abkehr von der Malerei - eine bewusste und konsequente Entscheidung, die ihn vorerst in eine mehrjährige schöpferische Pause zwingt - entwickelt sich eine forschende Neugier. Er setzt die mit den Drehbildern begonnene Untersuchung der Sehmöglichkeiten des menschlichen Auges fort und experimentiert mit Linsenrasterfotografie und Holographie. Die Bewegungsabläufe des "Falling Man" (1968) werden durch den von 3D-Kitschpostkarten bekannten Kippeffekt durch die Bewegung des Betrachters aktiviert. Mit demselben System dokumentiert Schilling die Friedensdemonstrationen in Chicago 1968.

Die in weiterer Folge entstehenden Arbeiten setzen sich intensiv mit dem räumlichen Sehen auseinander. Schilling entwickelt 1973 das "Video-Head-Set" zur Simulation einer künstlichen Umwelt. Angeregt durch Treffen mit Béla Julesz, der 1971 computergenerierte Random-Dot-Stereogramme publiziert, übernimmt Schilling für seine Kunst das binokulare Betrachten virtueller Objekte und entwickelt daraus seine ebenfalls in der Ausstellung zu sehenden "Random-Dot Stereobilder". Mit der Realisierung eines riesigen Raum-Stereoskops auf dem Gelände des Helen Hayes Hospitals am Hudson River 1983, New York, zeigt Schilling auch im öffentlichen Raum, dass er mit künstlerischen Mitteln die dreidimensionale Wahrnehmung und den tradierten Bildbegriff optischer Künste konsequent und nachhaltig verändert hat.

Künstler im Fokus #2
Alfons Schilling
bis 30. September 2007

MAK-Schausammlung
Gegenwartskunst
Stubenring 5, A-1010 Wien
Di 10-24 Uhr, Mi-So 10-18 Uhr
www.MAK.at

MAK-Ausstellungsansicht © Wolfgang Woessner/MAK
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