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This is not for you. Diskurse der Skulptur

bis 30. März 2007
Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Wien


Skulptur, Objekt und skulpturale Installation werden im Rahmen dieser Ausstellung als autonome Formen der zeitgenössischen künstlerischen Praxis ausdifferenziert. Skulptur im Kontext gegenwärtiger Ästhetik ist ein radikal expansiver Begriff, der die komplexe Verschränktheit von Objekt, Bild, Text, Rezeption und Kontext sowie die Notwendigkeit einer begrifflichen und theoretischen Verortung von aktuellen Praktiken voraussetzt.


In diesem Zusammenhang versteht sich Skulptur als Modell für die ästhetische Produktion der Wirklichkeit beispielsweise in ihrem Übergang zu Architektur und Design aber auch als Modell zur Untersuchung und Befragung ästhetischer Produktion an sich.
Mit Referenz auf kritische Raum- und Objektexperimente, welche die Institutionen der Kunst revolutionierten und sprengten, und auf die wiederum in der Institution angesiedelten Ansätze der Kontextkunst und Institutionskritik der 1980er und 1990er Jahre zeigen die in der Ausstellung vertretenen Arbeiten ein weites Feld konzeptueller Praktiken.
Die Auseinandersetzung mit der Skulptur als Gesamtkörper, die in ihrer Dreidimensionalität Raum, Zeit, institutionellen und sozialen Kontext analysiert und verhandelt, dient dabei als Ausgangspunkt.
Die Ausstellung, die ausgewählte Arbeiten aus der T-B A21 Sammlung erstmals der Öffentlichkeit zeigt, präsentiert keine bestimmte Ästhetik. Vielmehr ist es die Vielfalt der skulpturalen Möglichkeiten, die unter dem Aspekt des erweiterten Handlungs- und Denkraumes beleuchtet werden und die Skulptur, trotz ihrer Gegenständlichkeit, primär als diskursiven Akt innerhalb eines sozialen, politischen, ökonomischen und ästhetischen Feldes begreift.

Eine Auswahl der Arbeiten in der Ausstellung
Die Möbel/Objekte von Heimo Zobernig befinden sich im experimentellen Spannungsfeld zwischen Ausstellungssituationen und Gebrauchsobjekten; der Gebrauch im Kunstraum definiert das Kunstwerk als solches.
Jorge Pardo führt funktionale Designobjekte in den Kontext der zeitgenössischen Kunst ein, wobei auf Gewohnheiten, Bedürfnisse und Notwendigkeiten seines Umfeldes Bezug genommen wird, mit dem Resultat, dass seine Arbeiten nicht mehr als Kunstwerke in Erscheinung treten und dennoch in sich selbst als solche existieren.
Isa Genzken schafft mit "empire vampire III" eine bizarre Szenerie, die dem Betrachter auf einem Sockel in Augenhöhe präsentiert wird, an der vor allem die kühle Genauigkeit irritiert, mit der trotz aller Gegenständlichkeit nichts erzählt wird. Die Ästhetik des Alltäglichen bestimmt nicht nur die Wahl und Kombination primär nicht-künstlerischer Materialien wie Kunststoffe, Spiegel, Regenschirme, Plastikpuppen und -tiere, sondern auch die anti-monumentalistische Form der Verarbeitung.
Sexuelle Konnotationen sowie gestische und semantische Anspielungen kennzeichnen die Objekte von Sarah Lucas, Eva Rothschild und Rachel Selekman. Lucas' schlaffe Bunny-Figur, die hauptsächlich aus Unterkörper und Beinen besteht und lediglich mit einem Paar grüner Nylonstrümpfe bekleidet ist, hinterfragt stereotype Darstellungen von weiblicher Sexualität.
Die Erforschung von Material und Form in Verbindung mit Ideen von Fruchtbarkeit und Sexualität kennzeichnen die skulpturale Sprache von Selekman: Für "Golden Jewelled Spray" verwendet sie einen Gießkannenkopf, dessen Funktion Wachstum und Erzeugung assoziiert, eine Bedeutung, die durch das phallische Motiv noch erweitert wird.
Rothschild schafft konzeptuelle Kunst mit Objekten, die ihrerseits bereits mit Konzepten und Konnotationen beladen sind – eine Kunst, die Wahrnehmung und die Art der Wahrnehmung gleichermaßen in Frage stellen. Der Titel "Good Relations" rückt die Skulptur, die aus lose herabfallenden schwarzen Lederbändern besteht, in einen gänzlich anderen Kontext.
Jim Lambie bedient sich der Mittel der Entfremdung und Aneignung. Mittels farbiger Bodenarbeiten ordnet er den Galerieraum dem Zweck der Präsentation unter, passt ihn der Verhandlungspraxis seiner Skulpturen an und negiert dabei seine Funktion als identitätsbegründender Raumkörper.
In ihrer Leuchtskulptur "Not for you" verweist Monica Bonvicini auf Prozesse des Ausschlusses und der Segregation mittels Sprache sowie auf sprachlich geregelte Machtstrukturen, welche territoriale Zugänge und Aufenthaltsrechte regulieren.
Ein silberner, 8qm großer Teppich aus Paillettenstoff mit dem Titel "Lenin 8qm" demarkiert jenen Lebensraum, den Wladimir Iljitsch Lenin jedem Sowjetbürger als Wohnfläche zuerkannte. Olaf Nicolais Arbeit figuriert jene Ambivalenz zwischen materialistischen, gesellschaftsutopischen, realpolitischen und konsumistischen Definitionen, die dem Begriff des Lebensraumes innewohnen.
Do-Ho Suhs "Small Gate" greift das Thema der architektonischen Repräsentation erneut auf, wobei er diese mittels transparenter Textilgebilde in eine traumähnliche Realität versetzt, die versucht, Erinnerung in den Raum der Gegenwart einzufügen.

Die gezeigten Objekte und skulpturalen Installationen aus der Sammlung stammen von:
AI WeiWei, Davide BALULA, Fiona BANNER, Monica BONVICINI, CHEN Qiulin, Ingar DRAGSET & Michael ELMGREEN, Isa GENZKEN, Jeppe HEIN, Jim LAMBIE, Sarah LUCAS, Jan MANCUSKA, Olaf NICOLAI, Jorge PARDO, Gerwald ROCKENSCHAUB, Eva ROTHSCHILD, Rachel SELEKMAN, Andreas SIEKMANN, Do-Ho SUH und Heimo ZOBERNIG.

This is not for you.
Diskurse der Skulptur
bis 31. März 2006

T-B A21
Thyssen-Bornemisza Art Contemporary
Himmelpfortgasse 13
A-1010 Wien
Di-Sa 12-18 Uhr
T +43/ 1/ 513 98 56
www.TBA21.org


Sarah Lucas (*1962, London, GB), Bunny Gets Snookered # 3 (1997), T-B A21 Collection © Sadie Coles JQ, London
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