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Eine Stadterregung. Wiens erstes Hochhaus

Wien Museum in der Stadt
Herrengasse 6-8, 1010 Wien
bis Frühjahr 2007

Auf Einladung der Eigentümer bespielt das Wien Museum ab sofort die 22 Quadratmeter große Vitrine beim Eingang des Hauses Herrengasse 6-8, dem ersten Hochhaus in Wien. Erstmals "geht das Wien Museum in die Stadt" und bietet Kulturgeschichte direkt vor Ort – und mit Gegenwartsbezug, wie die aktuellen Hochhausdebatten zeigen.
Der Clou: Die Dokumentation macht das Hochhaus erst "sichtbar", denn vom Straßenniveau aus ist die Dimension des Gebäudes aufgrund der Abtreppung des Wohnturmes nicht zu erkennen.

"Grassierende Wolkenkratzerepidemie in Wien!"
Als man Anfang der 1930er Jahre daran ging, Wiens erstes Hochhaus in der Herrengasse zu planen, gingen die Wogen der Empörung hoch: "Ich fordere alle Patrioten, die noch ein Herz für die Schönheit unserer Stadt haben, zum schärfsten Protest auf. Der Wolkenkratzer in der Herrengasse darf nicht gebaut werden!", meinte etwa der Architekt Albert Linschütz in der "Wiener Zeitung". Unterstützung erhielt er dabei auch von Josef Frank, der befürchtete, dass „das Profil der Herrengasse völlig zerfetzt“ werden würde. Auf dem Gelände des ehemaligen Palais der Familie Liechtenstein wurde schließlich ein Gebäude errichtet, das zumindest die Zustimmung des Denkmalamtes hatte: Von unten war es wegen der „Abtreppung“ des hohen Wohnturmes optisch nicht höher als die Nachbarhäuser. Mit 50 Metern und 16 Geschoßen wurde der Bau bestenfalls ein "Hochhauserl", so die Zeitungen, und kein echter Wolkenkratzer.

Delikatessen kaufen und sich "psychologisch analysieren" lassen
Dem Trend der Zeit entsprechend, bot das Hochhaus den Mietern allerhöchsten Komfort: "Frauen können Gebäck und Delikatessen einkaufen, Möbelstoffe aussuchen, Photographien hin- und zurückbringen, alles im Haus", vermeldete "Die Bühne". Außerdem konnte man im siebenten Stock "turnen, sich der Gesichtspflege befleißigen" und "sich im sechsten psychologisch analysieren lassen".

Im wahrsten Sinne des Wortes "Höhepunkt" war aber das Restaurant im 14. und 15. Stockwerk, mit sensationellem Blick auf die Stadt, großen Schiebefenstern und elektrisch zu öffnender Kuppel – für Tanzabende unter offenem Sternenhimmel...
Die Prominenten begegneten sich hier täglich im Hochgeschwindigkeitslift. Ob Albin Skoda oder Curd Jürgens, Paula Wessely oder Susi Nicoletti – die Herrengasse 6-8 war stets erste Adresse für jene, die hoch hinaus wollten.
Information: www.wienmuseum.at



Abb.: Das 13., 14. und 15. Stockwerk. Aufnahme vom Turm der Minoritenkirche, um 1934. © ÖNB Wien, Bildarchiv

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