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Ein zweiter Turm für die Münze Hall in Tirol |
| Vor drei Jahren öffnete das wesentlich erweiterte und gänzlich neu aufgestellte technische Münzmuseum - die Münze Hall - seine Tore. Noch im selben Jahr 2003 wurde es mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel ausgezeichnet und von rund 30.000 Besuchern besichtigt. Seitdem ist der Besucherstrom nicht abgerissen, sondern steigt im Gegenteil deutlich an. Rückenwind genug, um eine weitere Ausbauphase der Burg Hasegg, in der sich das Museum befindet, anzugehen. Das offensichtlich so erfolgreiche museumsdidaktische Konzept der Münze versucht ein Grundproblem jedes Museums zu lösen, das sich mit der Numismatik beschäftigt: Wie befriedige ich einerseits die Bedürfnisse des Fachpublikums, das sich für zahlreiche Münzvarianten und deren Details interessiert, und andererseits die des "Durchschnittsbesuchers", der ohne große Vorkenntnis mit den Grundzügen der münztechnischen Entwicklung konfrontiert, aber nicht überfordert werden soll? In der Haller Münze löst man das Problem durch die Präsentation in zwei Ebenen: Auf einer ersten Ebene sind die bedeutendsten Exponate ausgewählt und präsentiert. In einer zweiten Ebene eröffnet sich dem neugierigen Besucher das Detail - durch Drehen, Ziehen und Schieben interaktiver Elemente. Sein Blick fällt so auf zahlreiche Münzen, die den Kontext des Hauptexponats weiter erklären. Eine besondere Attraktion des Münzmuseums stellen dabei die münztechnischen Aspekte dar, die den Betrachter gerade in den gewaltigen Münzmaschinen unmittelbar ansprechen. Besonders eindrucksvoll ist dabei das Herzstück des Museums, die einzigartige Rekonstruktion einer Walzenprägemaschine aus dem 16. Jahrhundert. Sie stellte zu ihrer Entstehungszeit die erste Prägemaschine überhaupt dar, die man zur regulären Prägung von Umlaufgeld über längere Zeit einsetzen konnte. Bis dahin mussten alle Münzen in schweißtreibender Arbeit einzeln von Hand ausgeschlagen werden. Die Münze Hall war damit zu einem Pionier der Prägetechnik geworden, was dazu führte, dass sich in der Folge europäische Fürsten hier die Klinke in die Hand gaben. Eine numismatische Revolution anderer Art war von dieser Münze bereits 1486 ausgegangen, als man hier den ersten "Guldiner" prägte. Diese Großsilbermünze sollte als Taler die Welt erobern und wurde schließlich zum Namensgeber des heutigen Dollars. Aus dieser Zeit stammt auch ein ganz besonders spektakuläres Exponat der Münze Hall: der Münzerturm. Der Ausbau des zur Münze gehörigen Münzerturms hat das Wahrzeichen der Stadt Hall nicht nur für den Besucher als attraktives, historisches Monument reaktiviert, sondern daraus zugleich ein Musterbeispiel für moderne Innenar-chitektur gemacht. Modern und Alt stehen sich hier nicht feindlich gegenüber sondern gehen als harmonische Ergänzung Hand in Hand. Die kunstvoll geschwungene Stiege im Kern des Turms erschließt dem Besucher die oberen Geschoße, von denen er einen Blick auf die Stadt und ihre beeindruckende Bergkulisse genießen kann. Eine Multimedia-Installation lädt dazu ein, sich intensiver mit der Stadtgeschichte und der historischen Bausubstanz der mittelalterlichen Altstadt auseinanderzusetzen. Um den neuen Eingang in den Turm zu schaffen, musste ein Segment aus dem Sockel entfernt werden. Der Münzerturm, der als einziger mittelalterlicher Turm das große Erdbeben von 1670 überstand, bewies auch hier seine Standfestigkeit: Erst mit dem Einsatz von Diamantseilen gelang es, das Loch für den neuen Eingang auszubrechen. Nach der Festigung durch den Türsturz wird so für den Besucher am Eingang des Turms der Blick frei auf das mittelalterliche Mauerwerk, das er durchschreitet. Die Stabilität der mittelalterlichen Stadtmauer, zu der dieser Turm einst als besonderes Bollwerk gehörte, wird damit sinnfällig vor Augen geführt, der Blick für die historische Bausubstanz geschärft. Auch die nächste Erweiterungsphase soll eine gelungene Turmreaktivierung als Kernaufgabe bewältigen. Direkt neben dem Münzerturm steht ein etwas kleinerer Wehrturm, der in seinem Innern eine architektonische Besonderheit verbirgt: Es handelt sich um einen zweiläufigen Treppenturm. Die beiden im Turm angelegten Wendeltreppen verdrehen sich derart, dass sie einander nicht berühren. Dieses ausgeklügelte System diente einst der Verbindung verschiedener Ebenen innerhalb des Baukomplexes. Im Rahmen der Revitalisierung der Burg Hasegg wird dieser Treppenturm wieder rückgebaut, damit er seine ursprüngliche Funktion erhält. So entsteht eine Verbindung zu den Räumen oberhalb des derzeitigen Ausstellungsbereichs, die von beiden Türmen - dem neu erschlossenen Treppenturm und dem Münzerturm - zu erreichen sein werden. Die neuen Räumlichkeiten sollen nach der Fertigstellung der Umbaumaßnahmen der Stadtarchäologie übergeben werden, sodass deren Schauraum in den Ausstellungsparcours integriert wird. Das Konzept für die weitere Revitalisierung sieht darüber hinaus die Unterbringung des Stadtarchivs in der Burg vor, wodurch die Verbindung von museumsdidaktischer Vermittlung und wissenschaftlicher, stadthistorischer Forschung auch für den Besucher sinnfällig wird. Mitte 2007 soll die Revitalisierung des Bereichs rund um den doppelläufigen Treppenturm abgeschlossen sein, bis 2009 wird die Neuaufstellung des Stadtmuseums und des Stadtarchivs in der Burg folgen. Dr. Romedio Schmitz-Esser, Stadthistoriker der Stadt Hall/Tirol und freier Mitarbeiter der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
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