ÖMB Museen neues museum Veranstaltungen Journal
Aktuell | Archiv

Die Illyrer - Europas vergessenes Volk zwischen Griechen und Kelten
Archäologische Schätze aus Albanien

Nach Asparn/Zaya (2004) sind die "Illyrer" nun bis 15. August 2006 im Stadtmuseum Wels - Minoriten und von 15. September 2006 bis 15. Jänner 2007 im Landesmuseum Kärnten in Klagenfurt zu sehen. Die Sonderausstellung ist mit über 300 Objekten aus Gold, Silber, Bronze, Glas, Keramik und Stein bestückt, darunter Schmuckstücke, griechische Silbermünzen des Schatzfundes von Hollm, Beigaben eines Fürstengrabes, der Bronzehortfund von Torovica etc.

Leihgeber ist die albanische Republik. Feder führend bei der Zusammenstellung waren die Akademie der Wissenschaften in Albanien und das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien mit dem Niederösterreichischen Landesmuseum - Urgeschichtemuseum Asparn/Zaya.

Die reiche Vielfalt und hohe Qualität der Exponate zeugt von der Kultur eines Volkes, das zwischen Griechen und Kelten siedelte und durch enge Kontakte auch Einflüsse dieser Kulturen aufnahm. Diese Beeinflussung lässt sich beispielhaft an der Entwicklung der Keramik nachvollziehen. Der Handelskontakt mit den Griechen führte zu einem beachtlichen Wohlstand der sozialen Führungsschicht der "Illyrer", der sich in vielen Fundstücken niederschlägt.

Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist die Präsentation des mit überaus reichen Grabbeigaben ausgestatteten Fürstengrabes von Belsh. Als Herrscher über eine befestigte Bergstadt an der Haupthandelsroute, die von der Adria ins nördliche Griechenland führte, konnte er im 4. Jh. v. Chr. beträchtlichen Reichtum erwerben. In seinem Grab fanden sich etwa 70 prunkvolle Fundstücke: Keramik- und Bronzegefäße, Waffen und Schmuck.

Die "Illyrer" sind für Österreich auch deshalb von besonderem Interesse, da viele Forscher des 20. Jahrhunderts glaubten, die hier ansässige Bevölkerung vor den Kelten als Illyrer identifizieren zu können. Aus den Nachrichten griechischer Schriftsteller des 6. und 5. Jhs. v. Chr. geht hervor, dass die Bezeichnung "Illyrer" ein Sammelbegriff für mehrere Stämme ist, die zwischen Makedonien und der Adriaküste und von Griechenland bis Montenegro, also etwa im heutigen Albanien, anzutreffen sind. Diese Abgrenzung scheint auch archäologisch sinnvoll, weil sich auch gewisse gemeinsame Züge von eisenzeitlicher Tracht und von Schmuck in dieser Region seit dem ausgehenden 2. Jt. v. Chr. erkennen lassen.

Die Sprachwissenschaft und die Urgeschichtsforschung dehnten den Begriff "Illyrer" weit über den Balkanraum bis fast an die Ostsee aus. Daher nahm man lange an, dass Illyrer auch in Böhmen, im Alpengebiet, in Noricum und Pannonien siedelten. Dagegen zeigte schließlich die Archäologie, dass dieser weite Raum durch sehr unterschiedliche Kulturen, Stämme und Völker geprägt ist.

Franz Glaser, Landesmuseum Kärnten
Renate Miglbauer, Stadtmuseum Wels


Die Illyrer - Europas vergessenes Volk zwischen Griechen und Kelten

Stadtmuseum Wels - Minoriten
bis 15. August 2006

Landesmuseum Kärnten
15. Sep. 2006 bis 15. Jänner 2007



Abb.: 1991 ist am Fuße einer jungeisenzeitlichen Bergstadt bei Hollm im heutigen Albanien eine bronzene Oinochoe (Weinkanne) mit ca. 1.000 Silbermünzen gefunden worden. Von den 394 später sichergestellten Münzen (138 sind ausgestellt) sind beinahe alle, wie die Schildkröten auf den Vorderseiten verraten, auf der Insel Ägina im Saronischen Golf geprägt worden. Sie stammen aus der Zeit des ausgehenden 6. Jhs. bis 420/410 n. Chr. (© Stefan Traxler)

« back »