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blau – Die Erfindung der Donau
Die Donau: eine Kulturgeschichte & eine Erkundung in der Gegenwart

Der kulturhistorische Ausstellungsteil stellt den Fluss, seine Geschichte, seine Erschließung, seinen Ausbau zur europäischen Wasserstraße, aber auch seine kulturelle und ökonomische Bedeutung für Mittel- und Südosteuropa vor. Dabei ist der Blick vor allem ostwärts gerichtet. Im Längsschnitt und im Zeitschnitt bündelt die Donau bis heute europäische und österreichische Geschichte. Der zweitgrößte Strom des Kontinents durchquert oder säumt gegenwärtig von Westen nach Osten zehn Staaten. Er ist 2.860 Kilometer lang, 817.000 Quadratkilometer beträgt sein Einzugsbereich - ein Gebiet mit ca. 80 Mio. Menschen, viele davon leben in den neuen Staaten der EU. Die Donau als Brennpunkt: Sie erzählt von Industrie und Kultur, von Architektur und Natur, von Verkehr und Erholung.

Für den künstlerisch-fotografischen Schwerpunkt wurden zwei international renommierte Künstler, Iosif Király (Bukarest) und Sophie Ristelhueber (Paris) eingeladen, ihre Sicht auf den Fluss fotografisch festzuhalten. Winter und Frühjahr 2004/05 reisten die beiden Fotografen entlang der Donau, ost-und westwärts. In der Ausstellung kreuzen sich ihre Eindrücke und treffen auf historische Objekte. Auf diese Weise erschließt sich das Thema - die Donau - aus zwei Perspektiven, einer historischen und einer gegenwärtigen.


Iosif Király: Rekonstruktionen
Im Winter 2004/2005 bereiste der rumänische Künstler Iosif Király Städte an der mittleren und östlichen Donau: Budapest, Turnu Severin, Giurgiu, Ruse, Cernavoda und Braila. Er besuchte Orte und Gegenden, die ihr Gesicht den modernen Entwicklungen des Flusses verdanken. Immer bewegte er sich nahe am Ufer. Er hielt sich dort auf, wo die Schiffe anlegen, er besuchte die Hafen- und Werftareale, die neuen Wohnsiedlungen am Ufer, aber auch das Brachland zwischen den Silhouetten der industriellen Architektur.

Manche Städte besuchte er mehrmals, andere nur einmal. Einige der Bilder entstanden fast gleichzeitig, andere Stunden, Tage oder Wochen später. Aus dem Rohmaterial, das er während seiner Reisen sammelte, setzte er seine fotografischen Arbeiten zusammen. In seinen Panorama-Kompositionen kommt es zu Überlagerungen und Überlappungen zwischen den unterschiedlichen Zeitschichten und Ausschnitten. Die Reihen sich überlagernder Blicke nennt er "Rekonstruktionen".

Sophie Ristelhueber: Faits divers
Die französische Künstlerin Sophie Ristelhueber folgte der Donau auf ihren letzten Kilometern. In der Nähe der Stadt Tulcea, am Eingang des Deltas, beginnt ihre Fotoarbeit, am Ende des Deltas, in der kleinen Hafenstadt Sulina, endet sie. Ristelhueber fotografierte in den Kanälen, die das Delta kreuz und quer durchziehen, vor allem aber war sie (in einem kleinen Fischerboot) an der Mündung des Flusses unterwegs. Dort, wo die Donau endet und das Schwarze Meer beginnt.

"Faits divers" - verschiedene Ereignisse, aber auch: Chronik, vermischte Meldungen - nennt die Künstlerin ihre Arbeit, die von einer akustischen Installation begleitet wird. Die scheinbar idyllischen Bilder der Donau werden von den Stimmen der Vergangenheit unterspült. Während der kommunistischen Zeit bedeutete der Fluss in erster Linie Grenzziehung. Die Flucht über das Wasser - etwa nach Jugoslawien - war lebensgefährlich. Faits divers: die Berichte dies- und jenseits des Flusses sind verschieden.

In der Ausstellung präsentiert Sophie Ristelhueber die großformatigen (180 x 146 cm) Fotografien mitten im Raum. Sie stehen neben- und hintereinander. Von keinem Standort aus können alle Aufnahmen überblickt werden, die Fotografien überlappen und verdecken einander immer wieder. Die Besucherinnen und Besucher suchen sich ihren Weg durch die Installation bis hin zu jenen Aufnahmen, die den Übergang des Flusses ins Schwarze Meer zeigen.

blau - Die Erfindung der Donau
bis 27. November 2005
Mo-Fr 9-18 Uhr
Sa, So, Fei 10-18 Uhr

Technisches Museum Wien
Mariahilfer Straße 212
A-1140 Wien
www.technischesmuseum.at



Foto: Iosif Király

Foto: Sophie Ristelhueber

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