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KHM: Kunst- und Wunderkammer Meisterwerke aus der Habsburgischen Kunst- und Wunderkammer |
| Kunsthistorisches Museum 12. Juli bis 18. September 2005 Die im Europa des 16. Jahrhunderts entstandenen Kunst- und Wunderkammern gelten als Vorläufer der heutigen Museen. In diesen komplexen, zumeist fürstlichen Sammlungen trug man nicht nur von Menschenhand geschaffene Kunstgegenstände zusammen, sondern auch Objekte, die aufgrund Ihres Materials oder Aussehens als fremdartig, außergewöhnlich oder auch einzigartig empfunden wurden. Dazu zählen etwa Straußeneier, Bezoare oder Einhörner. Ein Anliegen der Kunstkammern war es, die Erde, also den Makrokosmos, der im übertragenen Sinn als "Kunstkammer Gottes" verstanden wurde, als eine Art Mikrokosmos zu spiegeln. Die Vielseitigkeit der Sammlungen legt Zeugnis vom Verständnis der Kunstkammer als "Universum im Kleinen" ab. Aber nicht nur Wissensdurst und Neugier, die vielleicht wichtigsten Antriebsfedern der Sammelleidenschaft, sondern auch die Freude am Schönen und Kostbaren spiegelten sich in den zusammengetragenen Objekten. Solcher Sammelleidenschaft und curiositas (Neugier) verdankt auch die Wiener Kunstkammer ihren Ursprung. Die Vielfalt und Qualität der Objekte - seien es naturalia, scientifica, mirabilia oder artefacta - legen Zeugnis ab von den Interessen einzelner Sammlerpersön-lichkeiten wie Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, Kaiser Rudolf II. und Erzherzog Leopold Wilhelm. Die große Reform der kaiserlichen Sammlungen unter Kaiser Franz Joseph ab 1875 vereinte schließlich alle Kunstkammerbestände im 1891 eröffneten Kunsthistorischen Museum. Neben Goldschmiedearbeiten, Steinschnitt, Elfenbein und Bronzen namhafter Künstler beherbergt die Sammlung wissenschaftliche Instrumente, Automaten und Uhren, Spiele, Exotica, Kuriosa und Mirabilien. Zudem wurden der Kunstkammer nach dem Zusammenbruch der Monarchie die Samm-lung der Linie Österreich-Este und der umfassende Tapisserienbestand angegliedert, der ursprünglich der Ausgestaltung der kaiserlichen Schlösser diente. Die Sonderausstellung der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums mit Objekten aus eigenem Bestand bietet eine Auswahl meisterhafter Stücke. So wird zum Beispiel den beiden Sammlerpersönlichkeiten Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595), der eine reichhaltige Kunstkammer auf Schloss Ambras bei Innsbruck zusammengetragen hatte, und Kaiser Rudolf II. (1552-1612), dessen unermessliche Schätze vor den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zum Teil von Prag nach Wien gerettet werden konnten, Rechnung getragen. Aus dem Besitz Ferdinands wird etwa das mit seinem Wappen versehene, in Innsbruck zwischen 1575 und 1577 gefertigte Spielbrett zu sehen sein. Rudolf ist als Mäzen des Bildhauers Adriaen de Vries (1545-1626) bekannt. In der Ausstellung wird neben der berühmten Portraitbüste (1603) Rudolfs von der Hand dieses Künstlers auch die Bronze mit der Darstellung des Christus an der Geißelsäule (um 1613/15) zu sehen sein. Ein weiteres Meisterwerk aus der Rudolfinischen Kunstkammer ist etwa die Seychellennuss-Kanne (1602) von Anton Schweinberger. Zu den ältesten ausgestellten Objekten gehört die aus karolingischer Zeit stammende Elfenbeinplatte mit der Darstellung des Hl. Gregor (um 875), des nach diesem Hauptwerk von seiner Hand benannten "Meisters der Wiener Gregorplatte". Um eine bekannte Goldschmiedearbeit der Kunstkammer handelt es sich beim sogenannten Michaelsbecher (um 1530/40), ein aus Gold gefertigter Pokal, der teilweise emailliert und mit Diamanten, Smaragden, Rubinen und Perlen besetzt ist. Aus dem Bereich des Steinschnitts ist eine Deckelschale aus Prasem (um 1580) aus der Hand des Gasparo Miseroni ausgestellt. Das im Inventar aus den Jahren 1607/11 der Kunstkammer Rudolfs II. in Prag aufgelistete Objekt besticht durch seine ausgewogenen Proportionen und seine subtile Eleganz. Von Jacopo Alari-Bonacolsi, genannt Antico stammen zwei teilvergoldete Bronzebüsten des Bacchus und der Ariadne (1520/25). Die beiden Büsten zeichnen sich durch ihre sorgfältige Ausführung und klassische Harmonie aus. Sie wurden vermutlich für Isabella d'Estes berühmte Kunstkammer, die sogenannte Grotta im Palazzo Ducale in Mantua geschaffen. Unter den Elfenbeinarbeiten ragt besonders die virtuose, auf einem Vorbild Berninis basierende Gruppe Apollo und Daphne (nach 1680/85) des Tiroler Elfenbeinschnitzers Jacob Auer hervor. Aus der Gruppe der Uhren und Automaten wird eine aus Silber, teilvergoldete, mit Email und Edelsteinen besetzte Figurenuhr mit Diana auf einem Kentauren (1595/1600) von Hans Jacob Bachmann gezeigt, die aus der Kunstkammer Rudolfs II. in Prag stammt. Die Gruppe verfügt im Sockel über Räder und konnte sich damit vorwärts bewegen. Gleichzeitig rollten bei Inbetriebnahme die Augen des Kentauren und er schoss einen Pfeil ab, Diana und der neben ihr platzierte Jagdhund, der sein Maul öffnen kann, drehten dazu die Köpfe. Das Bezoar entsteht im Magen oder Darm einiger Widerkäuer und fand bis ins 18. Jahrhundert als Heilmittel gegen diverse Krankheiten und als geheimnisvolles Schutzmittel gegen Vergiftungen Verwendung. Das in der Ausstellung gezeigte exotische Objekt verdeutlicht seine Wertschätzung durch die im 16. Jahrhundert angebrachte kostbare, mit Edelsteinen verzierte Fassung. Unter den Tapisserien aus kaiserlichem Besitz ist beispielsweise ein Wandbehang aus einer in Brüssel, der Hochburg der Tapisserieproduktion im 16. Jahrhundert, gefertigten Moses-Serie zu nennen. Er ist in Wolle und Seide unter reicher Verwendung von Edelmetallfäden angefertigt worden und zeigt die Szene "Die Israeliten sammeln Manna in der Wüste". Mit ca. 70 Objekten bietet die Sonderausstellung einen Querschnitt durch den vielfältigen Bestand der Kunstkammer unter verschiedenen Gesichtspunkten wie Sammlerpersönlichkeiten, Materialien, Gattungen etc. Dem Publikum wird somit für einen begrenzten Zeitraum Zugang zu einem kleinen, aber dafür sehr exquisiten Teil des Bestandes der derzeit wegen Sanierung der Ausstellungsräume geschlossenen Kunstkammer ermöglicht. Meisterwerke aus der Habsburgischen Kunst- und Wunderkammer 12. Juli bis 18. September 2005 Di-So 10-18 Uhr Do bis 21 Uhr Kunsthistorisches Museum, Sonderausstellungssaal Maria Theresien-Platz, 1010 Wien Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr www.khm.at
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