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Bernardo Bellotto, genannt Canaletto
Europäische Veduten
Kunsthistorisches Museum
bis 19. Juni 2005


Bernardo Bellotto (1722 Venedig – 1780 Warschau) ist einer der Hauptvertreter der Vedutenmalerei, der topographisch genauen Wiedergabe von Stadtansichten. Diese Sonderform der Landschaftsdarstellung entwickelte sich in Venedig im Lauf des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang mit einer steigenden Zahl von Bildungs-reisenden. Hauptmeister dieser spezialisierten Gattung in Venedig war Antonio Canal, der Onkel und Lehrer Bellottos, von dem dieser den Beinamen Canaletto übernahm.

Bellotto war nach seinen Lehrjahren bei Antonio Canal auch außerhalb Venedigs tätig, und zwar in Rom, Florenz, Lucca, Mailand, Turin und Verona. 1747 verließ er seine Heimatstadt für immer und übersiedelte nach Dresden. In den nächsten elf Jahren schuf er als Hofmaler von Kurfürst Friedrich August II. eine Folge von großen Veduten von Dresden und Pirna, die ein eindrucksvolles Bild sowohl der blühenden spätbarocken Residenzstadt als auch der mittelalterlichen Stadt mit ihrer Festung ergeben. Mit diesen Bildern übertrug er die bis dahin spezifisch venezianische Form der Vedutenmalerei nach Mitteleuropa. Seine Bilder verblüffen durch topographische Exaktheit und Detailtreue, aber dennoch nahm Bellotto zugunsten der Geschlossenheit des kompositorischen Aufbaus entscheidende Veränderungen der Wirklichkeit vor und gliederte die Kompositionen effektvoll durch starke Licht- und Schattenkontraste.

1759 und 1760 arbeitete Bellotto in Wien, wo er im Auftrag von Kaiserin Maria Theresia Ansichten von Wien und den kaiserlichen Schlössern Schönbrunn und Schlosshof schuf, die sich heute in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums befinden.

Er kehrte über München nach Dresden zurück und war von 1767 bis zu seinem Tod als Hofmaler von König Stanis_aw August Poniatowski von Polen in Warschau tätig. Hier malte er für das Königliche Schloss eine große Zahl von Veduten der Stadt und ihrer Umgebung, die heute wieder im sogenannten, der historischen Vorlage nachgebildeten "Canaletto-Saal" ausgestellt sind.

Als Folge der intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Nationalmuseum Warschau, dem Königlichen Schloss in Warschau und dem Kunsthistorischen Museum in Wien im Rahmen des "Polnischen Jahres in Österreich 2002" entstand der Plan, die mehr als 20 Veduten von Warschau und dem Schloss Wilanów gemeinsam mit den vierzehn Wiener Gemälden, ergänzt um Leihgaben aus der frühen italienischen, sowie der Dresdner Schaffensperiode, im Kunsthistorischen Museum zu zeigen. Es handelt sich dabei um eine einmalige Gelegenheit, da man die im Laufe der letzten Monate restaurierten Warschauer Veduten anschließend im Warschauer Schloss wieder wandfest montieren wird und sie daher für die nächsten Jahre nicht mehr als Leihgaben zur Verfügung stehen werden.

Autor: Karl Schütz

Bernardo Bellotto, genannt Canaletto
Europäische Veduten
bis 19. Juni 2005

Kunsthistorisches Museum, Sonderausstellungssaal
1010 Wien, Maria Theresien-Platz
Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr
www.khm.at



Abb.: Wien, vom Belvedere aus gesehen, 1759/60
(© Wien, Kunsthistorisches Museum)

Abb.: Wien, Freyung von Südosten aus, 1759/60
(© Wien, Kunsthistorisches Museum)

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