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| Die Sankt Nikolaus Kapelle von Schloss Ambras |
| Die wechselhafte Geschichte der St. Nikolauskapelle von Schloss Ambras reicht bis ins 14. Jh. zurück. Nach ihrer ersten Weihe im Jahr 1330 folgten zahlreiche Umbauten. So wurde die Kapelle unter Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595) im Zuge der Adaptierungen des Schlosses für seine nicht standesgemäße Ehefrau Philippine Welser nachhaltig umgestaltet. Das heutige Erscheinungsbild der Kapelle geht aber auf das 19. Jh. zurück, als der Statthalter von Tirol, Erzherzog Karl Ludwig (1832-1896), die schadhaften Wandmalereien des 16. Jhs. abschlagen ließ und eine allgemeine Neugestaltung in Auftrag gab. Der Innsbrucker Maler August Wörndle malte die Kapelle "al secco" aus. Dabei orientierte er sich stilistisch an den Nazarenern, ikonographisch an den ursprünglichen Malereien des 16. Jhs. Nach seinen Entwürfen schuf die Innsbrucker Glasmalereischule die bunt leuchtenden Glasfenster. Ebenfalls aus dieser Zeit stammen die Kirchenbänke und der neugotische Altar mit der Statue des Heiligen Nikolaus vom Bildhauer Michael Stolz. Mit ihrer neugotischen Ausstattung stellt die Kapelle im Schloss ein wichtiges Bindeglied vom Mittelalter über die Renaissance bis zur jüngeren Vergangenheit dar. Im unmittelbar anschließenden, durch zwei Rundbögen verbundenen Kapellenvorraum wird der Kapellenschatz präsentiert: bis ins 14. Jh. zurückgehende Ablassbriefe, wertvolle gotische Skulpturen, kostbares Augsburger Kirchensilber, seltene, reich bestickte Messgewänder aus dem 16. Jh. u.a.m. Im Zuge der Einrichtung eines Museums im Schloss Ambras wurden 1880 vor allem gotische Exponate aus den Beständen der Wiener kaiserlichen Sammlungen nach Innsbruck geholt und auch Ankäufe aus Privatbesitz getätigt. Neben Objekten, die unmittelbar zur Kapellenausstattung gehören, stammen einige der gezeigten Stücke aus diesen Provenienzen. Der Kapellenvorraum bildet damit eine sinnvolle Ergänzung zur Ausstellung spätmittelalterlicher Bildwerke, die seit 1996 im gegenüberliegenden Bergfried präsentiert wird und deren Prunkstück der Georgsaltar Kaiser Maximilians I. ist. Als der neugotische Altar der Schlosskapelle bei Renovierungsarbeiten im Jahr 2004 vorübergehend entfernt wurde, kam der gemauerte mittelalterliche Altar zum Vorschein, in dessen Unterbau ein Sepulcrum, ein Reliquiengrab, entdeckt wurde. Es besteht aus einem kleinen, mit geprägtem Leder bezogenen Holzkästchen, das als Jahr der Einmauerung 1566 angibt. Im Inneren des Kästchens sind 15 beschriftete Papierbriefchen mit Reliquien verwahrt. Die Beschriftungen sind teils in lateinischer, teils in deutscher Sprache verfasst. Das Kästchen soll, nachdem es einige Zeit in der Ausstellung präsentiert wurde, wieder im Altar eingemauert werden. Die vom Kunsthistorischen Museum veranlasste Restaurierung der seit vielen Jahren nicht mehr zugänglichen Kapelle wurde von der Landesgedächtnisstiftung, dem Bundesdenkmalamt, der Burghauptmannschaft, dem Stift Wilten, der Pfarre Amras, dem Land Tirol und der Stadt Innsbruck unterstützt. Die Kapelle soll nicht nur musealen Zwecken dienen: Neben Taufen und Hochzeiten lässt die Pfarrgemeinde Amras auch die für viele Jahre unterbrochene Tradition einer jährlichen Sankt Nikolaus-Messe wieder aufleben. Autorin: Margot Rauch Schloss Ambras Schloss Straße 20 A-6020 Innsbruck, Tel: +43/01/525 24 -742 Mail: margot.rauch[@]khm.at
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